Veröffentlicht in Allgemein, Kinder und Familienleben

Corona, die Schule und ich

Lockdown-light, unsere Kontakte sind weitgehend reduziert und wir schränken uns ein, um den steigenden Coronazahlen zu trotzen. Gleichzeitig bleiben die Schulen weiter geöffnet, die meisten Kinder werden in vollen Klassen unterrichtet. Das soll so bleiben, so lange wie es irgendwie geht. Was bedeutet das für Kinder, Eltern und für Lehrkräfte? Ich schreibe hier aus meiner Sicht als Mutter. Und als Lehrerin.

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich bin weder Corona-Leugerin noch Corona-Verharmloserin. Doch je länger die Pandemie dauert, desto mehr steigt der Unmut auch bei denen, die den Weg der Einschränkungen für notwendig halten. Nicht alle Maßnahmen sind gleichermaßen nachvollziehbar. Ein neunjähriges Mädchen sagte zu mir: „Ich verstehe das nicht: Es dürfen sich nur zwei Haushalte treffen. In der Schule sind wir aber 20 Kinder in der Klasse, da ist das egal.“ Das Kind hat schon so einiges verstanden…

Nochmal Home Schooling? Bitte nicht…

Als Mutter bin ich froh über den Schulalltag, auch wenn es ein „eingeschränkter Regelbetrieb“ ist. Vermutlich gehören unsere Kinder zu denen, die es während der Schulschließung ganz gut hatten. Hier gibt es einen Garten und Geschwister zum Spielen. Zeit hatten wir anfangs auch mehr für die Kinder, aber irgendwann mussten mein Mann und ich wieder arbeiten und die Großen passten auf die Kleinen auf, um die Notbetreuung zu vermeiden. Das war aus der Not geboren, aber daran sind sie auch alle gewachsen. Was Home Schooling mit einem recht unterstützungsbedürftigen Grundschüler bedeutet, muss ich anderen Eltern auch nicht erklären… Es war eine anstrengende Zeit. Mittlerweile haben wir wieder zwei Grundschüler. Wir sind beide „systemrelevant“ und müssten in jedem Fall weiter arbeiten gehen. Wahrscheinlich kann man erahnen, was es für uns bedeuten würde, wenn die Kinder zweitägig oder gar eine Zeit überhaupt nicht in die Schule gehen würden. Wir würden das hinkriegen, aber es wäre ein noch größerer Kraftakt als beim ersten Mal.

Arbeit und Schulkindbetreuung – im Notfall muss es klappen…

Ich hoffe jeden Morgen, dass es noch lang so weitergeht wie jetzt. Die Kinder gehen zur Schule, sie müssen nur in den Fluren Maske tragen und bis auf Sport und Schwimmen ist Unterricht ganz gut möglich. So klappt es völlig problemlos. Wie wäre es, wenn sie häufiger oder sogar ständig Maske tragen müssten? Und würde das überhaupt etwas bringen?

Schulalltag in Corona-Zeiten

Kinder machen viel mit und gewöhnen sich an einiges. Wir Erwachsenen unterschätzen das zuweilen. Sie tragen die Masken (sogar längere Zeit) ganz selbstverständlich und das ständige Händewaschen ist ihnen in Fleisch und Blut übergegangen. Tatsächlich habe ich manchmal den Eindruck, dass in diesem Herbst weniger Kinder wegen Krankheit fehlen in der Schule. Kaum jemand hustet oder schnieft und häufig sind alle Kinder da. Vielleicht wird auch der ein oder andere sonstige Virus ein wenig gebremst durch die Hygienekonzepte… Trotzdem bleibt die Frage: Was bringt das alles wirklich? Selbst wenn die Kinder die ganze Zeit Maske tragen würden, gäbe es keine 100-prozentige Sicherheit. In letzter Zeit scheinen Gesundheitsämter immer häufiger davon auszugehen, dass mit dem Gebrauch von Masken und regelmäßigem Lüften Corona keine Chance hat. Tritt ein positiver Fall auf, so wird je nach Bundesland nicht einmal mehr die Klasse in Quarantäne geschickt, teilweise wird nur der direkte Sitznachbar getestet – oder nicht einmal das. Klar, Kinder haben oft einen leichten oder unbemerkten Verlauf, sie stecken das weg. Aber was bedeutet das für uns alle?

Nochmal Home Schooling? Wenn es sein muss…

Ich habe großes Verständnis für Kolleginnen und Kollegen, die ein höheres Risiko haben durch ihr Alter oder Vorerkrankungen. Kaum jemand ist seit den Sommerferien noch im Home Office. Dass jemand mit über 60 Jahren mit Angst in eine Schulklasse geht ist für mich absolut verständlich. Ich selbst gehöre zu keiner Risikogruppe, aber mir ist auch nicht wohl. Täglich habe ich Kontakt zu 40 Haushalten und das ohne Maske. Die Vollzeitkollegen kommen locker auf die doppelte Zahl. Meine privaten Kontakte schränke ich ein in dem Wissen, dass ich das Risiko bin. Weder Lehrkräfte noch Schulleitungen dürfen eine Maskenpflicht anordnen, wir haben also alle keine Wahl. Business as usual. Was wir aktuell zum Arbeitsschutz erhalten sind Anleitungen, wie man richtig lüftet. So kommt bei vielen zu der Angst auch noch Wut. Das soll alles sein? Luftreinigungsgeräte wären teuer, aber wirksam. Während schwächelnde Fluglinien problemlos Milliardenbeträge erhalten, ist kein Geld da, um Schülerinnen und Schüler und alle, die mit ihnen Kontakt haben, wirkungsvoller zu schützen. Es wäre eine nachhaltige Investition, die uns alle betrifft. Zuweilen kommt man sich allein gelassen vor. Was sind uns Kinder und ihre Bildung denn wert?

Geteilte Klassen – Eine Lösung?

Wenn die Kinder nur alle zwei Tage zur Schule kämen, könnte man wenigstens die Abstände einhalten. Das bringt einige Einschränkungen im Schulalltag mit sich. Ich unterrichte mit Abstand völlig anders, als ich es gelernt habe. Aber auch hier gilt: Die Kinder gewöhnen sich sehr schnell daran. Und es wäre auch für Kinder verträglich, die es zu Hause nicht leicht haben, das hat die Zeit vor den Sommerferien gezeigt. Besonders Kinder, denen das Lernen schwer fällt und die ganz ruhigen Kinder können sogar profitieren. In halben Klassen habe ich als Lehrerin viel mehr Überblick, wer das neue Thema nicht verstanden hat und kann individueller helfen. Keiner kann sich wegducken 🙂 , aber es geht auch keiner unter. Ich habe Kolleginnen und Kollegen verschiedener Schulen gefragt – nicht einer empfand die kleinen Klassen als Nachteil. Vielleicht ist dies auch eine Zeit, in der wir wunde Punkte des Bildungssystems ans Licht bringen, die schon lang existieren. Hätten wir sonst jemals ausprobieren können, wie Kinder in kleineren Klassen lernen? Ich wünsche mir dieses Szenario trotzdem nicht. Aber es könnte Teil einer vorübergehenden Lösung sein.

Eine 100-prozentige Sicherheit gäbe es natürlich auch mit Abständen nicht. Gerade mit kleinen Kindern kann man sie auch nicht immer einhalten. Es würde mir auch nicht einfallen, einem Kind nicht zu helfen, dass das aus seiner Jacke nicht herauskommt, das ein Pflaster braucht oder sich eingenässt hat. Das gehört zu meinem Beruf, Corona hin oder her. Und ich liebe diese Arbeit.

Eine Lehrerin in meinem Bekanntenkreis schrieb die Eltern an, sie wünsche sich, dass die Kinder freiwillig Maske tragen. Sie selbst gehöre zur Risikogruppe, wolle aber nicht ins Home Office, wie ihr Arzt anbot, sondern in der Schule weiter unterrichten. Die Kinder müssten keine Maske tragen, aber sie tun es nun. Alle. Die Lehrerin müsste nicht in die Schule kommen, aber sie tut es. Trotz Risiko. Hygienekonzepte hin oder her, das nenne ich Nächstenliebe. Und zwar von den Eltern, den Kindern und von der Lehrerin.

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Wir glauben daran, dass ein FAMILIENLEBEN MIT GOTT einen Unterschied macht. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denn FAMILIEN LEBEN MIT GOTT. Mach dich mit uns gemeinsam auf die Suche nach Mehr...

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