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Fastentagebuch (2): Die Fastentage

Ich war fest entschlossen, mehrere Tage nur Wasser, Tee und salzfreie Gemüsebrühe im Sinne eines Heilfastens zu mir zu nehmen. Meist wird empfohlen, nicht länger als eine Woche ohne ärztliche Begleitung zu fasten, daran wollte ich mich halten. Meine Freundin riet mir aber auch, auf jeden Fall länger als 3 Tage durchzuhalten, denn sonst hat man nur die anstrengenden Tage… Anstrengende Tage, ich hatte wirklich Respekt vor dem Start.

Der 1. Tag

Ich wache am Morgen mit Kopfschmerzen auf. Nach dem obligatorischen Einlauf wird es besser und ich verspüre tatsächlich den ganzen Tag keinen Hunger. Erwartungsgemäß ist mir kälter als sonst und ich habe das Bedürfnis, mich „einzukuscheln“ in Strickjacke und Decke. Ich traue mich nicht, komplett auf Kaffee zu verzichten aus Angst vor den Entzugskopfschmerzen. So trinke ich morgens und nachmittags je eine Tasse dünnen Kaffee. Mittags koche ich mir eine Gemüsebrühe, sie schmeckt wässrig, doch ich versuche, sie zu kauen. Das sieht sicher lustig aus. Abends gibt es wieder Gemüsebrühe, dazwischen reichlich Tee und Wasser. Fazit: Für den ersten Tag geht es mir erstaunlich gut. Ich habe die Sonne auf der Terrasse genossen, einen Spaziergang gemacht und in der Bibel gelesen.Hängematte im Grünen, ausruhen, Pause, Auszeit, Fastenzeit, fasten, Heilfasten

„Es ist meine Aufgabe, mich um mich zu kümmern.“

(Nicole Jäger, Coach)

Der 2. Tag

Seit dem Entlastungstag zeigt die Waage 1,5 kg weniger an. Natürlich ist dies der Wasserverlust, das ist mir klar. Dennoch fühle ich mich leicht und gut. Ich mache einen Morgenspaziergang, während die Familie noch schläft. Die Waldluft tut gut und die Vögel singen so wunderbar, ein Genuss für die Sinne. Ich sitze morgens vor meinem Kaffee und stelle erstaunt fest: Er riecht überhaupt nicht gut, irgendwie bitter. Ist das schon die empfindliche „Fastennase“? Die Angst vor dem Entzug ist noch da, ich trinke eine Vierteltasse Kaffee, verzichte jedoch am Nachmittag komplett darauf.  Ich lese in der Bibel und mir bleibt an diesem Tag der Ausdruck „und er suchte den Herrn“ im Kopf hängen. Den Herrn suchen, das beschreibt im Grunde das ganze Leben. Mit den Kindern beginne ich, einen Osterweg zu gestalten. Heute geht es um den Einzug in Jerusalem und ich lade Jesus bewusst neu in die verschiedenen Bereiche meines Leben ein.

„Und solange er den Herrn suchte, ließ Gott es ihm gelingen.“

2. Chronik 26,5

Die Gemüsebrühe mittags schmeckt nicht sonderlich. Mir wird bewusst, wie wichtig mir Genuss ist. Ich kann mir nicht vorstellen, immer nur Wasser zu trinken und experimentiere mit Teemischungen. In meine Wasserflasche gebe ich Gurkenscheiben und Kresse oder Zitronenscheiben. Irgendwie brauche ich „ein bisschen was Schönes“. Hunger verspüre ich nicht, aber Gelüste stellen sich ein. Obwohl ich sonst wirklich einen „süßen Zahn“ habe, fantasiere ich ausschließlich über herzhaftes Essen. Meist spielen Ei und Käse eine große Rolle. Ein Veganer wird also nicht aus mir! Am späten Nachmittag fühle ich mich ziemlich müde, ich lasse mich von meinen Töchtern noch zu einer Runde Pilates überreden und gehe früh ins Bett.

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Der 3. Tag

Ich brauche Zeit, um morgens „in die Gänge“ zu kommen. Während der gesamten Fastenzeit schlafe ich zudem ziemlich schlecht (meine Freundin dagegen schläft sehr gut, es ist wirklich alles individuell…). Jeden Morgen bin ich sehr früh wach, aber das stört mich gar nicht. Ich genieße die Ruhe zum Lesen, Beten oder Spazierengehen. Heute verzichte ich erstmals komplett auf Kaffee und habe tatsächlich keine Entzugserscheinungen. Mir fällt auf, dass mein Blick klarer ist. Mein Spiegelbild gefällt mir. Wann hat man das schon, dass man am Morgen ins Bad kommt und denkt: „Oh, hallo, gut siehst du aus!“ 🙂 An diesem Tag fällt mir der Verzicht auf Essen richtig schwer, gerade am Abend. Ich bin sehr froh, dass meine Töchter schon kochen können, so muss ich nicht ständig Essen für andere vorbereiten. Andererseits kann ich Düfte genießen, auch Essensduft. Ich gönne mir ein blumiges Bad, mir scheint, dass ich mit tollen Gerüchen den fehlenden Geschmack etwas kompensieren kann. Ein kleines Highlight. Ich mache mir bewusst, dass ich schon die erste Hälfte geschafft habe und schreibe mir auf, was ich mir für die Ernährung danach vornehme. Außerdem blättere ich nun gern in Kochbüchern und male mir aus, was ich alles kochen werde…

Heute finde ich Wegweisung in Psalm 39 und das lenkt meinen Blick weg vom Thema Essen:

„Ich will auf meine Wege achten, dass ich nicht sündige mit meiner Zunge. Ich war gänzlich verstimmt und schwieg auch vom Guten, aber mein Schmerz fraß in mir. Mein Herz entbrannte in mir durch mein Nachsinnen wurde ein Feuer entzündet, da redete ich mit meiner Zunge.“

Psalm 29, 2-4

Der 4. Tag

Mein Kreislauf hat sich eingespielt und ich fühle mich kraftvoll. Ich schaffe heute einiges weg im Haushalt. Mein Gewicht geht weiter nach unten, bisher habe ich 3 kg verloren, ich fühle mich leicht und gut. Heute mache ich mir Gedanken über den Ausdruck „sich heiligen“. In den Chroniken lese ich davon, dass die Leviten sich und das Haus Gottes heiligten. Man könnte das vielleicht ganz grob mit „reinigen“ übersetzen, sie trugen alles Unreine hinaus. Das anschließende Blutopfer war begleitet von Lobpreis. Mit dem körperlichen Fasten möchte ich mich auch reinigen, äußerlich und innerlich – und beim Putzen singen und loben 🙂

„Sich heiligen bedeutet, sich von Jesus verändern zu lassen, einzugestehen, dass man ein Sünder ist und einen persönlichen Retter braucht und seine Vergebung durch sein Blut, dass er für uns auf Golgatha vergossen hat, in Anspruch nimmt und sich ganz nach ihm ausstreckt.“

www.christliche-themen.de 

Der 5. Tag

Heute bin ich müde und habe die ganze Zeit das Gefühl, meinen Muskeln bauen ab. (Was möglich ist, da der Körper nach dem Wasserverlust als nächstes Eiweiß abbaut). Ich versuche, mit Bewegung und leichtem Krafttraining gegenzuwirken, das tut gut. Ich bitte Gott, dass ich meinen Blick auf ihn richten kann statt nur auf mich und mein Befinden.

„Er zog mich aus der Grube des Verderbens, aus dem schmutzigen Schlamm und stelle meine Füße auf einen Felsen, er machte meine Schritte fest und gab mir ein neues Lied in meinen Mund, ein Lob für unseren Gott!“

Psalm 40, 3+4

Der 6. Tag

Hey, meine Hose rutscht! Wohlwissend, dass in den nächsten Tage die Kilos zurückkommen werden (zumindest teilweise), genieße ich das Gefühl. Der letzte Tag ist für mich dennoch anstrengend. Meine Familie isst und genießt, es wird Fladenbrot gebacken und Fisch gegrillt und ich sitze daneben mit meinem …. Tee. Futterneid. Ich bin froh, dass ich durchgehalten habe, aber ich freue mich unbändig auf das Essen. Heute denke ich darüber nach, dass Jesus auch über das Fasten gesprochen hat. Wir sollen es nicht zur Schau stellen, sondern für uns und vor Gott fasten. In einem Hörbuch zur Fastenzeit von Anselm Grün höre ich die Anregung, an jedem Fastentag für eine andere Person Fürbitte zu halten. Was für ein guter Gedanke! Außerdem ist Fasten mit dem Thema Almosen geben verbunden. Ich denke nach, wem ich heute etwas geben könnte. Der Dreiklang von geben, beten und fasten wird für mich mit Leben gefüllt. Es ist nie umsonst.

„Denn wenn ihr euch zum Herrn umkehrt, so werden eure Brüder und eure kinder Barmherzigkeit finden vor denen, die sie gefangen halten, so dass sie wieder in dieses Land zurückkehren können.“

(2. Chronik 30,9)

Teetasse und Hände, Fastenzeit, Fastentagebuch, Heilfasten

Im nächsten Teil des Fastentagebuches berichte ich euch vom Fastenbrechen und den Aufbautagen. Diese sind ganz besonders wichtig, um die Weichen zu stellen für die weitere Lebensweise. So wie zur Buße die Umkehr gehört, so gehört zum Fasten der richtige Aufbau danach… Ich freue mich, wenn du mich weiter begleitest auf dieser Reise.

Deine

Familienleben mit Gott, Fastentagebuch, Fastenzeit, fasten

Teil 1 – Fasten im Familienalltag

Teil 2 – Die Fastentage

Teil 3 – Die Aufbauphase

Teil 4 – Tipps für das Fasten zu Hause

Autor:

Wir glauben daran, dass ein FAMILIENLEBEN MIT GOTT einen Unterschied macht. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denn FAMILIEN LEBEN MIT GOTT. Mach dich mit uns gemeinsam auf die Suche nach Mehr...

5 Kommentare zu „Fastentagebuch (2): Die Fastentage

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