„Zu Hause verblödest du doch!“

Rückblick auf eine lange Elternzeit

Baby tragen,  Breichen kochen, Bällchen rollen… Mamasein ist wundervoll, keine Frage. Aber 24 Stunden und 7  Tage die Woche nur Kind und Haushalt? Hätte man nicht manchmal gern etwas mehr Input? Etwas, das das Gehirn fordert? Fragen, die mir öfters gestellt wurden. Und Fragen, die mir manchmal selbst durch den Kopf gingen.
Ich war in den letzten 17 Jahren immer wieder „nur“ zu Hause, in den vergangenen 8 Jahren komplett. Nun fange ich bald an Vollzeit zu arbeiten. Habe ich einen Verlust durch die „Nur-zu-Hause-Jahre“?

 

k-Unbenannt (2)

Sicherlich kann ich das noch nicht endgültig beantworten… Doch ich habe heute für mich eine Antwort. Es gab durchaus die Zeiten, in denen ich mir mehr Input wünschte. Durch mein Studium bekam ich diesen quasi auf dem Silbertablett serviert. Während meine Kommilitonen morgens um 8 verschlafen in die Mathevorlesung schlichen, saß ich hellwach mit einem Cappuccino da, hatte am Morgen bereits richtig etwas geleistet und freute mich darauf, mich 90 Minuten ohne Unterbrechung einem Thema widmen zu können. Sozusagen die erste Pause des Tages – im Vorlesungssaal.

In meiner Zeit zu Hause konnte ich mich selten so lange am Stück mit einer Sache beschäftigen, doch ich schaffte mir kleine Freiräume für Dinge, die mich interessieren. Tatsächlich, man kann ganze Bücher lesen, obwohl man Kinder hat…

Im Rückblick habe ich das Gefühl, dass es sehr, sehr reiche Jahre waren. Kinder fordern heraus.

Ich habe mich mit Erziehungsthemen auseinandergesetzt und mit meiner eigenen Geschichte. Ich habe recherchiert und geschrieben. Ich habe interessante Menschen getroffen und Neues gelernt. Ich habe mich mit Themen auseinandergesetzt, die mich interessieren oder bei denen ich Informationen brauchte. Ich bin an meine Grenzen gekommen und darüber hinaus. Ich habe gelernt, um Hilfe zu bitten. Ich habe gelernt, mich zu organisieren und als Großfamilien-Managerin sinnvolle Strukturen zu entwickeln. Ich kann Zeit einteilen und Aufgaben delegieren. Ich bin geduldiger geworden und habe Niederlagen gemeistert. Ich musste in Stresssituationen einen kühlen Kopf bewahren.

drei Kinder spielen mit einem Käscher am Fluss, vom Losgehen und von Hindernissen, lange Elternzeit, "Zu Hause verblödest du doch!", Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Nie war mir so sehr bewusst, dass ich ohne Gott zu nichts in der Lage bin, wie in meinem Mutterwerden und -sein. Ich bin beschenkt worden.

Und wenn mein Mann nun sagt: „Ich bin bald nur noch Hausmann“, dann sage ich ihm, dass er das „nur“ aus seinem Wortschatz streichen soll. Egal, wer zu Hause bleibt: Wir sind nicht „nur“ zu Hause und wir versauern und verblöden auch nicht – wenn wir das nicht wollen… Wir entscheiden!

Bei den meisten Eltern wird Zeiten geben, da ist mit Kindern und Haushalt genug zu tun. Das darf man frei von Druck so leben. Und es wird Zeiten geben, in denen man gern über den Tellerrand schauen möchte. Das heißt nicht zwingend, dass man sein Kind ständig „wegorganisieren“ muss.

Menschen sind unterschiedlich. Manch einer braucht vielleicht einen „Stups“ von außen, damit er sich aus der Komfortzone herauswagt. Andere suchen von sich aus immer neue Herausforderungen.

Wie ist das bei dir?

Wenn ich ein paar Wünsche frei hätte…

  • Ich wünsche mir, dass wir uns so viel Zeit für die Begleitung der Kinder nehmen können, wir wir gern investieren wollen.
  • Ich wünsche mir, dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur in der Schaffung von Betriebskindergärten und Vollzeitbetreuungsplätzen endet (die es gern geben darf, solange Eltern frei in ihren Entscheidungen sind).
  • Ich wünsche mir angemessene wirtschaftliche Unterstützung für Vollzeiteltern (z.B. Betreuungsgeld).
  • Ich wünsche mir, dass man auch nach mehreren Jahren Kinderzeit die Chance bekommt, in den Beruf wieder einzusteigen. Dass das geht, zeigen Branchen, in denen dringend Arbeitskräfte gesucht werden. Ich kenne Krankenschwestern, die nach 15 oder 20 Jahren wieder einsteigen konnten, obwohl sich wirklich viel verändert hat in ihrem Beruf in dieser langen Zeit. Meine Meinung: Wenn der Wille vorhanden ist, jemanden einzuarbeiten, dann gibt es auch Wege. Diese kosten vermutlich Zeit und Geld, aber das wäre ein echter Dienst im Sinne der Vereinbarkeit. Niemand müsste Angst haben, „abgehängt“ zu werden, wenn er länger als ein Jahr bei den Kindern bleibt…
  • Ich wünsche mir Wertschätzung. Sehr oft sagen Frauen, dass sie wieder arbeiten (möchten), weil ihnen die Anerkennung der Arbeit etwas bedeutet. „Hier sieht jemand, was ich tue. Mein Arbeitsbereich ist klar abgesteckt. Meine Arbeit wird geschätzt,“ so drückte es kürzlich eine Freundin aus. Das ist natürlich toll, wenn es so läuft (es gibt natürlich auch andere Arbeitsstellen). Vor allem aber wäre es wichtig, dass jemand, der die meiste Zeit in der Familie arbeitet, ebenfalls Wertschätzung erfährt. Das beginnt im Kleinen bei den Ehepartnern und Kindern. Denn auch hier könnte (sollte?) gelten: Klare Arbeitsbereiche abstecken und sehen und wertschätzen, was der andere tut. Doch natürlich hat das Thema auch eine gesellschaftliche Dimension. Solange wir davon sprechen, dass jemand „nur“ zu Hause ist, werten wir die Leistung der Person ab. Der wirkliche Wert der Dinge, die wir tun, hat nichts mit einem materiellen Gegenwert zu tun…

Alles, was ihr tut, das tut von Herzen, als etwas, das ihr für den Herrn tut und nicht für Menschen. Kolosser 3, 23

Und was würdest du dir wünschen?

Deine

Handschrift

 

Advertisements