Ruhe! – Und wie ist das bei dir? (6)

Johanna Gottschalk von „Vollkommen Besonders“ zu Gast bei FamilienLeben mit Gott

Wie kann man in einem vollen Alltag zur Ruhe kommen? Wo hat diese ihren Platz, wenn die Familie, die Arbeit, das Ehrenamt oder alles auf einmal einen fordert?

Ich habe andere christliche Blogger/innen, deren Alltag auf ganz verschiedene Weise herausfordernd ist, nach ihren Ansichten und Erfahrungen gefragt. Heute schreibt Johanna Gottschalk darüber, wie sie als Mutter von 5 Kindern inklusive einem Kind mit einer Behinderung zur Ruhe kommt und Begegnung mit Gott findet.

Jojos Blog „Vollkommen Besonders“ gibt es schon richtig lange. Jetzt schreibt sie nach einer Pause wieder regelmäßig Artikel – und die  sind  echt lesenswert…

Johanna Gottschalk – oder Jojo (Vollbes)

vom Blog „Vollkommen Besonders“

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Jojo Vollbes, Vollkommen besonders, Interview FamilienLeben mit Gott - Ruhe - und wie ist das bei dir?

Jojo, wie ist dein Blog eigentlich damals entstanden?

Der Blog entstand, als ich mich damit auseinandersetzte, dass wir mit unserer Ältesten ein Kind mit einer Entwicklungsstörung bekommen haben. Immer wieder wurde ich gefragt: „Wie geht ihr damit um?“ Einige Freundinnen ermutigten mich, das, was ich als Tagebuch für mich angefangen hatte zu schreiben, auf einem Blog mehreren Menschen zugänglich zu machen.

„Vollkommen besonders“ ist seitdem eine Art Motto für unser Familienleben geworden, für den Blick auf mich, meine Mitmenschen und auf Gott.

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Nach einer Blogpause von fast 6 Jahren schreibe ich nun wieder weiter, weil ich einfach gerne schreibe und dabei meine Gedanken am besten sortieren und entwirren kann. Mein Großfamilienalltag mit 7 ganz unterschiedlich besonderen Persönlichkeiten liefert mir viele Impulse zum Nachdenken rund um die Themen Familie, Glaube, Erziehung und Gesellschaft, viele Impulse zum Staunen und Freuen und Impulse, die Schwierigkeiten gewürzt mit einer Prise Humor, einer handvoll Gnade und einer ordentlichen Portion Gottvertrauen zu verdauen.

Es lohnt sich, mit unserem vollkommen besonderen Gott ein vollkommen besonderes Leben zu führen!

Wenn meine Erfahrungen und Gedanken andere dazu ermutigen, besonders Eltern, die als besondere Familie nicht dem gesellschaftlichen Idealbild entsprechend leben können oder wollen, würde mich das sehr freuen.

Wo liegen bei dir die Herausforderungen, im Alltag zur Ruhe zu kommen?

Mein Alltag mit 5 Kindern von knapp 2 bis 11 1/2 Jahren inklusive einem betreuungsbedürftigen Kind mit Behinderung ist ziemlich turbulent und es gibt kaum Zeiten, in denen ich allein bin oder wo wirklich Ruhe herrscht, äußerlich gesehen. Die Herausforderung liegt für mich darin, trotzdem innerlich ruhen zu können. Als Jugendliche bin ich diesem Vers begegnet:

 Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.

(Psalm 62,2)

In meinem Alltag und meinen Beziehungen sah es damals nach allem anderen aus als nach Stille, Ruhe und Frieden. Anspannung, Stress und Streit würden es eher treffen. Ich bat Gott immer, dass er all diese Konflikte zur Ruhe bringen sollte, aber dann verstand ich: ER stillt nicht jedesmal den Sturm, aber er will mir trotz allem innerlich Ruhe und Frieden schenken, so wie Jesus voll Vertrauen zu seinem Vater mitten im Sturm schlafen konnte. Oder er befähigt mich wie Petrus, im Vertrauen auf Ihn auf den Wellen zu gehen. Seither begleitet mich der Vers als Lebensmotto. Zwei andere schöne Übersetzungen, beschreiben gemeinsam die ganze Bedeutungsbreite:

Nur bei Gott komme ich zur Ruhe; geduldig warte ich auf seine Hilfe.“ 

Boote am See, Ruhe und Stille, Blog Vollkommen besonders, Interview FamilienLeben mit Gott - Ruhe - und wie ist das bei dir?

Nur auf Gott vertraut still meine Seele, von ihm kommt meine Hilfe.

Im Wissen, dass Gott die Dinge im Griff hat und die letzte Verantwortung trägt, kann ich innerlich in Ihm ruhen, auch wenn rundherum das Chaos tobt. Dieses Vertrauen möchte ich immer mehr einüben.

Hast du kleine „Ruheoasen“ im Alltag? Wie sehen die aus?

Früher habe ich meinen Tag gerne mit einer ausführlichen Stillen Zeit mit Gott mit betendem Bibellesen und Tagebuch schreiben begonnen. Heute bin ich morgens meistens viel zu müde dafür. Aber ich weiß, dass diese Zeiten, die ich bewusst in der Gegenwart Gottes verbringe, mir helfen seine Gegenwart und Kraft in meinem Alltag wahrzunehmen, um überhaupt ruhig und gelassen bleiben zu können. Es ist also auch keine Lösung, sie einfach auszulassen, weil die Mutter-mit-Kleinkind-Lebensphase zu anstrengend ist.

Jojo Vollbes, Blog Vollkommen besonders, Interview FamilienLeben mit Gott - Ruhe - und wie ist das bei dir?
Vor einigen Jahren hörte ich in einer Predigt einen guten Rat:

Es ist besser, sich täglich und regelmäßig eine kurze Zeit für die Stille mit Gott zu reservieren und in größeren Abständen längere Zeiten einzuplanen, als an einem unrealistischen Konzept zu scheitern und die Zeit ganz ausfallen zu lassen. Reserviere dir zum Beispiel täglich eine Viertelstunde, einmal wöchentlich eine Stunde, jeden Monat einen halben Tag, bzw. quartalsweise einen Tag und jährlich ein Wochenende – mehr geht natürlich immer 🙂

So ähnlich mache ich das im Moment. Ich bin zufrieden, wenn ich morgens mit einem kurzen Impuls, 1-2 Bibelversen und einem Gebet in den Tag starten kann.

Eine Ruheoase ist auch meine kleine Teepause, die ich mir nachmittags nehme oder wenn ich mich ans Klavier setze und ein Lied spiele und singe.

Abends, wenn alle schlafen, genieße ich es, noch ein wenig Ruhe für mich zu haben, z.B. zum Lesen.

Da ich ein sehr ruhebedürftiger Mensch bin, hilft es mir sehr, dass mein Mann mir ab und zu Freiräume schafft und Zeit allein mit den Kindern (und Freunden…) verbringt, so dass ich auch mal kleinere Auszeiten (s.o.) für mich allein habe, in denen ich gerne in der Natur unterwegs bin und dann meine Gedanken mit Gott bespreche oder beim Schreiben sortiere. (Ich war auch schon Frühstücken in einem Café oder shoppen, aber zum Auftanken hilft mir persönlich mehr Natur, Ruhe und Einsamkeit.) Von diesen Auszeiten haben letztlich wir alle etwas, denn danach habe ich für meine Familie auch wieder mehr Energie.

Jojo Vollbes, Blog Vollkommen besonders, Interview FamilienLeben mit Gott - Ruhe - und wie ist das bei dir?

Gibt es Tätigkeiten oder Rituale, die dir helfen, zur Ruhe zu kommen?

Fahrradfahren, am besten in der Natur, ist etwas, womit ich gut negative Energien in positive umwandeln und „runterkommen“ kann.

Als ich das erste Mal nach acht Jahren Familienleben für ein stilles Wochenende allein an der Ostsee war, fühlte ich mich am ersten Abend plötzlich, als ob ich in ein großes Loch falle, so ganz allein. Ich machte mir bewusst, dass Jesus da ist und sein Frieden erfüllte mich. Zur Erinnerung zündete ich mir eine Kerze an, was ich seitdem öfters ganz bewusst tue, wenn ich allein ausruhe oder Gemeinschaft am Esstisch habe mit der Familie oder Gästen.

Die Kerze erinnert mich an Jesus, das Licht der Welt, und seine Gegenwart; das Kerzenlicht (auch ein Sonnenuntergang oder ein Feuer) schafft aber auch eine warme ruhige Atmosphäre und einen Ruhepol für die Augen.

Feuer, Blog Vollkommen besonders, Interview FamilienLeben mit Gott - Ruhe - und wie ist das bei dir?

Es gibt immer wieder Phasen, in denen mich Sorgen oder ungelöste Konflikte vom Schlafen abhalten. Entweder kann ich dann gar nicht einschlafen oder ich wache mitten in der Nacht auf und bin so hellwach, dass an Einschlafen nicht mehr zu denken ist. Manchmal ist mir gar nicht bewusst, welches Problem mich nicht zur Ruhe kommen lässt.

Ich setze mich dann meistens mit meiner Bibel und meinem Tagebuch aufs Sofa. Beim Beten und Schreiben sortieren sich dann die Gedanken langsam, oft hat Gott mich schon an passende Bibelstellen erinnert und mir Schritt für Schritt einen Weg gezeigt, wie ich mit der Situation umgehen kann. Wenn die Gedanken zur Ruhe gekommen sind, kann ich entweder nochmal schlafen gehen oder den neuen Tag zwar unausgeschlafen aber gelassener beginnen, mit dem guten Gefühl das Gedankenkarussell etwas ausgebremst zu haben.

Was möchtest du in Bezug auf Ruhe noch lernen?

  • Noch besser vertrauen und in Gott ruhen können.

Ich will mir mögliche Ruhezeiten nicht von Zeiträubern wie unwichtigem Kleinkram und Infos, die man nicht braucht, streitig machen lassen.

Ruhe – allein oder gemeinsam?

Allein, aber nicht einsam, denn Jesus ist bei mir.

Oder auch gemeinsam mit meinem Mann beim Sonnenuntergang am Wasser oder vor dem Kaminfeuer.

Verbindest du Ruhe mit einem konkreten Ort?

Als wir mit 6 Personen in einem 4-Zimmer-Häuschen gelebt haben, verstand ich, warum die Leute früher (aus meist noch beengteren Wohnverhältnissen) zum Beten in die immer offene Kirche gegangen sind, ein wunderbar ruhiger Rückzugsort.
In der Natur finde ich auch solche Orte, z.B. auf einem Stein an einem stillen See.

Ruhe am See, Blog Vollkommen besonders, Interview FamilienLeben mit Gott - Ruhe - und wie ist das bei dir?

Sonntag: Tag der Ruhe?

Unser Sonntag soll sich wirklich von anderen Tagen unterscheiden, ein Ruhepol in einer turbulenten Woche sein. Ich empfinde ihn als ein Geschenk von Gott.
Wir lassen die Arbeit ruhen, auch Hausaufgaben und Lernen und sonstige Pflichten, es gibt ein schnelles einfaches Essen oder etwas Vorbereitetes, damit Zeit für anderes frei ist: Gemeinschaft mit Gott (Gottesdienst) und untereinander (in der Familie und Gemeinde), Auftanken in der Natur, ausruhen und entspannen.

Wir haben auch sehr gerne Gäste, aber da wir in unserem Alltag, dem Arbeitsleben und Ehrenamt schon viel mit Menschen zu tun haben und vom Typ eher Menschen sind, die sich zurückziehen um abzuschalten und aufzutanken, als auf eine Party zu gehen, verbringen wir den Sonntagnachmittag meist eher als Familientag.

Ich finde es sehr schön und sinnvoll, dass die Juden den Sabbat immer vom Abend bis zum Abend feiern. Gerne würde ich das auch so umsetzen, dass der Ruhetag schon am Samstag Abend beginnt und man nicht noch bis spät am Werkeln ist oder am Schreibtisch sitzt, denn oft steht der Sonntag Abend schon im Zeichen organisatorischer Vorbereitungen für die neue Woche. Daran üben wir noch 🙂

Heute Ruhetag, bitte nicht stören. Warum Ruhe unsere Rettung ist, Ruhe, Sonntag, Zeit.

Das verbinde ich mit Ruhe…

Schalom

Stille

Frieden

Ohne Eile

Gelassenheit

Vertrauen

Erholung

Auftanken

Zeit mit Gott

 

Ruhe ist…

…Frieden und Gemeinschaft mit Gott.

Denn: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir. (Augustinus)

 

Vielen Dank, liebe Jojo, für dieses Interview!

Auf „VollkommenBesonders“ findest du Eindrücke aus dem Großfamilienalltag und dem Leben mit besonderen Kindern, Erlebtes und Ermutigendes, Nachdenkenswertes und Inspirierendes und immer wieder auch ganz praktische Ideen. Auf Jojos Blog kann ich mich so richtig „festlesen“. Ich empfehle also eine Tasse Tee oder Kaffee dazu 🙂 Erst kürzlich las ich ihr ermutigendes Zeugnis „Hauswunder mal zwei und Ausblick“, das mich natürlich auch deshalb so ansprach, weil wir gerade selbst ein Hauswunder erleben. Von den älteren Artikeln möchte ich dir „Wunschkind – Frieden über Gottes Pläne für mein Kind“ ans Herz legen.

Viel Freude beim Stöbern!

Deine

Handschrift

 

Hier findest du die anderen Beiträge dieser Interviewreihe:

Florian Hettig von „Plakatschmiede – Der Bible Blog“

„Ruhe wird überschätzt!“ […] „Ruhe ist notwendig!“ (Florian)

Ulrike Nägele von „Glaube-Hoffnung-Liebe“

„Diese Ruhe, von der ich spreche, kann ich trotz eines gefüllten Terminkalenders haben, diese Ruhe schenkt mir Gott.“ (Ulrike)

Heike Webner von „Expedition Leben“

„Meine Oase ist der Wald.“ (Heike)

Natalie Meyer von „Erdperle“

„Ich merke, dass es auch möglich ist, mitten im Alltagstrubel ruhig zu werden.“ (Natalie)

Nici Schweiger von „Milch und Honig“

„Interessanterweise empfinde ich es zumindest im Moment so, als wäre “zur Ruhe kommen” gar nicht unbedingt an freie Zeit gebunden.“ (Nici)

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3 Kommentare zu “Ruhe! – Und wie ist das bei dir? (6)

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