#Stolperverse: Will Gott, dass wir unsere Kinder schlagen?

Wer die Frage stellt, ob christliche Erziehung und Schläge zusammenpassen, bleibt schnell an diesen Bibelstellen hängen:

Wer sein Kind nie schlägt, der liebt es nicht. Wer sein Kind liebt, der bestraft es beizeiten. (Sprüche 13,24 Hfa)

Erspare deinem Kind die harte Strafe nicht! Ein paar Hiebe werden es nicht umbringen! (Sprüche 23,12 Hfa)

Mann mit Kind auf dem Boot, Will Gott, dass wir unsere Kinder schlagen? Blogparade Stolperverse,

Christliche Erziehung und Gewalt

Ich gebe es offen zu: Ich schlucke noch immer jedes Mal, wenn ich das lese. Wir werden aufgefordert, streng zu sein und unsere Kinder körperlich zu züchtigen. Letzteres verbietet das Gesetz hierzulande – aus gutem Grund. Aber was fangen wir mit diesen Textstellen an?

„Kinder haben ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ (Bürgerliches Gesetzbuch § 1631)

Offensichtlich nehmen tatsächlich manche Christen die biblische Aufforderung zur Züchtigung mit der Rute wörtlich. Im Jahr 2013 gab es die erschütternde Meldung, dass insbesondere „sehr religiöse“ Christen aus freikirchlichen Kreisen ihre Kinder häufiger schlagen als der Bevölkerungsdurchschnitt.¹ Die Familienstudie „Aufwachsen in einer christlichen Familie“ (durchgeführt von 2014-2016) vom Forschungsinstitut empirica für Jugendkultur und Religion widerlegt dies nicht, kommt auch zu dem Schluss, dass man dies nicht so pauschal sagen kann.²  Es wird aufgezeigt, dass sich auch in christlichen Familien die Erziehung in den letzten Jahren und Jahrzehnten gewandelt hat hin zu einem Klima der Freiheit und Mitbestimmung. Leichte Formen der Gewalt sind nicht häufiger, aber doch ebenso oft  vertreten wie in der Gesamtbevölkerung. Jedoch findet sich bei sehr religiösen Familien unter den Freikirchlern tatsächlich deutlich häufiger die Anwendung von Gewalt in der Erziehung. (vgl. Künkler/ Faix, S. 169) Ich zitiere es als Mitglied einer evangelischen Gemeinschaft ungern, aber das problematischste Verhältnis zur körperlichen Gewalt in der Erziehung haben laut dieser Studie Freikirchen, Pfingstkirchen, charismatische Gemeinden und die evangelische Gemeinschaftsbewegung (vgl. Künkler/ Faix, S. 170). Das heißt natürlich nicht, dass man das pauschal auf eine einzelen Familie übertragen kann oder auf „die Freikirchler“ im Allgemeinen. Die Zahlen jedoch sollten uns aufrütteln.

Einerseits ist es positiv, dass sich die Einstellung zu Gewalt in der Erziehung unter Christen im Laufe der Zeit deutlich gewandelt hat. Andererseits sind die Zahlen derjenigen noch sehr hoch, die bei diesem Thema unentschlossen sind oder die problematischen Aussagen zustimmen (zum Beispiel: „Körperliche Strafe lässt sich nicht vermeiden, obwohl ich es nicht gut finde.“ siehe Künkler/ Faix, S. 170). Das bedeutet: Wenn die Unentschlossenen sich entschließen würden zu einer Erziehung ohne Gewalt, dann wäre viel gewonnen!

Körperliche Strafe im Alten Testament

Es ist wichtig, die Bibelstellen über Strenge und Zucht im Kontext zu sehen. Sie stehen in den Sprüchen, einer Sammlung einfacher moralischer Aussagen. König Salomo hat diese zusammengestellt, um junge Menschen zu lehren. Für die Auslegung der Sprüche ist es aber notwendig, sie im Lichte der gesamten Schrift zu betrachten. Ein Vergleich zwischen der Lehre Salomos und dem, was Christus lehrt, ist hilfreich und Gewinn bringend. Außerdem ist zu bedenken, in welcher Zeit die Sprüche Salomos entstanden. Damals war Gehorsam eines der wichtigsten Erziehungsziele. Wir dagegen leben in einer Gesellschaft mit pluralistischen Werten und das beeinflusst selbstverständlich auch das Leben der Christen. Nicht alles kann man einfach von der damaligen auf die heutige Zeit übertragen. Wer dem nicht zustimmt, der sollte zum Beispiel mal 5. Mose 21, 18-21 lesen.

Beleuchten wir aber doch einmal die Werte, Ziele und Handlungsnormen für die Erziehung näher, die die Bibel bietet. Das Thema „Erziehung“ kommt vor allem im alten Testament zur Sprache. Wir werden aufgefordert, in die Erziehung unserer Kinder Zeit zu investieren.

Erziehe dein Kind schon in jungen Jahren – es wird die Erziehung nicht vergessen, auch wenn es älter wird. (Sprüche 22,6 Hfa)

Bewahrt die Worte im Herzen, die ich euch heute sage! Prägt sie euren Kindern ein! Redet immer und überall davon, ob ihr zu Hause oder unterwegs seid, ob ihr euch schlafen legt oder aufsteht. (5. Mose 6, 6 f. Hfa)

Ihr Väter, behandelt eure Kinder nicht ungerecht! Sonst fordert ihr sie nur zum Widerspruch heraus. Eure Erziehung soll sie vielmehr in Wort und Tat zu Gott, dem Herrn führen. (Epheser 6,4 Hfa)

Es ist eine wichtige, verantwortungsvolle und zeitintensive Aufgabe von uns Eltern, die Kinder in einer ganzheitlichen Weise („Wort und Tat“, „immer und überall“) zu Gott hinzuführen. Die Studie von Künkler/ Faix zeigt, dass dieses Ziel auch heute noch für christliche Familien sehr wichtig ist. Interessanterweise wendet sich die Bibel besonders an die Väter, die damals vor allem für die Erziehung der heranwachsenden Jungen zuständig waren.

Ihr Väter, behandelt eure Kinder nicht zu streng, damit sie nicht ängstlich und mutlos werden! (Kolosser 3,21 Hfa)

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Was würde Jesus tun?

Jesus hatte keine Kinder, aber sein Handeln und seine Weisungen können uns Maßstab sein auch in der Erziehung. Kann eine Erziehung in der Nachfolge Jesu gewaltvoll sein? Erziehen mit Jesus heißt, dass wir uns an seinen Worten und Taten orientieren. Ich bin fest davon überzeugt, dass wer zum einen die Bibel als Lebensmaßstab nimmt und sich zum anderen von Jesus leiten lässt weder physische noch verbale Gewalt gegenüber Kindern gutheißen kann.

Untersuchungen zur Auswirkung von Gewalt in der Erziehung bestätigen dies. „Es ist ja nur ein Klaps“, das stimmt einfach nicht. Leichte Formen von Gewalt haben dieselben negativen Auswirkungen auf Kinder wir harte Gewalt, nur in etwas geringerem Maße. Nie kommt man mit Gewalt zum angstrebten Ziel. Stattdessen widersetzen sich Kinder dadurch eher häufiger, sie sind im Schnitt agressiver und unsozialer. Psychische Probleme treten häufiger auf und das geistige Vermögen leidet. Je mehr Gewalt in der Kindheit erlebt wird, desto unzufriedener sind Menschen im späteren Leben und es kommt deutlich häufiger zu Selbstmordgedanken (Künkler/ Faix, S. 164 f.).

Kinder erziehen ist nicht leicht. Immer wieder werden wir erleben, dass sie sich nicht an das Gebot „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren“ halten. So wie auch wie uns immer wieder ertappen, dass wir uns nicht an Gottes Gebote halten. Was wir im Umgang mit unseren Kindern von Gott brauchen ist Liebe, Gnade, Barmherzigkeit und Vergebung. Unsere Kinder brauchen das ebenfalls – auch von uns. Immer wieder.

Mann und Kind auf dem Fahrrad, Glücklich sind, die Barmherzigkeit üben, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren. Matthäus 5,7 #Stolperverse Will Gott, dass wir unsere Kinder schlagen?

Erziehung und Strenge

Es ist nicht mein Anliegen, die teilweise in unseren Ohren hart klingenden Worte der Bibel „glattzubügeln“. Ja, es ist durchaus von strenger Erziehung die Rede, zu der auch Strafen gehören. Das widerspricht – zum Teil – unserem modernen Erziehungsverständnis. Aus pädagogischer Sicht geht man davon aus, dass Strafen keinen positiven Nutzen haben. Das ist, gerade wenn man die Bibelstellen über Erziehung zum Vergleich nimmt, also durchaus herausfordernd. Vielleicht müssen wir mit dieser Spannung leben. Letztendlich müssen wir unseren eigenen Weg selbst finden, um unsere Kinder erziehen, zu begleiten, anzuleiten. Mit Gottes Hilfe.

Deine

Handschrift

 

Zur Elternstudie gibt es einen Test, bei dem man seine eigene Erziehungrichtung ein wenig einordnen kann. Genauere Erklärungen findet man dann im genannten Buch. Ich fand es ganz interessant…

Dieser Text ist ein Beitrag zur Blogparade #Stolperverse vom Blog „Der Herr ist mein Hirte.

Dieser Artikel enthält Ausschnitte aus folgenden älteren Artikeln zum Thema Erziehung:

Gibt es eine christliche Erziehung?

Christliche Erziehung heute

Außerdem kann ich euch den aktuellen Artikel „Die Vision von der gewaltfreien Erziehung“ von der Elternberaterin und christlichen Bloggerin Daniela Albert empfehlen.

˜˜˜

Anmerkungen und Zitate:

¹ http://www.kath.net/news/41173

² Die Ergebnisse der Studie werden ausführlich und differenziert ausgearbeitet in dem Buch „Zwischen Furcht und Freiheit. Das Dilemma der christlichen Erziehung“ von Tobias Künkler und Tobias Faix (2017 erschienen bei SCM Brockhaus). Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf dieses Buch.

 

 

 

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5 Kommentare zu “#Stolperverse: Will Gott, dass wir unsere Kinder schlagen?

  1. Danke, Martha, -wie immer spannend! Ich finde immer, dass alle Arten des Umgangs, in denen Lieblosigkeit erkennbar ist, haben in der Erzeihung und eigentlich auch sonst nichts verloren. Liebesentzug, Schweigen als Strafe, Beschimpfen und natürlich schlagen. Das entscheidende Wort, dass ich mit Jesus verbinde ist LIEBE. Eine gute Woche dir, ich hoffe deinem Zahn geht es besser

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Martha,
    dein Beitrag hat mir aus dem Herzen gesprochen. Ich habe „Zwischen Furcht und Freiheit“ letztes Jahr gelesen und war regelrecht erschüttert welche Einstellungen es zu Gewalt in der Erziehung gibt. Oftmals wird nur die offensichtliche Gewalt überhaupt betrachtet, was Kindern aber auch seelisch angetan wird ist so was von erschreckend.
    Ich finde es toll wo du auf die Bibelstellen eingegangen bist.
    Liebe Grüße und eine wundervolle Woche
    Jana

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: #Stolperverse: Will Gott, dass wir unsere Kinder schlagen? – Christliche Blogger Community

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