Zwangspause und Zukunftsaussichten

Sofa-Gedanken

Vermutlich bin ich nicht allein, wenn ich sage: Ich gehe nicht gern zum Zahnarzt. Ich bin zwar kein ausgesprochener Angstpatient, aber es kostet mich doch Überwindung. Nun musste ich zu einer Wurzelspitzenresektion. Allein dieses Wort ließ meinen Blutdruck schon steigen. Als mir dann gesagt wurde, dass ich nach dem Eingriff ein paar Tage krankgeschrieben werde, überlegte ich ernsthaft, ob ich es nicht doch lieber lasse. (Zweiter Gedanke: „Mutter sein“ und „krankgeschrieben“ – Wie passt denn das bitte zusammen?)

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Ich war vernünftig und habe es machen lassen. Auf dem Zahnarztstuhl war ich froh, wenigstens den Psalm 23 auswendig zu können. (Ich könnte ja gern noch viel mehr, man weiß nie, wann einem das mal hilft.) Nun liege ich brav auf dem Sofa und kühle. Was für ein Glück, dass die OP vorm Wochenende stattfand und mein Mann zu  Hause ist! Da die Schmerzen nicht übermäßig schlimm sind (Gott sei Dank…), genieße ich es sogar ein bisschen. Ich mache nur Dinge, die man im Sitzen oder Liegen erledigen kann: Bloggen, mit dem Erstklässler lesen üben, einen Kindergeburtstag planen. Herrlich, dafür mal richtig Zeit zu haben. Was die Kinder nicht so richtig verstehen wollen, ist, dass ich wenig sprechen soll. Mein meistgesagter Satz: „Frag den Papa.“

Es ist schon erstaunlich, wie schnell das Haus im Chaos versinkt, wenn man nicht hinterher ist, dass alles zeitnah wieder aufgeräumt wird, ob nun Bastelsachen, Tischplatte oder Sporttaschen. Mein Mann hat also gut zu tun. Es ist schon mal so etwas wie eine kleine „Probezeit“, denn ab Sommer wird mein Mann den Hauptteil der Hausarbeit und Kinderbetreuung übernehmen. Dann werde ich allerdings nicht vom Sofa aus „Sitzaufgaben“ übernehmen können, weil ich viel arbeiten werde. Machen wir uns nichts vor: Der Rollentausch wird für uns alle eine echte Herausforderung werden.

leere Hängematte im Grünen lädt zum Ausruhen und zur Pause ein, Vom Losgehen und von Hindernissen

Neue Wege

Wir wissen bereits, dass mein Mann und ich unterschiedliche Prioritäten haben, was die Organisation dieses Familienunternehmens angeht. Werde ich es schaffen, meine persönlichen Ansprüche zurückzunehmen? Neues zuzulassen? Nicht zu kontrollieren und mich zu beschweren, wenn es nicht läuft wie gewohnt, sondern mit meinen Erfahrungen zu unterstützen? Natürlich wird es anders laufen als jetzt, aber nicht unbedingt schlechter. Sich Herausforderungen zu stellen ist der einzige Weg, sich weiterzuentwickeln. So manches lernt man nur durch eigene Erfahrungen. So eine habe ich kürzlich gemacht, als ich feststellte, dass es durchaus sinnvoll sein kann, auch bei einem Teenager noch ab und an den Schulranzen zu kontrollieren. (Ihr habt keine Ahnung, wie das riecht, wenn Bananen ohne Verpackung tagelang ganz unten in der Schultasche herumgetragen werden…)

Ich werde vermutlich auch staunen, wie gut manche Dinge klappen werden. Dass mein Mann ein geduldigerer Hausaufgabenbetreuer ist als ich, habe ich schon festgestellt. Ich kann das einfach besser mit fremden Kindern… Und werde das bald tun. Dieser Blog wird ab Sommer deutlich ruhiger werden, weil ich nach acht Jahren Pause nach dem Studium doch noch Lehrerin werden möchte. Meine Hoffnung ist, dass es nicht ganz still wird hier, denn dieser Blog liegt mir am Herzen 🙂 Ich weiß, dass es hier Leserinnen und Leser gibt, die sich für unseren persönlichen Weg interessieren und ich möchte sie gern ein Stück unseres Weges mitnehmen. Da das doch recht persönlich ist, schreibe ich seit einiger Zeit wöchentlich auf einem Tagebuchblog, den ich mit einem Passwort versehen habe. Ich möchte einfach einen Überblick haben, wer mitliest. Das soll euch aber nicht davon abhalten, bei Interesse eine Nachricht zu schreiben (familienlebenmitgott@gmx.de), ich gebe Adresse und Passwort gern weiter.

Sonntagsgedanken

Die Zwangspause tut mir gut und ich denke, es wäre nicht schlecht, regelmäßig eine zu haben. Das Wort „Zwang“ darf dabei aber gern gestrichen werden…

Doch dann fällt mir ein, dass uns genau so eine Pause einmal in der Woche zusteht. Es gibt viele Gründe, warum ich den Sonntag oftmals nicht als echte Pause empfinde: Es muss trotzdem etwas zu Essen geben. Sonntagabend muss (?) ich die neue Woche planen, damit mich der Montag nicht überrollt. Wir müssen verschiedene Sonntagsbedürfnisse unter einen Hut bringen: Kinderbeschäftigung, Gottesdienst, Wanderlust, Mittagsschlafmüdigkeit, Fußballspiel. Ich liege sonntags gewöhnlich nicht auf dem Sofa oder im Liegestuhl und sage: „Macht mal ohne mich!“ Und trotzdem möchte ich mich immer wieder daran erinnern, was Gott für mich an diesem siebten Tag im Sinn hatte.

Freiräume wollen erkämpft sein. Vielleicht auch durch Hilfsmittel wie diese: Ein aufgetautes Essen, eine Auswahl an Aktivitäten mit Bildung von „Interessengemeinschaften“, Fahrgemeinschaften zu Fußballspielen (oder mal eines am Sonntag absagen). Und manchmal gern auch das Kika-Sonntagsmärchen für eine Mittagspause 🙂

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Sechs Tage darfst du schaffen und all deine Arbeit tun.

Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin und dein Vieh und dein Fremder in deinen Toren.

Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er.

Darum hat der Herr den Sabbat gesegnet und ihn geheiligt.

(2. Mose 20, 11-10 Einheitsübersetzung)

Mehr Gedanken und eine Buchvorstellung zum Thema „Ruhe!“ findest du hier auf dem Blog. Tomas Sjödin sagt sogar:

„Es braucht nur einen Tag in der Woche, um ein Leben zu retten.“

(Tomas Sjödin in „Warum Ruhe unsere Rettung ist“ – S. 18)

Ich wünsche Dir eine schöne Woche!

 

Deine

Handschrift

 

Dieser Artikel ist ein Beitrag aus der Reihe „MUnTermacher am Montag“.

über eine Wiese springen, MUnTermacher am Montag, FamilienLeben mit Gott

 

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7 Kommentare zu “Zwangspause und Zukunftsaussichten

  1. Liebe Martha, danke für deinen Bericht – so lebensnah und nachvollziehbar, jedes Detail! 🙂 Und ja, für „Zwangs-“ resp. verordnete Pausen bin ich auch. Habe auch gleich an das Buch von Th. Sjödin gedacht. Immer wieder komme ich an diesen Punkt und frage mich, ob ich es jemals so richtig, richtig verstehen werde. Alles Gute dir, rasche Besserung, viel Frieden in den neuen Herausforderungen und überhaupt alles Liebe! Sonja

  2. Pingback: Zwangspause und Zukunftsgedanken – Christliche Blogger Community

  3. Liebe Martha, alles Gute für Deinen neuen beruflichen Weg und möge die Neueinteilung in der Familie gut gelingen! Ich weiß, dass Du sehr gerne schreibst, aber mach Dir keinen Stress, wenn es dann zwangsläufig weniger werden muss. Du hast den Lesern schon viel geschenkt und es kann ja immer noch hier gestöbert werden. Eine tolle Vorratskammer sozusagen! Danke nochmal dafür und nun viel Segen, besonders für die Neuausrichtungen! LG!

    P. S.: Gute Besserung noch wegen der Wurzelspitzenresektion! 💐

    • Ganz lieben Dank für deine Worte und Wünsche. Ja, so sehe ich das auch, die Vorratskammer… Und ein bisschen Pause machen heißt ja nicht, für immer aufzuhören. Das Bild von der Vorratskammer gefällt mir 🙂 Dem Zahn geht es übrigens schon wieder recht gut… Liebe Grüße, Martha

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