Ruhe! – Und wie ist das bei dir? (5)

Nici Schweiger von „Milch und Honig“  zu Gast bei FamilienLeben mit Gott

Wie kann man in einem vollen Alltag zur Ruhe kommen? Wo hat diese ihren Platz, wenn die Familie, die Arbeit, das Ehrenamt oder alles auf einmal einen fordert?

Ich habe andere christliche Blogger/innen, deren Alltag auf ganz verschiedene Weise herausfordernd ist, nach ihren Ansichten und Erfahrungen gefragt. Mein heutiger Gast Nici Schweiger, die den lesens- und sehenswerten Blog „Milch und Honig“ schreibt.

Nici ist verheiratet, Mutter von zwei Teenies, Sozial- und Montessoripädagogin und Lehrerin. Und dazu noch Bloggerin…

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Nici Schweiger von „Milch und Honig“

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Liebe Nici, wie ist es zu deinem Blog gekommen?

Ich schreibe, seit ich es als Kind gelernt habe. Früher waren das Geschichten, in meiner Teeniezeit unvollendete Romane 😉, später der eine oder andere Artikel. In letzter Zeit kam das Schreiben irgendwie zu kurz. Aber ich habe Sehnsucht danach verspürt und diese eines Tages Gott hingelegt mit der Bitte, mir Gelegenheiten zu schenken. Ich dachte dabei eher an die Zusammenarbeit mit einer Zeitschrift, aber kurz nach diesem Gebet stieß ich im Internet auf die facebook-Seite „Schreibende Christinnen“, wo es eine Menge Bloggerinnen gibt. Ich habe etliche gute Blogs abonniert, kam aber irgendwie nie selbst auf die Idee, einen eigenen zu schreiben. Und da war dann plötzlich die Gewissheit, dass das die Gelegenheit sein könnte, um die ich Gott gebeten hatte. Seitdem schreibe ich ziemlich regelmäßig über alles, was mich als Person ausmacht und bewegt (Familie, Glauben, Pädagogik) und fühle mich dabei gesegnet.

Der Name deines Blogs hat mich total angesprochen. „Milch und Honig“ steht bei dir für Geborgenheit und Wohlbefinden. Aber wie schaffst du es, im Alltag tatsächlich zur Ruhe zu kommen? Wo liegen deine Herausforderungen?

Noch vor Kurzem hatte ich relativ viel Zeit für mich. Das hat sich vor ein paar Wochen geändert, als sich meine Arbeitszeit durch eine wohl längerfristige Krankheitsvertretung innerhalb weniger Tage verdoppelte. Interessanterweise empfinde ich es zumindest im Moment so, als wäre “zur Ruhe kommen” gar nicht unbedingt an freie Zeit gebunden. Mir fiel es häufig schwer, mich auf Ruhe einzulassen und sie nicht sofort zu füllen. Wenn ich mich mal aufs Sofa setzte, kamen mir immer gleich tausend Sachen in den Sinn, die ich noch erledigen könnte. Ich musste mir Ruhe quasi verordnen, um sie wirklich bewusst zu erleben.

Jetzt, wo meine freie Zeit knapper geworden ist, gehe ich Dinge, die zu erledigen sind, strukturierter an. Der Einkauf wird vorher geplant und dann auf dem Nachhauseweg erledigt, es gibt einen festen Waschtag in der Woche usw. Die Ruheoasen sind dann wirklich ruhige Zeiten. Vielleicht, weil meine To-do-Liste ganz gut funktioniert, vielleicht auch, weil ich das Gefühl habe, mir diese Erholungsphasen wirklich verdient zu haben.

Mir zu erlauben, auch mal Ruhe zu geben, war allerdings erstmal eine ganz schöne Herausforderung. Ich erinnere mich an die erste “volle” Arbeitswoche. Ich hatte mir montags nach der Arbeit Wäsche waschen, einkaufen, Hausaufgaben betreuen und vollwertig kochen für das Abendessen auf die Agenda gesetzt und bin gründlich gescheitert. Mein Mann fand abends ein Nervenbündel zu Hause vor und den Kindern war ich auch keine wirkliche Hilfe. Aber ich bin lernfähig. Für lange Tage gibt´s jetzt öfter mal Pizza und der Waschtag wurde auch verschoben. Erstaunlich, wie unglaublich befreiend solche kleinen Zugeständnisse sein können.

Gibt es Tätigkeiten oder Rituale, die dir helfen, zur Ruhe zu kommen?

Es gibt ein paar symbolische Handlungen, die mir helfen, den Schalter von „Alltag“ auf „Ruhe“ umzulegen. Im Herbst und Winter zünde ich z.B. gerne eine Kerze an und mache mir eine Tasse heißen, duftenden Tee. So stimme ich mich mit allen Sinnen auf eine Auszeit ein. Ich kann aber auch bei einem Waldspaziergang sehr gut entspannen. Hier genieße ich ebenfalls die Sinneseindrücke, spüre den Wind, höre Blätterrauschen und Vögelgezwitscher, rieche den Wald …

Was möchtest du in Bezug auf Ruhe noch lernen?

Sie öfter bewusst in meinen Alltag einzuplanen, wie eine Verabredung.

Du hast plötzlich unerwartet eine Stunde Ruhe. Was tust du?

Hoffentlich nicht dies und das, was noch zu erledigen wäre, sondern ein gutes Buch lesen, Bible Art Journaling, ein duftendes Bad nehmen …

6. Ruhe – allein oder gemeinsam?

Ruhe heißt für mich nicht zwingend Alleinesein. Genauso wenig wie sie unbedingt mit Stille gleichzusetzen ist. Ich verbinde mit Ruhe die Abwesenheit von Stress und (Zeit-)Druck. Das kann eine stille Zeit mit Tee und Kerze alleine auf dem Sofa sein, aber auch ein Tag während des Familienurlaubs, an dem wir keine Sehenswürdigkeiten ansehen (was wir sehr gerne tun), sondern in der Ferienwohnung aussschlafen, gemütlich frühstücken und die Zeit verbummeln.

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Verbindest du Ruhe mit einem konkreten Ort?

in den kalten Jahreszeiten: mein Sofa

im Sommer: mein Hängesessel auf der Terasse

zu jeder Jahreszeit: der Wald

Sonntag: Tag der Ruhe?

Im Idealfall wache ich von selbst nicht zu spät auf, frühstücke in Ruhe und Gemütlichkeit mit meiner Familie und wir gehen danach in den Gottesdienst. Später genieße ich dann einen Spaziergang mit meinem Mann im Wald, auf dem wir über die Predigt ins Gespräch kommen. Der restliche Tag wird dann entweder gemütlich verbummelt oder mit guten Freunden verbracht.

Im anderen Fall wache ich zu spät auf, um gemütliches Frühstück und Gottesdienst auf die Reihe zu bringen. Der Tag ist verplant. Mindestens eines der Kinder hat ein Basketballspiel oder mein Mann/meine große Tochter sind als Schiedsrichter eingeteilt. Die Kleine schreibt in den nächsten drei Wochen vier Schulaufgaben und weil der Samstag schon so voll war, nutzen wir den Sonntag zum Lernen. Oder es ist der einzige Tag der Woche, an dem wir mit der Renovierung des Kinderzimmers endlich weiterkommen.

Es gibt beide Arten von Sonntag bei uns. Und ich denke, sofern der Idealfall nicht permanent zu kurz kommt, ist das auch in Ordnung so.

Ein Neuanfang muss möglich sein.
Der siebte Tag ist anders. Er ist heilig.
Ein Geschenk. Ein Segen für uns.
Unermüdlich. Woche für Woche feiert die Zeit Fülle und Vollendung.

(Christina Brudereck, aus: Sonntag. Der siebte Tag ist anders. Erschienen in: “Für alles gibt es eine Zeit – Rituale für Tag, Jahr und Leben”)

Baum am Fluss, hängende Zweige, ein Steg, nachdenklich

Das verbinde ich mit Ruhe:

Waldspaziergänge

Frieden

die Ruhe vor dem Sturm

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Ruhe ist…

heilsam

notwendig

eine Wohltat für Körper und Seele

Auf Nicis Blog „Milch und Honig“ findest du eine bunte Mischung aus dem, was ihren Alltag ausmacht: Familienzeit, Zeit mit Gott, Einblicke ins Pädagogenleben, kreative Impulse und mehr. Ich persönlich mag die Verbindung aus „Familien-“ und „Pädagogenleben“ (welches bei mir auch bald hinzukommt…). Der Blog ist nicht nur lesens- sondern auch sehenswert, ob Bible Art Journaling oder Bodenbilder für Klein und Groß, Nicis Fotos bieten einen Mehrwert… Nici hat übrigens auch einen interessanten Beitrag zur Blogparade #gemeinsamglauben verfasst. Hier könnt ihr lesen, was ihre Gemeinde ihr bedeutet und Nici gleichzeitig ein wenig näher kennenlernen… Viel Freude beim Stöbern auf „Milch und Honig“!

Deine

Handschrift

 

Hier findest du die anderen Beiträge dieser Interviewreihe:

Florian Hettig von „Plakatschmiede – Der Bible Blog“

„Ruhe wird überschätzt!“ […] „Ruhe ist notwendig!“ (Florian)

Ulrike Nägele von „Glaube-Hoffnung-Liebe“

„Diese Ruhe, von der ich spreche, kann ich trotz eines gefüllten Terminkalenders haben, diese Ruhe schenkt mir Gott.“ (Ulrike)

Heike Webner von „Expedition Leben“

„Meine Oase ist der Wald.“ (Heike)

Natalie Meyer von „Erdperle“

„Ich merke, dass es auch möglich ist, mitten im Alltagstrubel ruhig zu werden.“ (Natalie)

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