Von Wüstenzeiten

Jeder Mensch erlebt irgendwann seine persönliche Wüste in irgendeinem Bereich seines Lebens. Eine karge, dürre, einsame, hilfelose, ja lebensfeindliche Zeit, in der Gott fern scheint und die Wüste unendlich groß und bedrohlich.

In der Bibel die die Wüste ein starkes Thema: der Täufer Johannes war in der Wüste, Jesus hatte seine Wüstenzeit, das Volk Israel zog sogar 40 Jahre lang durch die Wüste.

Es fällt uns oft schwer, geduldig zu sein, auszuharren. Diese alte, treffende Wort finden wir übrigens in der Lutherbibel:

 

„Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen. Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!“ (Psalm 27, 13+14)

 

Interessanterweise sind dies Aufforderungen von David an sich selbst. Vielleicht magst du diesen kraftvollen Psalm einmal im Ganzen lesen. Wie schafft man es, in der Wüste nicht zu verzweifeln und Hoffnung zu behalten?

Ich möchte anders fragen: Was ist denn die Alternative? In dem Buch „Betend leben“ von Paul E. Miller las ich folgende Gedanken über den bekannsten aller Psalme: Stell dir einmal vor, du würdest aus den Worten aus Psalm 23 alles entfernen, was mit dem guten Hirten zu tun hat. Was bleibt, übrig, wenn er nicht da ist?

 

„Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. […]“

 

Mein – mir – Mangel. Wenn man das konsequent den guten Hirten aus Psalm 23 entfernt, bleibt ganz viel „ich“ übrig. Und dazu nichts als Unglück, Elend und Angst. So fühlt sich Hoffnungslosigkeit an:

 

„Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.“
(aus: „Betend leben“ von Paul E. Miller, Francke (2001), S. 101)

 

Dabei ist der Psalm 23 trotz allen Elends so voller Hoffnung. Gott will uns zum frischen Wasser führen. Er nimmt die Feinde nicht weg, aber er deckt uns einen Tisch in ihrem Angesicht. Er ist ein Gott, der uns sieht.

 

Wasserkrug, Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Offenbarung 21,6 Muntermacher am Montag

 

Denn der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände. Er hat dein Wandern durch diese große Wüste auf sein Herz genommen. Vierzig Jahre ist der HERR, dein Gott, bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt. (5. Mose 2, 7)

Das heißt nicht, dass wir nicht klagen und zweifeln dürften. Wir müssen unsere Gefühle nicht beschönigen oder verschweigen. Ja, Klage ist sogar ein Gebet! Paul E. Miller schreibt: „Klagegebete mögen respektlos erscheinen, aber in Wirklichkeit stecken sie voller Glauben – einer rauen, reinen Form des Glaubens, der einfach Gott beim Wort nimmt.“ (S. 222) In Wirklichkeit führt es uns von Gott weg, wenn wir in einer schwierigen Lage NICHT klagen.

Es ist so schwer, geduldig zu sein. „Gott, gib mir Geduld, aber bitte sofort!“, möchten man manchmal forden. In Wirklichkeit hat er die Geduld längst in uns hineingelegt als ein Samenkorn, das wachsen soll. Und wann sollte es wachsen, wenn nicht in Situationen, in denen wir Geduld nötig haben?

 

Rettungsring am STrand, Jesus unsere Rettng, Lob im Leid, Hilferuf an Gott
Warten und Aushalten, das scheint in irgendeiner Art notwendig zu sein. In dieser Osterzeit schauen wir auf die dunkelsten Stunden in Jesus Leben. Sogar er hat geklagt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Markus 15, 34).
Wenn es auch keine Erklärung für dein Leid gibt: Jesus kennt deine Wüste. Persönlich.

 

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Während meines Studiums hatte ich ein wenig Religionspädagogik. Mir fällt etwas ein, was wir zum Thema „Ostern“ besprachen: Erzähle den Kinder nicht von der Kreuzigung und vom Tod Jesu, ohne auf die Auferstehung hinzuweisen. Die Geschichte vom Sterben ist erst der Anfang…

 

Ich wünsche dir eine gesegnete Osterzeit. Am Ostermontag gibt es ausnahmsweise keinen Montagsimpuls, es sind Ferien und es ist Familienzeit 🙂

Wenn du noch etwas weiterlesen möchtest: Im letzten Jahr habe ich im Frühling den Montagsimpuls  „Vom Untergehen und Aufleben“ geschrieben mit Gedanken zu Psalm 69.

Hier habe ich zum vergangenen Osterfest darüber geschrieben, wie man die Karwoche mit Kindern gestalten kann.

 

Deine

Handschrift

Dieser Artikel ist ein Beitrag aus der Reihe „MUnTermacher am Montag“.
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6 Kommentare zu “Von Wüstenzeiten

  1. Liebe Martha, dieser Psalm 23 wird mir auch immer wieder wichtig, eigentlich je länger, desto wichtiger. Ich wünsche dir, dass du dich vertrauensvoll an diesem Wort festhalten kannst. Und Gottes Güte auch im Klagen erlebst! Herzlichst Sonja

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    • Liebe Sonja, ich lese den Psalm 23 auch gerade wieder neu… Er hat mich durch eine meiner Entbindungen begleitet, eine besondere Erinnerung… Meine Wüste ist gerade eher eine Weggabelung mit verschiedenen Entscheidungen, die Wege liegen noch im Neben… darüber könnte ich auch mal schreiben 🙂 Und Geduld ist gerade ein großes Thema… Ich danke dir von Herzen für deine Worte! Martha

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  2. Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich gehe geistlich auch gerade durch eine Wüste, Gott scheint weit weg, alles ist so schwer und drückend. Wie wichtig sich gerade in so einer Lage ins Bewusstsein zu rufen dass GOTT unser Hirte IST. Und zwar immer, unabhängig davon wie wir uns fühlen.
    Ich habe ein Gedicht über meine Situation geschrieben. Es scheint in der tat so, dass das Aufschreiben von Gedanken eine erste gute Selbsttherapie ist

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    • Hallo, mir geht geht es auch oft so, dass das Aufschreiben von Gedanken hilft. Oft bete ich auch schriftlich… es verlangsamt das Denken und ordnet. Ich wünsche dir, dass Gott dich seine Nähe wieder spüren lässt… Viele Grüße, Martha

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