„Aufgeräumt!“ – Impulse zur Fastenzeit (5)

Das Ziel bestimmt den Weg

Im Moment beschäftigt mich die Beziehung zu unseren Kindern. Auslöser dafür war eine Sitation in der Schule…

Ich war einen Tag in einer Übergangsklasse, die vor allem aus sechs- bis achtjährigen geflüchteten Kindern bestand. Nach meinen Möglichkeiten versuchte ich, die bewundernswert geduldige Lehrerin zu unterstützen. Irgendwann erkannte ich, dass ich mich dabei auf ein falsches Ziel ausgerichtet hatte. Ich hatte mich bemüht, die Kinder zu unterstützen, damit sie ihr Arbeitsblatt zu den Wochentagen möglichst richtig und vollständig ausfüllen konnten. Manche Kinder waren damit aber noch komplett überfordert. Stattdessen hätte mein Ziel sein sollen, die Kinder durch Fragen zum Thema zum Sprechen zu bringen. Reden, reden, reden, deutsch sprechen, verstehen, Bezeihung bauren… Die Lehrerin wusste, was jedes Kind leisten konnte und lobte die Kinder für jeden kleinen Fortschritt. Klar, dachte ich, das hab ich doch in der Uni eigentlich alles schon gehört… Beziehung fördert das Lernen, positive Emotionen sind dabei die Basis.

Aufgeräumt Impulse zur Fastenzeit Beziehung fördert Lernen

Regelmäßig helfe ich meinen eigenen Kindern bei den Hausaufgaben. Dabei sehe ich nicht immer die kleinen Schritte, die sie machen. Oft möchte ich vor allem, dass sie ihre Sachen vollständig und möglichst richtig erledigen, so wie es gefordert ist. Und das am besten in einer überschaubaren Zeit.

Ich möchte innehalten und meine Ziele überprüfen. Immer wieder möchte ich mir mir bewusst machen, dass ich eigentlich meine Kinder vor allem ermutigen möchte in dem, was sie tun. ERMUTIGUNG. Dieses Wort sollte ich mir zur Erinnerung an die Wand malen. Und dann möchte ich überlegen, wie ich das umsetzen kann. Das, was ich meine und das, was bei den Kindern ankommt, sind zwei Dinge. Darum finde ich es wichtig, konkret zu überlegen, was ich wie aussende.

Perspektivwechsel

Sehe ich eigentlich wirklich das, was meine Kinder schaffen, wo sie sich bemühen, wo sie schon selbstständig sind? Oder bleibt mein Blick nicht doch oft an dem hängen, wo es „hakt“, wo es Probleme gibt oder wo ich mir Sorgen mache, ob sie es wohl schaffen? Ich sehe unser Schulsystem als zu defizitorientiert und das strahlt auch in unsere Familien hinein. Die Punkte, die in der Arbeit fehlen, die schlechte Note, die nicht gelernten Vokabeln… Wir schauen immer da genauer hin, wo etwas fehlt.

Vor Kurzem beschrieb ich einer Freundin eines meiner Kinder: „Meine Tochter ist wirklich sehr selbstständig für ihr Alter, ich muss ihre Hausaufgaben eigentlich gar nicht kontrollieren. Darüber bin ich echt froh und dankbar.“ Plötzlich dachte ich: Das sage ich jetzt zu einer Freundin. Aber wann habe ich das das letzte Mal meiner Tochter selbst gesagt? Genau diese Worte täten ihr doch gut…

Die Schulsachen waren jetzt einfach nur ein Beispiel, dass ich aus dem Bereich Erziehung herausgegriffen habe. Sicherlich lässt sich das auch auf andere Beziehungen übertragen. Doch für die Beziehung mit Kindern tragen wir eine besondere Verantwortung, die Kinder noch gar nicht übernehmen können. Jesper Juul nennt das „Beziehungsverantwortung“. Die Verantwortung für die Qualität der Beziehung trägt der Erwachsene (gilt für Eltern genau so wie für Lehrer).

„Beziehungskompetenz erfordert, dass man sein Gegenüber mit all seinen Gedanken und Empfindungen ernst nimmt.“ (Jesper Juul in „Schulinfarkt“, S. 49)

Kinder lernen für die Schule, die Superfrau 3, biblische Frau aus Sprüche 31, Wie können wir unsere Kinder gut durch die Schulzeit begleiten? Beziehung fördert Lernen

Anregungen zum Weiterdenken…

Was sind meine Ziele in der Erziehung/ Bereichen der Erziehung?

Wie setze ich diese um?

Welche konkreten, kleinen Schritte nehme ich mir vor?

Ideen…

  • Normalerweise „soll“ man bei Eheabenden nicht über die Kinder sprechen. Aber wir wäre es einmal mit einem Partnerabend, um die Erziehung zu reflektieren? Sind eure Ziele eigentlich die gleichen? Wie wollt ihr sie umsetzen? Wo steht ihr gerade?
  • Eine interessante „Übung“, die ich in dem Buch „Bullerbü ist überall“ von Isabell Köller fand: Schreibe stichpunktartig auf, wie du dein Kind charakterisieren würdest. Alles, was dir einfällt, wie das Wesen deines Kindes ist. Bitte nicht zensieren, einfach runterschreiben… Anschließend ordnest du deine Punkte in eine Tabelle mit „positiv“ und „negativ“ ein (bei mir war es so, dass ich manche Dinge auf beide Seiten schrieb…). Nun schaust du dir die Negativspalte an und streichst alle Dinge durch, die Erwartungen von dir widerspiegeln. Beispiel: „Mein Kind kommt morgens einfach nicht aus dem Bett.“ (meine Erwartung: pünktliches Aufstehen) oder „Er antwortet mir oft unfreundlich.“ (meine Erwartung: Freundlichkeit). Auf der negativen Seite werden vermutlich danach nur noch wenige Punkte stehen. Wenn ich verstehe, dass meine Erwartungen den Blick auf mein Kind prägen, bin ich freier, mich auf die positiven Aspekte auf der anderen Seite zu fokussieren. Außerdem hilft es mir, mein Kind so anzunehmen, wie es ist.

 

„Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Ehre.“

(Römer 15, 7)

Was mich wirklich interessiert: Wie ermutigt ihr denn eure Kinder? Schreibt gern eure paar kleine, alltäglichen Schritte dazu in die Kommentare!

Ich wünsche euch einen schönen Frühlingsanfang und eine schöne vorösterliche Zeit,

Handschrift

Dieser Artikel ist ein Beitrag aus der Reihe „MUnTermacher am Montag“.

FamilienLeben mit Gott, Blog, MUnTermacher am Montag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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5 Kommentare zu “„Aufgeräumt!“ – Impulse zur Fastenzeit (5)

  1. Gute Frage! Ermutigung ist toll, sollte aber nur mit Vorsicht als direktes Lob erfolgen.
    Ich erinnere mich an einen Lesetipp von dir, da ging es um das Loben – und vor allem die Gefahr, dass man durch Lob ja kräftig manipuliert (denn ICH lobe an meinem Kind, was MIR gefällt, um mein Kind zu einem vordefinierten Ziel zu bringen). Das hat mich seitdem etwas sensibler dafür gemacht, wie und wofür ich meine Kinder lobe. Ich versuche meine Kinder dadurch zu ermutigen (und nicht direkt zu loben), indem ich ihnen Aufmerkamkeint und Beachtung schenke. Anerkennende Kommentare wie „Du malst eine grau-rosa-gestreifte Schnecke“ sind mindestens genauso gut, als wenn ich meine Wertung mit verpacke „Du malst eine schöne Schnecke“. Oder indem ich ihnen etwas zutraue – z.B. fragte ich heute auf einem weiten Spaziergang meinen vierjährigen Sohn, ob er denn ganz allein den Weg nach Hause finden würde. „Ja, klar, Mama – ich führe dich“ – und so stiefelte er freudestrahlend einen Meter vor mir nach Hause.
    Manchmal ertappe ich mich, dass ich mich absichtlich sehr klein und dumm stelle, um mir etwas von ihnen zeigen oder erklären zu lassen, um ihnen das Gefühl zu geben, etwas schon ganz toll zu können. Da muss ich aber sehr aufpassen, denn früher oder später merken sie es wahrscheinlich…

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    • Hey du, vielen Dank für den Input! Ich seh ja diese Du-sollst-nicht-loben-Bewegung ein wenig kritisch, aber ich lese das bei dir auch nicht so raus, dass du es komplett ablehnst. Natürlich ist immer die Frage, wie definiert man „Lob“… ich sehe die Gefahr, dass das Kind zu wenig wertgeschätzt wird, wenn man Lob völlig vermeidet – quasi auf der anderen Seite vom Pferd gefallen… Ich stimme dir zu, dass Lob dazu da ist, das Kind (den Menschen) zu SEHEN. Ein „Oh, tolles Bild“ in den Müll geknüllt ist ja kein aufrichtiges Lob… Und ein Beispiel, das zu deinen passt, fällt mir auch noch ein. Wenn das Kind auf dem Klettergerüst ganz oben steht und ruft „Hallo, Mama!“, dann sucht es kein „Toll bist du geklettert!“ als Antwort, sondern möchte, dass ich es sehe. „Hallo Kind!“ also… Ermutigung ist mir so wichtig geworden bei den größeren Kindern. Klar, bei den Kleinen auch ,aber die haben ja sowieso oft ein Selbstbewusstsein bis zum Himmel 🙂 Mein Kleinster: „Ich bin mutig und stark, schau her!“ und zeigt seine Muskeln. Er kann nämlich unser Haus hochheben… Aber so im Schulalter kürzt sich das ja auf ein realistisches Maß zurück (was ja grundsätzlich gut ist), leider auch manchmal darunter… Dem Kind etwas zutrauen macht Mut, da gebe ich dir völlig recht. Und da muss ich auch – gerade bei den größeren – aufpassen, dass ich das auch tue. Quasi immer wieder auch einen Vertrauensvorschuss geben, das fällt mir schwer. Besonders, wenn es schon ein paar Mal schief ging… Ich versuche also, meine Kinder beim Loben zu sehen. Ich sehe deine Anstregnung, ich sehe, was du dafür gemacht hast… dann kann man durchaus auch mal eine Fünf in der Schule loben. (Das Problem ist ja, dass sie sich durch die Noten in der ganzen Person bewertet fühlen, egal, was ich dazu sage… zumindest bei kleineren Kindern). Und nochmal zum Lob ganz allgemein. Ich überlege mir auch manchmal, welches Lob oder welche „Gesehenwerden“ tut MIR denn gut. Und zweifellos tut es gut, wenn jemand sieht, was man gearbeitet hat, was man irgendwo reingesteckt hat… Lob hängt manchmal auch sehr eng mit Dank zusammen, jemandem danken, was er an Arbeit investiert hat… Ich finde, man kann durchaus von seinem Erwachsenen-Empfinden auf das der Kinder schließen. Liebste Grüße, Martha

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  2. Danke für deine Gedanken! Im Moment habe ich noch keine eigenen Kinder, dafür aber 25 auf der Arbeit 😉 dein Beitrag hat mich erinnert, auch die Kinder mal mehr zu loben, die mir im Alltag erstmal vielleicht gar nicht so auffallen- beispielsweise weil sie sich schon selbst anziehen können und dann sogar den jüngeren helfen. Sowas ist definitiv lobenswert, rutscht öfter aber in der Hektik unter dem Radar vorbei 😃

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    • Bei uns ist es so, dass wir bei unseren Kindern auch eins haben, dass am ehesten „durchrutscht“, weil es ruhiger, aber auch sehr selbstständig ist. Wie schön, dass du da einen Blick darauf hast in der Gruppe… Liebe Grüße, Martha

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  3. Hi Martha!
    Es gibt Zeiten in denen es sehr schwer ist etwas lobenswertes zu sehen. Doch in all den Schwierigkeiten ist es wichtig, dass sich das Kind geliebt und angenommen weiß. Hab in einem Streit auch schon mal ein „ich hasse dich“ mit einem genauso wütenden „und ich lieb dich trotzdem“ beantwortet. Seltsamerweise hat das aus der ganze Situation den Stress genommen und wir konnten wieder miteinander reden. Im Gespräch bleiben war mir in allen schwierigen Situation wichtig. Nur um jemanden, der mir gleichgültig ist, kümmere ich mich nicht (mehr). Und das ist wohl das Schlimmste.

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