Vom Loslassen

Habt ihr schon mal von der Idee gehört, das Jahr unter ein Wort zu stellen? Mich hat das sehr angesprochen. Meist geht mein Wort von einem Bibelvers aus. Während des Jahres bekomme ich immer wieder mal Impulse, Bibelworte, Ideen, Gedanken und Fragen zu meinem Thema. Diese „Gedankenschnipsel“ notiere ich auf der dafür reservierten Seite in meinem Kalender. Manchmal geht es in eine ganz andere Richtung, als ich mir das am Anfang ausgemalt hatte. Am Ende des Jahres finde ich vielleicht wieder einen Vers aus der Bibel zu meinem Wort. Es ist aber kein geschlossener Kreis, sondern viel mehr eine Spirale, denn es hat sich in der Zeit etwas entwickelt. Mein Wort für 2017 war „Loslassen“ und ich möchte zum Jahresende gern ein paar Gedanken dazu mit euch teilen…

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“

(Prediger 3,1)

Bank vor Bergen, Vom Loslassen, Bibelwort für das Jahr

Am Anfang des Jahres bereitete unser Hauskreis einen Gottesdienst zum Thema „Leben mit leichtem Gepäck“ vor. Das hat mich sehr inspiriert. Ich begann für mich persönlich mit dem leichteren Leben ganz praktisch: Während der Fastenzeit entrümpelte ich täglich ein Stück aus unserem Haus und bot es auf Facebook zum Verschenken an. Eigentlich kann ich mich nicht so schwer von Sachen trennen, aber natürlich ist es durch Erinnerungen manchmal nicht ganz so einfach. Doch es kann wirklich entlastend sein, wenn man die Entscheidung „Weg damit!“ einmal getroffen hat. Selten bereut man sie später… Es war eine echt nette Aktion und bei so manchem „Ding“ war ich überrascht und erfreut, wo es am Ende landete. Der Rest für den Recyclinghof war dann überschaubar. Ich war so zufrieden, dass ich auch in diesem Jahr wieder eine „Entrümpelungszeit“ machen werde… Übrigens: Verschenken macht noch glücklicher als verkaufen 🙂

„…behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit“ (Prediger 3, 6)

Das Loslassen von Dingen oder auch festgefahrenen Gewohnheiten, die nicht mehr passen, kann eine gute Übung sein. Für mich war das zum Beispiel, einmal mit offenen Augen durch meine Chaos-Ecken zu gehen und Stück für Stück zu überlegen, was ich wie verändern und vereinfachen kann.

„Das Zuhause ist der einzige Raum der Freiheit, der einzige Platz auf der Erde, wo man plötzlich etwas umorganisieren, ein Experiment machen oder einer Laune nachgeben kann.“ (G.K. Chesterton)

Hütte im Garten, Zuhause, Vom Loslassen, Bibelwort für das Jahr

„…pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit…

…abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit…

 …Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit…“

(Prediger 3, 2+3+5)

Das innere Loslassen ist zweifellos schwieriger. Und doch ist es im Leben so notwendig. Immer wieder. Ein Lebensthema…

„Loslassen. Immer wieder loslassen.“

Man spürt es vielleicht noch intensiver, wenn man Kinder hat. Der Große ist nicht mehr weit von der Volljährigkeit entfernt. Ist er wirklich schon „flügge“? Die Mittlere erzählt mir nicht mehr alles. Die Kleine sortiert von heute auf morgen alles aus ihrem Zimmer aus, was rosa ist. Das ist nichts mehr für sie. Ich verschenke Berge von Kindersachen. Im vergangenen Jahr habe ich den Jüngsten abgestillt. Ohne erneut schwanger zu sein… Loslassen. Und wie geht es weiter?

Je älter die Kinder werden, desto kleiner wird unser Einfluss auf sie. Wir wissen nicht mehr immer, wo sie sind, was sie beschäftigt, was ihre Sorgen und Ängste sind. Wenn ein kleines Kind sich das Knie aufschlägt, kommt Mama und pustet und klebt ein Pflaster darauf, tröstet und der Schmerz geht vorbei. Mit gebrochenem Herzen, Weltschmerz und Zukunftsangst ist das nicht so einfach.

„Manchmal erschrecke ich, wenn ich merke, wie schnell die Zeit vergeht und wie meine Kinder wachsen, und dass es mir nicht gelingt, ihnen das beizubringen, was ich sollte, und es gelingt mir eben so wenig, so an ihrem Leben teilzunehmen, wie ich es müsste.“ (Astrid Lindgren)

Loslassen ist schwer, aber auch ein Segen. Weil wir unsere Kinder nicht einfach nur sich selbst anvertrauen, sondern dem Herrn über Himmel und Erde. Das Gebet für die Kinder gewinnt für mich an Bedeutung.

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht. […]

Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden. (Khalil Gibran)

Eine Bank und Berge, Ruhe - und wie ist das bei dir? Ruhe im turbulenten Alltag

Manches läuft ganz anders, als wir es uns gewünscht hätten. Manches Problem wird vielleicht bleiben. Wenn wir unsere Sorgen zu Gott bringen, dann ist das oft ein „trotzdem“. Obwohl es nicht danach aussieht, dass sich etwas ändert, obwohl ich manchmal meine Hoffnung wegwerfen möchte, obwohl meine Gedanken sich im Kreis drehen. Trotzdem bringe ich meine Sorgen und lege sie trotzdem ab. Ich habe Hoffnung, trotzdem.

„Alle eure Sorge werft auf IHN; denn ER sorgt für euch.“ (1. Petrus 5, 7)

Und oft spüre ich es dann ganz konkret: Ich muss gar nicht alles allein tragen und ich bin auch nicht für alles verantwortlich. Ich darf zur Ruhe kommen, auch wenn die Sorge sich nicht in Luft auflöst.

„Ruhen heißt loslassen.“ (Tomas Södin)

k-IMG_3249

„Manchmal beruhigt Gott den Sturm, aber manchmal lässt Gott den Sturm wüten und beruhigt sein Kind.“ (Hans Peter Royer)

Das Loslassen durchzieht nahezu alle Bereiche des Lebens. Beziehungen, Elternsein, Job, Gesundheit, Jugend, Träume, Geld…

Wir sollen unser Herz nicht an materielle Dinge hängen. Aber Geld loszulassen, das fällt den meisten Menschen ziemlich schwer. Offen gesagt: uns auch. Im vergangenen Jahr durfte ich da von anderen lernen. Ich glaube außerdem, in unseren Gemeinden sollten wir viel mehr über Dinge reden, über die man sonst nicht so spricht. Geld gehört dazu, aber noch mehr. Dazu gibt es im neuen Bloggerjahr noch mehr zu lesen…

„Jesus sprach zu ihm: Wenn du vollkommen sein willst, so geh hin, verkaufe deine Habe und gib den Erlös den Armen! Und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und komm, folge mir nach!“ (Matthäus 19, 21)

Wir dürfen unsere Sorgen ablegen, statt von ihrer Last erdrückt zu werden.

Wir dürfen unsere Sünden loslassen, indem wir sie Gott überlassen. Was für ein Geschenk ist diese Gnade.

Manchmal erfahren wir, dass wir in einem Bereich unseres Lebens „auf Sand“ gebaut haben… Wir müssen falsche Sicherheiten loslassen.

„Denn eines Tages fällt dir auf, es ist wenig, was du wirklich brauchst. Also nimmst du den Ballast und schmeißt ihn weg, denn es lebt sich besser mit leichtem Gepäck.“ (Silbermond, aus „Leichtes Gepäck“)

Es ist besonders schwer, Menschen loslassen. Manchmal ist es für immer.

„…Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit…“

…weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit…

…zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit…“

(Prediger 3, 2+4+7)

Mann schaut vom Berg aufs Wasser, Vater Sohn und Heiliger Geist, Muntermacher am Montag, Dreieinigkeit, Vom Loslassen, Am Jahresende zurückblicken

„Loslassen heißt nicht vergessen. Wenn man festhält, beansprucht man etwas, und das hält einen gefangen. Wenn man loslässt, beginnt Heilung.“ (Hannelore Royer über den Tod ihres Ehemannes)

Loslassen ist notwendig.

Loslassen ist manchmal sehr schwer.

Loslassen tut uns gut.

„Wer loslässt wird nicht ärmer. Im Gegenteil: Er bekommt die Hände frei für etwas Neues.“ (Jürgen Werth )

Loslassen schenkt Freiheit.

Loslassen tut auch unseren Mitmenschen gut.

Letztendlich müssen eines Tages alles loslassen, sogar unser eigenes Leben.

Herr, lehre mich loslassen. Und lass mich festhalten an dir…  

„…suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit“  (Prediger 3, 6)

Möwe am Himmel, fliegt vor den Wolken, Freiheit, Zeit der Ideen, Rückblick und Ausblick

„Denn deine Gnade ist höher als der Himmel und deine Treue reicht, so weit die Wolken ziehen.“ (Psalm 108, 5)

Ich wünsche Dir, dass Du das alte Jahr loslassen und im neuen Jahr an Gott festhalten kannst…

Sät nach dem Maß der Gerechtigkeit, erntet nach dem Maß der Liebe! Macht einen neuen Anfang... Vom Loslassen, Rückblick am Jahresende

Deine

Martha vom Blog FamilienLeben mit Gott

Wie geht es dir mit dem Thema „Loslassen“? Schaust du am Jahresende zurück? Hast du vielleicht auch ein „Wort des Jahres“ gehabt? Schreib gern davon in den Kommentaren…

 

 

 

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

18 Kommentare zu “Vom Loslassen

  1. Ui, ja, auch ich habe ein Wort. Dazu schreibe ich am 1.Januar😉
    Loslassen kam auch mir immer wieder in den Sinn. Doch es fällt mir tatsächlich sehr schwer. So wie du es schreibst erkenne ich aber auch den Sinn darin und auch den Wert. Das einzige, was wir niemals loslassen müssen und/oder sollen, ist unsere Beziehung zu Jesus. Und das ist es, was uns das Loslassen lehrt: an einem festzuhalten, was einzig ein Gewinn sein wird! Danke für deine Worte!
    Gesegnete Grüße und einen guten Rutsch von Astrid

  2. Pingback: Vom Loslassen | Christliche Blogger Community

  3. Pingback: Ein neuer Tag beginnt – mehrfamilienblog

  4. Sehr schön geschrieben und ich finde mich sehr wieder. Meine Tochter ist letztes Jahr ausgezogen – loslassen und ich habe wundersames mit Gott gelernt und es durfte heil werden. Und über all das schreibe ich auf meinem Blog. Alles Gute für dich und viel Segen für 2018

    • Vielen Dank, liebe Sandra! Ich habe deinen Beitrag zum letzten Jahr mit viel Gewinn gelesen… Ich wünsche Dir auch für das kommende Jahr ganz viel Segen! Liebe Grüße, Martha

  5. Pingback: Mein Kind glaubt nicht mehr an Gott – FamilienLeben mit Gott

  6. Das Jahr unter ein Wort zu stellen, habe ich ehrlich gesagt noch nie gehört, habe aber an vielen Stellen nickend gelesen, was du beschreibst.
    Da wir in unserem Umfeld die einzigen mit Familienbett sind und alle meine Freundinnen ihre Kinder vor dem 1. Lebensjahr abgestillt haben (meine Tochter wird diesen Monat 2), wird mir oft vorgeworfen, ich könne nicht loslassen, weswegen ich oft über das Thema nachdenke und in dieser Hinsicht das Gefühl habe, dass die Erwartungen, Vorstellungen der Gesellschaft einfach nciht meinen entsprechen.
    Menschen loslassen musste ich in den wenigen Jahren seit ich Christin bin schon häufiger, was nie leicht, aber manchmal nötig ist. Hier hadere ich aber noch am meisten, weil ich mich oft frage, ob das Loslassen wirklich notwendig ist oder mehr mit meinen Schwächen/persönlichen Schwierigkeiten zu tun hat. Aber wie du so treffend schreibst, so bitte ich Gott immer darum, mich zu leiten, wenn ich mir meiner Entscheidung nicht sicher bin.
    Liebe Grüße und etwas verspätet einen guten Start ins neue Jahr! 🙂
    Iris Maya

    • Wenn ich das richtig sehe, dann ist das „Wort des Jahres“ gerade so ein christlicher Trend *lach*. Ich selbst handhabe das aber so, dass ich mich nicht unbedingt an ein Jahr als Zeitrahmen gebunden fühle… Jedesmal aber hat Gott mich beschenkt und wachsen lassen, wenn ich einem Thema länger nachgehe. Übrigens hab ich bei jedem Kind ein wenig länger gestillt, das hat sich einfach so ergeben. Hinter mir liegen in der Summe fast vier Jahre Schwangerschaft und über 10 Jahre Stillzeit 🙂 Im Rückblick fällt es mir leichter, über kritische Stimmen zu lächlen. Schließlich hab ich sie alle abgestillt bekommen und der 16-Jährige will auch nicht mehr zu mir ins Bett *lach* Ich glaube, du gehst einen echt guten Weg und es ist vielmehr so, dass die Gesellschaft oft ein zu frühes Loslassen fordert, was unsere Kinder betrifft… Ich wünsche Dir auch ein gesegnetes Jahr! Möge Gott dich beschenken… Liebe Grüße, Martha

  7. Pingback: „Aufgeräumt!“ – Impulse zur Fastenzeit (1) – FamilienLeben mit Gott

  8. Pingback: „Aufgeräumt!“ – Impulse zur Fastenzeit (2) – FamilienLeben mit Gott

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.