Das abschweifende Gebet

Beten.

Das Nachtgebet, das Tischgebet, das Stoßgebet, das hörende Gebet, der Lobpreis, das Dankgebet, die Fürbitte, das Vaterunser, das Heilungsgebet, das Schuldbekenntnis…

Das Gebet ist vielfältig. Ich sehe mich als Beterin. Heute geht es aber um eine Form des Gebets, die ich im Gegensatz zu allen anderen wirklich meisterhaft beherrsche. Das abschweifende Gebet.

Ich beginne zu beten, aber in meinem Kopf sind so viele konkurrierende Gedanken. Ich bemühe mich, diese wegzudrängen. Manchmal hilft mir Bewegung dabei, laufen und beten. Manchmal auch nicht. Und auf einmal denke ich darüber nach, was ich nachher in die Mail schreibe oder wen ich unbedingt heute noch anrufen muss oder mir geht das Gespräch mit der anderen Mutter von heute morgen nicht aus dem Kopf…

Ich komme wieder zu mir und denke: „Mist, ich bete gar nicht mehr. Ich bin davon abgekommen.“ Ein abschweifendes Gebet also. Kommt dir das bekannt vor?

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Manchmal frustriert uns das, dass wir so wenig Ausdauer beim Beten haben. Dass der volle Kopf nicht mitspielt. Vielleicht wenden wir uns dann seufzend wieder unseren Aufgaben zu. Was wäre, wenn wir das Abschweifen einfach hinnehmen? Und einfach das Gebet wieder aufnehmen, wenn es uns auffällt? Was wäre, wenn wir darin nicht unser ständiges Versagen sehen würden?

Ich habe einen interessanten Gedanken dazu in dem Buch  „Betend leben“ von Paul. E. Miller gefunden. Der Untertitel lautet „Wie Sie in jeder Lebenslage mit Gott im Gespräch bleiben“. Beten ist ein Gespräch mit Gott. In einem Gespräch mit anderen Menschen ist es für uns ganz normal, dass wir von einem Thema zum nächsten springen, abschweifen, wieder zurückkommen zum ersten Thema, weiterreden. Gespräche, in denen es um unser Befinden, unser Erleben und unsere Gefühle geht, haben immer etwas Spielerisches. Wie sehr Kinder in Gesprächen von einem Thema zum nächsten hüpfen, das wissen alle Eltern. Manchmal können wir ihren Sprüngen kaum folgen. Und so dürfen wir auch mit unserem Alltagkram zu Gott kommen – wie Kinder. So wie wir sind, jederzeit. Mit vollem Kopf und mitten im Chaos. Er verliert bei uns ganz sicher nicht den Faden…

„Wenn Ihre Gedanken beim Beten abschweifen, dann seien Sie wie ein kleines Kind. Machen Sie sich keine Gedanken darüber, wie Sie geordnet beten und bei Thema bleiben können.“ (Paul E. Miller in „Betend leben“, Seite 47)

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Ich musste schmunzeln, als ich in diesem Buch las, wie normal das Abschweifen auch bei Personen der Bibel ist. Zum Beispiel betet Paulus im Epheserbrief ein paar Verse lang, dann hört er auf, fängt wenig später wieder an, lässt sich in eine andere Richtung lenken und beendet schließlich das Gebet. Seine Briefe wirken teilweise nicht gerade strukturiert. Er schreibt einfach, was ihm in dem Moment gerade auf dem Herzen liegt.

Ich will damit nicht sagen, dass Struktur im Gebet etwas Schlechtes ist. Meine Liste mit Namen und Gebetsanliegen hilft mir ungemein, weil ich manche Fürbitte sonst schlicht vergessen würde. Wenn ich einer Person verspreche, für sie zu beten, dann tue ich es wenn möglich sofort nach dem Gespräch, da ich zu Vergesslichkeit neige. Außerdem schreibe ich Bibelverse auf, die ich über meiner Familie und anderen Menschen aussprechen will. Es kann überaus hilfreich gegen das Abschweifen sein, wenn man laut betet, allein oder mit anderen gemeinsam. Doch lassen wir uns nicht davon abhalten, im Alltag immer wieder neu anzuknüpfen im Gespräch mit Gott…

„Es ist nicht schlimm, wenn Ihre Gedanken abschweifen oder Ihr Gebet unterbrochen wird. Es muss uns nicht peinlich sein, dass unser Herz so bedürftig ist und so sehr um Gnade betteln muss. Fangen wir doch einfach an zu beten.“ (Paul E. Miller in „Betend leben“, Seite 48)

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Und dann dürfen wir auch nicht vergessen, dass der Heilige Geist in uns ist und betet. Er lenkt unsere Gedanken ja auch im Gebet. Und auf einmal steht vielleicht ein Thema im Vordergrund, an das wir vorher noch gar nicht gedacht haben oder das uns als eine Nebensache erschien. Manchmal haben wir das Gefühl, nur „wirres Zeug“ für eine andere Person zu beten und dann sind vielleicht genau die Worte dabei, die in dieser Situation nötig waren.

„Weil ihr nun seine Kinder seid, schenkte euch Gott seinen Geist, denselben Geist, den auch der Sohn hat. Jetzt können wir zu Gott kommen und zu ihm sagen: »Abba, lieber Vater!«“ (Galater 4,6 Übersetzung: Hoffnung für alle)

In die kommende Woche fälllt der Buß- und Bettag. Bettag, mit zwei „t“, nicht drei… 🙂 Beten ist niemals die falsche Option… In diesem Sinne wünsche ich dir eine gesegnete Woche.

Deine

Martha vom Blog FamilienLeben mit Gott

Dieser Artikel ist ein Beitrag aus der Reihe „Muntermacher am Montag“.

 

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6 Kommentare zu “Das abschweifende Gebet

  1. Pingback: Das abschweifende Gebet | Christliche Blogger Community

  2. Hallo Martha!
    Der Vergleich mit dem Gespräch mit Freunden finde ich wirklich toll. Denn Jesus möchte ja genau das sein: Unser Freund. Ich bete viel im Alltag, bringe kleine Dinge zu ihm. Ich möchte noch viel mehr lernen, dass das so gut ist.
    Liebe Grüße
    Heike

    • Liebe Heike, das geht mir ganz ähnlich. Ich glaube, wir können oft gar nicht erfassen, wie unglaublich liebevoll Gottes Blick auf uns ist… liebervoller, als ein menschlicher Blick es sein könnte. Sonst würden wir uns doch nicht immer wieder selbst für unsere Unfähgikeit verurteilen oder unsere Anliegen für nebensächlich und zu klein halten… Es ist so ein platter Spruch geworden, aber Gott holt uns ja wirklich da ab, wo wir stehen. Gott sei Dank! Ganz liebe Grüße aus dem Alltag in den Alltag von Martha 😉

  3. Du hast das Thema sehr gut und ermutigend auf den Punkt gebracht. 👍
    Denn es geht nicht darum Gebetszeiten zu erfüllen, sondern Beziehung mit Gott zu leben.
    Werthvolle Grüße Jürgen

    • Vielen Dank für deinen Kommentar, Jürgen. Genau so ist es, mit Gott leben heißt Beziehung leben… Irgendwie schaffen wir es immer wieder, da unsere menschlichen Ansprüche (Leistung zählt!) an uns anzulegen. Ich bin so dankbar, dass Gott uns immer wieder daran erinnert, dass wir WIRKLICH genau so kommen, wie wir sind… Liebe Grüße, Martha

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