Ruhe!

Tomas Sjödin: „Warum Ruhe unsere Rettung ist“

Eine Buchrezension

Wie klingt der Ausruf „Ruhe!“ für dich? Ist es dein Hilfeschrei im lauten, chaotischen Alltag? Oder das erleichterte Aufatmen, wenn du mal Pause hast? Oder hat das Wort „Ruhe“ für dich gar etwas Bedrohliches? Was macht man denn eigentlich, wenn man nichts tut… Tomas Sjödin, schwedischer Pastor und Autor dieses Buches, behauptet sogar, Ruhe sei unsere Rettung. So dramatisch?

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Der Untertitel seines Buches lautet „Stell dir vor, du tust nichts und die Welt dreht sich weiter“. Und das ist durchaus als eine Einladung zu verstehen. Zunächst auf die Küchenbank von Tomas Sjödin und damit auch in seine Vergangenheit. Sein Vater wusste noch, wie man ruht, lang bevor der Begriff „Work-Life-Balance“ aufkam. Dass es möglich und selbstverständlich ist, einmal eine Weile einfach abzutauchen. Ohne Rechtfertigung, ohne Scham, ohne Fragen.

Sjödin ist ein Wortkünstler. Überall findet man Sätze, die so schön und wahr sind, dass man sie sich an die Wand hängen möchte. Leider verliert manches trotz guter Übersetzungein ein wenig an Originalität. Und dennoch kann sich der Leser mitnehmen lassen, zum Beispiel in die lange Phase Abenddämmerung in Schweden, in das Zugleich von noch-hell und schon-dunkel. Wie passend, dieses wunderbare Buch im Herbst zu lesen..

Dieses Werk ist aber kein Wellness-Buch, dass sich locker nebenbei liest, um einfach nur die schöne Stimmung zu genießen. Spätestens wenn Sjödin von seinem eigenen sorgenvollen Leben – zwei seiner Kinder sind verstorben – berichtet, wird klar: Hier geht es um mehr. Es geht um die echte Ruhe, die nur Gott schenken kann. Um ein Ausruhen trotz vieler Sorgen. Um die fundamentale Bedeutung des einen Ruhetags in der Woche. Als Hauptfeinde der Ruhe identifiziert Sjödin sehr treffend die Sorge, den Überdruss und dir Rastlosigkeit. Für die meisten von uns wohl alte Bekannte. Dieses Buch wird tiefer, je weiter man liest.

„Wer ruht, nimmt seine Lebensaufgabe ernst. Wer die Ruhe unterschätzt, nimmt sie zu leicht.“ (Sjödin, S. 34)

Einen weiten Bogen schlägt Sjödin von den ersten Tagen dieser Welt, von der Schöpfung des Menschen, bis zu unserem rastlosen Alltag heute. Er reist nach Israel zu den Wurzeln des Sabbat, lernt das Leben im Kloster kennen und übt sich darin, den Ruhetag hier und heute zu gestalten.

Immer wieder hatte ich Aha-Erlebnisse beim Lesen…

... Tatsächlich, die Ruhe ist der Anfang von allem. Als Gott den Menschen schuf, am 6. Tag, da war sein Werk getan. Das Erste, was der Mensch erlebte, war der Ruhetag.

Ruhe heißt nicht unbedingt Alleinsein. Wie wichtig ist Gemeinschaft für uns Menschen, gerade auch das Zusammensein beim Essen. „Tischgemeinschaft“ nennen wir Christen das so schön. Auch hier kann man zur Ruhe kommen.

... Sich an Regeln zu halten und entspannt leben, das ist gar kein Gegensatz. Vom Tagesablauf im Kloster lässt sich so einiges lernen.

Zu Ruhen ist ein Geschenk für die Menschen, die man liebt. Liebe braucht Ruhe.

„Wenn wir erlauben, dass das Tempo in unserem Leben immer schneller wird, dann vergessen wir, dass es leichter ist, einen neuen Job zu finden, als eine neue Familie. Unglückliche Entscheidungen trifft man, wenn man entweder zu gehetzt oder zu müde ist.“ (Sjödin, S. 158)

Es ist so eine Sache mit der Ruhe im Alltag. Viele Menschen empfinden doch eine Art Hassliebe:

„Wir sehnen uns nach ihr, und wir scheuen sie. Wir träumen von ihr, aber wenn sie da ist, empfinden wir sie anstrengend oder langweilig.“ (S. 148)

Vielleicht gelingt mir das Ruhen nicht besonders gut. Vielleicht gelingt es mir nicht immer. Das ist menschlich. Doch Tomas Sjödin zeigt in seinem Buch auch Ausblicke. In unserem Leben wird trotz allem immer eine Sehnsucht bleiben. Die wahre, ewige Ruhe, die werden wir eines Tages bei Gott finden. Und diese Ruhe wird ein Fest sein! Dieses Buch macht kein schlechtes Gewissen. Es lädt uns ein. Und es wirkt nach…

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Das Buch „Warum Ruhe unsere Rettung ist“ von Tomas Sjödin erschien 2016 in der deutschen Ausgabe (3. Auflage) bei SCM-Brockhaus, Witten. Gebundene Ausgabe, 188 Seiten, ISBN 978-3-417-26672-6. Es kann zum Beispiel hier bezogen werden.

Kleiner Ausblick

In der nächsten Zeit möchte ich dir Menschen vorstellen, die einen turbulenten Alltag haben und dennoch auf der Suche nach Gottes Ruhe sind. (Für einen vollen Alltag muss man nicht mal unbedingt Kinder haben…) Womit kämpfen Christen? Welche Wege haben Menschen gefunden? Lassen wir uns inspirieren! Wenn du bloggst und dich angesprochen fühlst, kannst du gern mitmachen. Melde dich bei mir, ich schicke dir den Fragebogen für diese Interviewreihe per Mail zu.

„Es ist als noch Ruhe vorhanden für das Volk Gottes. Denn wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken so wie Gott von seinen.“ (Hebräer 4,9-10)

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Für diese Rezension erhalte ich übrigens kein Geld und ich schreibe ausschließlich meine eigene Meinung zu Büchern. Auch in der Empfehlung, wo dieses Buch bezogen werden kann, bin ich frei.

Welche Bücher liest du eigentlich gern? Lässt du dich gern von Rezensionen inspirieren? Ich freue mich über Kommentare.

Deine

Martha vom Blog FamilienLeben mit Gott

 

 

 

 

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5 Kommentare zu “Ruhe!

  1. „Tatsächlich, die Ruhe ist der Anfang von allem. Als Gott den Menschen schuf, am 6. Tag, da war sein Werk getan. Das Erste, was der Mensch erlebte, war der Ruhetag.“

    Hier irrt der Autor – zumindest aus der Sicht der jüdischen Tradition. Der siebte Tag und damit die Schabbatruhe ist Bestandteil der Schöpfung.

    Es ist eine im Christentum weit verbreitete Fehlwahrnehmung sechs Schöpfungstage wahrzunehmen und dann als extra den siebten Tag als Ruhetag.

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für diese Anmerkung. Ich werde wirklich mal nachlesen, ob das Fehler des Autors war oder meiner (das ist auch möglich). Die Grundaussage aber bleibt ja dennoch: Das Erste, was der Mensch erlebte, war Ruhe. Oder? Liebe Grüße, Martha

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  2. Ich fand z.B. den Lebensbericht von Sam Childers „MACHINE GUN PREACHER“ äußerst inspirierend! (Aber bitte nicht in dem Sinn verstehen, dass jetzt alle Christen mit einem Maschinengewehr rumlaufen sollen! – Sondern in dem Sinn, dass man AUFSTEHT und das Richtige TUT.)

    Ebenso interessant fand ich das Sachbuch vom „Church for men“-Gründer David Murrow „WARUM MÄNNER NICHT ZUM GOTTESDIENST GEHEN“. Wir erleben seit 20 Jahren nur noch Förderung von Frauen und Mädchen (was gut ist). Aber was ist mit den Jungs & Männern??! – WOW! Dieses Buch ist wie ein kühles Bier an einem heißen Sommertag! Achtung, Erfrischungsgefahr!!

    https://www.plakatschmiede.com/mehr/buchtipps/

    Gefällt 2 Personen

    • Hallo Florian, gewöhnungsbedürftiger Titel, das mit dem Maschinengewehr 😅 aber klingt spannend… Mit dem zweiten Buch hab ich tatsächlich schon einmal geliebäugelt. Ist kühles Bier auch was für Frauen? 😋 Mit der Frauen- und Mädchenförderung gebe ich dir absolut recht. Das stimmt, das betrifft nicht nur Kindergarten und Schule, auch Gemeinde. Wobei wir echt einige (junge) Männer in der Jugendarbeit haben, das ist klasse. Bin froh, manchmal erst hinterher erfahren zu haben, was sie mit den Kids gemacht haben… Danke für deine Tipps! Liebe Grüße, Martha

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