Veröffentlicht in Allgemein, für Frauen/ Mütter, MUnTermacher

MUnTermacher am Montag

Von einer Auszeit

Ich stehe noch in der Tür und winke, bis das Auto nicht mehr zu sehen ist. Dann gehe ich ins Haus und bin unschlüssig, was ich nun tun soll. Sie sind weg. Der Mann mit den Kindern auf dem Weg zum Väter-Töchter-Söhne-Zelten. Zum allerersten Mal habe ich kein Baby zu Hause in dieser Zeit. Ich gebe es zu: Darauf habe ich Jahre gewartet und ein wenig neidisch auf andere Frauen geschielt… Einfach mal ein Wochenende Auszeit, das muss doch herrlich sein. Und nun komme ich mir vor, als würde ich am Ende des Weges über dem Abgrund in der Luft noch ein Stück weiterrennen, so wie im Trickfilm. Hallo,  runterkommen! Niemand ruft nach dir, niemand braucht dich jetzt. Du bist allein, entspann dich! Doch das ist leichter gesagt als getan…

Es scheint, ich muss ein paar Dineg wieder ganz neu lernen. Vor einiger Zeit waren wir mit den Kindern auf einem Spielplatz. Sie spielten friedlich und wir Eltern lagen auf der Picknickdecke. Ich musste ewige 10 Minunten nicht aufstehen, fiel mir plötzlich auf. Ein Entwicklungsschritt, wie schön! Aber darf ich das eigentlich genießen? Ist es okay, mich zu freuen, dass ich kein Baby oder Kleinkind mehr „an der Backe“ habe? Ich musste über mich selbst lachen. Ich habe 16 Jahre Baby- und Kleinkindzeit durchlebt, durchliebt und auch ein wenig durchlitten. Wer, wenn nicht ich, sollte die Zeit danach genießen können? Ich weiß es doch nur deshalb so zu schätzen, weil ich den Kontrast kenne! Und das geht sicherlich allen Müttern so, ob sie nun ein Kind haben oder zehn. Wäre ich eine kinderlose Frau, würde ich nicht am Spielplatz sitzen und mich freuen, dass ich nicht aufpassen muss, dass keiner irgendwo runterfällt. Meine Erfahrungen ermöglichen mir das Genießen und ich bin dankbar dafür.

„Es braucht zu allem ein Entschließen, selbst zum Genießen.“ (Eduard von Bauernfeld)

Ich möchte nun also mein Wochenende genießen. Das Naheliegendste fällt mir komischerweise erst nach einer Zeit des rastlosen Herumlaufens und PC-Schauens (blöder Zeitfresser) ein: Beten und das Wochenende Gott in die Hände legen. Ihn bitten mir zu zeigen, was für mich dran ist. Meine Lieben unter seinen Schutz stellen und sie loslassen.

Das Väter-Töchter-Söhne-Zelten ist eine zufällig entstandene Tradition in unserer Gemeinde.  Zwei Männer fingen irgendwann an und inzwischen ist es für die meisten Gemeinde-Kinder DAS Highlight des Jahres. Auch Papas, die Campin-Muffel sind, werden überredet und fahren mit. Die Kinder genießen die Zeit mit den Vätern, sie fahren Boot, machen Feuer und dieses Jahr steht ein Seifenkistenrennen auf dem Programm. Ganz ehrlich? Ich bin nicht böse, nicht dabei zu sein. Ich habe Schwimmwesten, Sonnenhüte und Sonnencreme eingepackt. Ob das alles benutzt wird, ist nun nicht mehr meine Sache. Ich finde es total wichtig, das die Kinder Zeiten haben, in denen keine Mama daneben steht und sagt: „Hast du dies… denkst du an jenes… mach vorsichtig…“ Von diesem Wochenende dürfen sie alle gern in den gleichen Klamotten wiederkommen, in denen sie losgefahren sind. Ich packe den Koffer trotzdem 🙂 Meiner Meinung nach sollte es Vater-Kind-Wochenenden in allen Gemeinden geben. Es ist toll für alle Beteiligten – nicht zuletzt für die Mütter daheim. Und außerdem kann man wunderbar Väter außerhalb der Gemeinde einladen. „Niedrigschwelliges Angebot“ nennt man das wohl 🙂

„Aber nicht putzen in der der Zeit“, warnt mich eine Freundin. Okay, fast nicht. Ich räume ein bisschen auf, aber nur so viel, dass es zum Wohlfühlen gerade reicht. Als ich zwei Stunden später wieder ins das Zimmer komme, sieht es noch genau so aus. Fantastisch! Ich erinnere mich an eine Frau, die nach dem Enkelbesuch die Fingertappsen der Kinder extra noch eine Weile an ihrer Glastür ließ. Als Erinnerung… Irgendwie verständlich. Es ist so leer hier… Ich gehe eine Runde joggen und hole mir anschließend einen Eisbecher zum Abendessen. Ist das eigentlich „Lebe-leichter“-konform? Kohlehydrate: ja. Eiweiß: ja. Obst oder Gemüse: Okay, ich esse noch ein paar Brombeeren danach 🙂

Unordnung, Chaos im Wohnzimmer, Ordnung für Chaoten, Von einer Auszeit

Kinderspuren

Ich frage mich, wie es wäre, allein zu leben. Würde ich meinen Tag auch so strukturieren und planen wie in meinem jetzigen Alltag? Oder würde ich mich total gehen lassen und jeden Abend vorm Fernseher essen? Ich erinnere mich an einen alten Nachbarn. Er war allein, seine Frau seit Jahren tot. Trotzdem war er so disziplniert, dass jeder Tag gleich ablief. Um 10 nach 6 gingen seine elektrischen Rollos nach oben – auch am Sonntag, was die Mitbewohner im Haus natürlich „freute“. Er hatte seine Zeiten zum Essen, für den Garten, fürs Einkaufen, fürs Klavierspielen und den Fernseher schaltete er niemals vor 20 Uhr ein. Ich fand das ziemlich krass, aber ich glaube, es hat ihm einfach geholfen.

Ich kämpfe an diesem Wochenende vor allem damit, mir nicht zu viel vorzunehmen. Ich möchte schreiben, lesen, Stille Zeit haben, Musik machen, meine Schwester anrufen, Mails beantworten, Sport machen, nähen, eine Freundin treffen… Das nennt man wohl Freizeit-Stress. Vergessen, dass ich mir auf der Kur vorgenommen habe, freie Zeit nicht so zu verplanen. Also gut: Das Stoffpaket liegt bereit, aber ich suche mir erstmal nur aus, welche Tasche ich nähen möchte. Vielleicht fange ich mit dem Zuschneiden an, das reicht.

Am späteren Abend beginne ich, meine Lieben ein wenig zu vermissen. Ich schlafe auch nicht durch und bin ziemlich früh wach. Vermutlich werde ich auch das Schlafen wieder ganz neu lernen müssen. Ich glaube, vieles wird Zeit brauchen. Dass man diese wirklich nötig hat merkt man manchmal erst, wenn man ein paar freie Stunden hat. Im Alltag ist mir das gar nicht so bewusst, wie wichtig Auszeiten sind. Unsere Arbeit zu Hause wird in der Gesellschaft oft so wenig wertgeschätzt und ist dabei doch so unendlich wertvoll. Wir dürfen uns Zeit zum Durchatmen erkämpfen, gönnen und genießen. Und es uns von Gott schenken lassen. Immer wieder.

Was deine Arbeit dir eingebracht hat, das wirst du auch genießen. Wie glücklich du sein kannst! Es ist gut um dich bestellt! (Psalm 128, 1+2 Übersetzung: Gute Nachricht Bibel)

schön gedeckter Früstückstisch für eine Persone im Freien, Ordnung für Chaoten, Von einer AuszeitSingle-Frühstück :-)

Es gibt für den Menschen nichts Besseres als essen und trinken und genießen, was er sich erarbeitet hat. Doch dieses Glück hängt nicht von ihm selbst ab: Es ist ein Geschenk Gottes. (Prediger 2, 24 Übersetzung: Gute Nachricht Bibel)

Ich hätte durchaus noch mehr Zeit allein verbringen können. Schon sind alle wieder zu Hause.  Sie sind müde und aufgedreht, schmutzig und fröhlich, erfüllt von Erlebnissen und sie reden durcheinander. Die Taschen und Sachen fliegen herum, die Ordnung ist dahin.

Das Leben ist schön!

 Deine
Martha vom Blog FamilienLeben mit Gott

 

 

Autor:

Wir glauben daran, dass ein FAMILIENLEBEN MIT GOTT einen Unterschied macht. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denn FAMILIEN LEBEN MIT GOTT. Mach dich mit uns gemeinsam auf die Suche nach Mehr...

7 Kommentare zu „MUnTermacher am Montag

  1. …herrlich :o)!!!!
    Ich wünsche dir noch viele weitere freie Wochenenden!!!! Knuddelgruß von einer, die gar nicht auf dich böse ist, dass unser ruhiges Telefonat nicht ins freie Wochenende gepasst hat :o)

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