Veröffentlicht in Allgemein, Ehe, Projekte

Zeit zu zweit (Teil 3) – Zeit!

Was brauchen wir alles NICHT für eine glückliche Ehe und was BRAUCHEN wir… Darum drehten es sich bei „Zeit zu zweit“ in Teil 1 und Teil 2. Heute möchte ich ein paar Gedanken zu einem Aspekt teilen, der mir besonders am ❤ liegt und für dessen Betrachtung ich mir etwas mehr ZEIT nehmen wollte 🙂

Die Zeit des Loslassens abwarten

Was meine ich denn genau mit „Zeit“ zu zweit? Es ist wirklich schön, wenn man zuverlässige Babysitter hat und freie Abende, Wochenenden oder sogar Urlaub zu zweit genießen kann. Solange ich kleine Kinder hatte, hätte ich das aber ehrlich gesagt gar nicht gekonnt. Bei unserem ersten Kind dachte ich, wir „müssten“ doch nun auch einmal an uns denken und abends zu zweit weggehen (was wir witzigerweise ohne Kinder gar nicht so oft gemacht hatten). Schließlich sagt einem ja jeder, wie wichtig das ist, oder?! Als der Kleine acht Monate alt war, versuchten wir es. Wir schauten uns am Abend eine Eis-Revue an, ich jedoch starrte die ganze Zeit nur auf mein Handy (damals eines der ersten verfügbaren Modelle 🙂 ). Ich vermisste den Kleinen, fühlte mich unwohl, fehl am Platz und war froh, endlich wieder zu Hause zu sein. Blöderweise hatten wir nicht bemerkt, dass wir in der Eishalle keinen Empfang gehabt hatten. Mehrere entgangene Anrufe… Der Junior hatte ausgerechnet an diesem Abend Fieber bekommen. Die Großeltern haben das super gemeistert, aber für mich kam nun das schlechte Gewissen noch dazu. Im Rückblick betrachtet war das eigentlich eine krampfhafte Aktion gewesen.

Heute sage ich: Klar muss man das Loslassen wieder lernen, aber kleine Kinder abzugeben, wenn man noch kein gutes Gefühl dabei hat, ist absolut unnötig. Warte, bis du auch etwas davon hast, bis es sich (so ganz grundsätzlich) gut anfühlt. Vielleicht muss man das Loslassen gerade als Mama auch Stück für Stück üben – aber zur richtigen Zeit. Mein Mann ist bei uns derjenige, der sagt: „Komm, lass es uns probieren“. Er hört trotzdem auch auf mein Gefühl und so finden wir den richtigen Zeitpunkt, wann wir es wagen können… Wir können es an zwei Händen abzählen, wie oft wir in den vergangenen 16 Jahren abends allein weg waren (über Nacht noch nie). Sicherlich liegt das auch daran, dass wir keine Verwandten in der Nähe haben, keinen festen Babysitter und dass es schwieriger ist, fünf Kinder „unterzubringen“ als eines oder zwei. Das Wesentliche aber ist: Es hat unserer Ehe-Beziehung nicht geschadet. Nun freuen wir uns darauf, dass mit größeren Kindern manches wieder leichter möglich sein wird.

Braut, Bräutigam und ein schreiendes Baby, nicht perfekte Traumhochzeit, Zeit zu zweit, Was braucth man für eine glückliche Ehe nicht

Quantität oder Qualität – oder beides?

Ich halte in der Erziehung wenig vom „Quality-Time“-Konzept. Es mag bei kleineren Kindern ja noch halbwegs funktionieren, dass man bestimmte Zeitfenster festlegt, in denen man ausschließlich für sie da ist. Aber wie soll das mit älteren Kindern gehen?  Viel mehr muss ich einfach häufig präsent sein, einfach nur anwesend, und darauf warten, wann das (Teenager-)Kind auf mich zugeht. Ein größeres Kind teilt seine Stimmungen, Befindlichkeiten, seinen Redebedarf und seine Fragen nicht, nur weil ich gerade Zeit dafür hätte. Ich habe lernen dürfen, dass man die manchmal seltenen Gelegenheiten beim Schopf packen muss. Die Situationen nutzen, wenn sie gerade entsteht, notfalls um kurz vor Mitternacht in einem philosophischen Gespräch die Welt zu retten und dabei zu spüren, dass wir noch eine Verbindung haben.

So ähnlich sehe ich es mit der Paar-Beziehung. Zeit ist vor allem eine Zeitdauer. Intensiv verbrachte Zeit entsteht aus einer Menge alltäglich miteinander verbrachter Zeit. Zeit ist auch, wenn einer in der Küche werkelt und der andere im Zimmer daneben. Wenn einer auf dem Sofa döst und der andere ein Buch liest. Wir sind „in der Gegenwart“ des anderen. Er ist grundsätzlich ansprechbar, auch wenn ich ihn im Moment nicht anspreche. Man ist einfach beeinander. Ist es nicht auch oft so mit Gott, unserem Vater? Wir reden und hören nicht ununterbrochen, aber wir sind in seiner Gegenwart, die uns einfach gut tut.

Nun kann es auch sein, dass ein Partner sich in der Nähe des andern aufhält, ohne ansprechbar zu sein. Auch das hat seine Zeit, aber ewiges Abhängen vor dem PC oder TV  (wenn man nicht gerade gemeinsam etwas schaut) ist doch sehr ungünstig. Diese Zeit zählt für mich eher wie eine Zeit der Abwesenheit und sollte meiner Meinung nach bewusst begrenzt werden. Ich glaube, dass es wichtig ist, der gemeinsamen Zeit (ob die Kinder nun dabei sind oder nicht) Priorität zu geben. Ihr im Terminkalender Platz einzuräumen, auch mal etwas abzusagen, weniger zu arbeiten und intensive Zeiten wie Ausflüge oder Urlaub ganz bewusst einzuplanen. Der Mehrwert ist vielleicht nicht unmittelbar messbar, im Rückblick aber eindeutig zu erkennen.

Zeit zu zweit mitten in der Familie

Gespräche entstehen wie nebenbei, wenn wir die Gelegenheiten dazu schaffen. Rituale und Gewohnheiten können dabei helfen. Bei uns ist das zum Beispiel die gemeinsame Tasse Kaffee am Nachmittag (ich weiß, ein Luxus 🙂 ). Meist sitzen die jüngeren Kinder mit dabei, aber ich weiß, das werden sie nicht mehr jahrelang tun. Und so ist das für uns in Ordnung. Diese Zeit ist nicht nur notwendig, um die Aktivitäten und Erledigungen für den Nachmittag und den Abend zu besprechen, sondern auch um zu spüren, wie es dem anderen geht. Wie läuft es in der Arbeit? Was war heute anstrengend? Wie fühlst du dich? Was bräuchte ich jetzt? So ein Gespräch muss gar nicht lang sein… Uns hilft es auch, den Abend ab 20.00 Uhr für uns zu reservieren. Termine, die das durchbrechen, gibt es genug (sie müssen begrenzt werden). So versuchen wir auch, den Kindern unsere Bedürfnisse zu zeigen und im Normalfall klappt das gut. Gespräche können am Abend auch dann noch entstehen, wenn die Kinder im Bett sind und man schon zu erschöpft zum Lesen ist. Wir schauen (außerhalb von EM- und WM-Zeiten 🙂 ) so gut wie nie TV. Manchmal liegen wir lesend nebeneinander. In der Gegenwart des anderen. Manchmal lesen wir dem anderen eine Passage vor, die uns gerade anspricht. Manchmal kommen wir dann ins Gespräch und vom Hundertsten ins Tausendste. Mein Mann liest ganz andere Bücher als ich, aber ich lasse mich gern ein kleines Stück in seine Gedankenwelt mitnehmen. Es ist wunderbar, wenn jenseits von den Themen „Kinder“ und „Termine“ Gespräche entstehen – einfach weil die Zeit da ist. Wir alle haben von unserem Schöpfer 24 Stunden am Tag bekommen. 7 Tage die Woche. 365 Tage im Jahr. „Ich habe keine Zeit“ ist ganz einfach – eine Lüge 🙂

Ein leerer Liegestuhl steht im Garten inmitten von herumliegenden Kinderspielzeug. Ordnung für Chaoten, Zeit zu zweit

Und die Kinder, „binden“ die nicht sehr viel Zeit? Die Kinder sind einfach da. Wir haben unsere Zeit zu zweit mit und ohne Kinder. Wir beziehen sie in unsere Gespräche ein, plaudern alle miteinander über alles mögliche. Manchmal bitten wir sie um Ruhe, damit wir etwas zu zweit bereden können. Ein Ritual, das sich mit größer werdenden Kindern ergeben hat, ist „der zweite Kaffee“ am Wochenende. Die Kinder frühstücken sehr viel schneller als wir und gehen dann spielen. Seit auch der Jüngste Treppen steigen kann, verschwinden sie oft alle im Kinderzimmer nach dem Frühstück. Das ist der Moment, in dem einer von uns aufsteht und sagt: „Ich mach nochmal einen Kaffee.“ Die zweite Tasse trinken wir dann oft ohne Kinder und unterhalten uns dabei.

Die Kinder gehören zu unserer Beziehung, sie sind mittendrin, darum leben wir diese Beziehung ebenfalls „in Gegenwart“. Vielleicht kommen auch noch andere Zeiten, aber im Moment wäre es seltsam, die Bereiche „Ehe“, „Kinder“, „Familie“ strikt nach Zeiten zu trennen. Zeit ist eine Voraussetzung für Beziehung. Wir alle haben Zeit. Wir müssen nicht darauf warten, dass eine bestimmte Zeit kommt. Zeit ist jetzt. Leben ist jetzt und hier.

zwei Liegestühle im Garten, Einladung zur Pause, Zeit zu zweit, Ehe, vom Untergehen und Aufblühen, Ordnung für Chaoten

Ich hätten diesen Artikel auch „Kommunikation!“ nennen können, denn das ist die wichtigste Verbindung zwischen zwei Menschen. Aber die Zeit ist die Basis dafür, dass Kommunikation entsteht. Wir brauchen Zeit, um uns dem anderen mitzuteilen und offenbaren zu können. Manches muss eine Zeit lang so im Raum stehen bleiben. Wir brauchen Zeit, um Dinge im Gespräch zu ordnen und zu klären. Wir brauchen auch Zeit um zu schweigen. Und Vergebung braucht ganz oft auch Zeit.

Wie siehst du persönlich die Bedeutung von Zeit in deiner Beziehung? Wie ist das, wenn ein Partner sehr viel abwesend ist? Schreibe mir deine Erfahrungen gern in den Kommentaren! Ich freue mich…

Zu guter Letzt…

Es ist mir schmerzlich bewusst, dass Ehen trotz allen Bemühungen aus ganz unterschiedlichen Gründen scheitern können. Ich sage bewusst „scheitern“, weil niemand mit dieser Absicht einmal „Ja“ zu seinem Partner gesagt hat. „Bis dass der Tod euch scheidet“, das ist Gottes Plan und unser Wunsch bei der Hochzeit. Aber Menschen können scheitern, Ehen können zerbrechen. Was wir dabei niemals vergessen dürfen, nicht als Betroffene und nicht als Außenstehende: Gott aber ist treu.

„Sind wir untreu, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht untreu werden.“ (2. Timotheus 2, 13 Übersetzung: Hoffnung für alle)

Himmel mit Sonnenuntergang in Form von einem Herz, Trachten nach dem Reich Gottes, Zeit zu zweit

„Von Gottes Güte kommt es, dass wir noch leben. Sein Erbarmen ist noch nicht zu Ende, seine Liebe ist jeden Morgen neu und seine Treue unfassbar groß.“ (Klagelieder 3, 22-23 Übersetzung: Gute Nachricht Bibel)

Wie auch immer die Umstände sein mögen, Gott ist an deiner Seite. Darauf kannst du dich verlassen.

Niemals werde ich dir meine Hilfe entziehen, nie dich im Stich lassen. (Josua 1, 5 Übersetzung: Gute Nachricht Bibel)

Deine

Martha vom Blog FamilienLeben mit Gott

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Autor:

Wir glauben daran, dass ein FAMILIENLEBEN MIT GOTT einen Unterschied macht. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denn FAMILIEN LEBEN MIT GOTT. Mach dich mit uns gemeinsam auf die Suche nach Mehr...

7 Kommentare zu „Zeit zu zweit (Teil 3) – Zeit!

  1. Wirklich, ich danke dir für diesen Text! Er spricht mir so aus der Seele und er entlastet mich auch- weil es bei uns genauso ist und das ganze Zeit für Euch Gedönse auch ganz schön Druck erzeugen kann. Ich liebe den zweiten Wochenendkaffee und kurze Spaziergänge, wenn die Kleinen schlafen. Wir telefonieren mehrmals täglich, um auch den Alltag zu teilen. Kommunikation- ich sag es ja…

    1. Ja, genau, Kommunikation. Du hast total recht 🙂 Aber siehst du, das In-Verbindung-sein über Entfernungen habe ich gar nicht bedacht, weil das bei uns nicht so oft vorkommt. Aber ich erinnere mich, wie wir beide letztes Jahr WhatsApp zu schätzen wussten, als ich auf Kur war mit den Kindern. Liebe Grüße von Martha

  2. Liebe Martha, herzlichen Dank für diesen Beitrag. Die Zeit, die man bewusst „nebeneinander“ verbringt, zur Gemeinschaft zu zählen, entlastet und ermutigt mich. Auch die Aussage, auf das eigene Gefühl zu achten und nichts künstlich zu forcieren, finde ich enorm wichtig. Liebe Grüsse, Sonja

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