Urlaub! Vom Wert des Reisens…

Jedes Paar findet sein ganz eigenes Alltagslebens. Jede Familie hat ihre ganz spezielle Art zusammenzuleben. Zu bestimmten Zeiten wird der Alltag in den meisten Familien aber durchbrochen, alles läuft ein bisschen – und manchmal auch ganz – anders als sonst. Urlaub! Manchmal denke ich ganz leise während des Packens: „Warum tu ich mir das eigentlich an?“ Aber da ist diese unbändige Vorfreude! Das Abenteuer liegt vor uns: Ausbrechen! Abhauen! Freiheit! (Die Gefühle beim Auspacken der Wäscheberge sind dagegen gar nicht leise und meistens schlimmer…)

Ich glaube, dass es eine Entwicklungsaufgabe für die Familie ist, die „eigene Art von Urlaub“ zu finden. Es mag sein, dass manche Menschen gern zu Hause bleiben und Tage ohne Termine auf Balkonien genießen. Aber trotzdem schellt das Telefon, kommt die Post, liegt die Arbeit in und am Haus vor den Augen, irgendwie ist man doch immer gefragt und wird verplant. Ich möchte heute ein brennendes Plädoyer dafür halten, wegzufahren. Und egal, welche Art von Urlaub man bevorzugt (und was der Geldbeutel hergibt): Seid gespannt auf das Neue, das Fremde, das Überraschende, das Zufällige, das Ungeplante, das Unplanbare. Wenn wir aufbrechen, wachsen wir daran – auch zusammen.

dänische Kirche, dänische Häuser, Stockrosen, Straßenzug Norddänemark, Urlaub - Vorm Wert des ReisensNorddänische Impressionen aus unserem Familienbuch – Ich bin noch immer nicht müde, ganz klassisch meine Fotos und Urlaubserinnerungen einzukleben… (Ich wünschte, meine Stockrosen im Garten würden SO wachsen.)

 

Für das Reisen gibt es keinen Ersatz. Zu Hause sind anderen die Fremden, unterwegs sind wir es selbst. (Stephan Thome)

Die Familie verlässt die Komfortzone, ich lerne mich und die anderen neu kennen. Wir erleben uns in ganz anderen Situationen als im Alltag, manchmal in „Extrem“-Situationen (zum Beispiel wenn man glaubt, in seinem ganzen Leben KEINEN einzigen Schritt mehr weitergehen zu können).

EIn Mädchen am Gletscher zeigt eine Hand voll Schnee. Urlaub - Vorm Wert des Reisens„Schnee im Sommer“ war ihr Wunsch…

 

„Je mehr wir uns von unserer täglichen Routine entfernen, desto bewusster wird uns, was wir tun.“ (Claudia Hammond)

Wir sind schon immer eine „Reise-Familie“. Die Urlaubstage, die mein Mann hat, umreißen die Zeit, in der wir reisen. Seit wir mehrere Kinder haben (und vermutlich liegt es auch am eigenen Älterwerden), gönnen wir uns allerdings manchmal noch einen freien Tag zum „Ankommen“ am Ende. Früher waren wir häufiger auch übers Wochenenden unterwegs und kamen Sonntagabend so nach Hause, dass jeder gerade noch notdürftig genug Schlaf bekam vor dem Wochenstart.

Ein handgeschriebener Zettel "Sind Krebse fangen" Urlaub - Vom Wert des ReisensDie Kinder entdecken die Welt…

Je mehr Termine wir haben, je mehr wir verplant sind, desto mehr steigt die Sehnsucht, wieder einmal auszubrechen. Natürlich nimmt man als Familie immer ein gutes Stück Alltag mit in den Urlaub. Die Kinder wollen beschäftigt sein, es muss eingekauft und gekocht werden (sofern man nicht im Hotel ist – wir waren es noch nie). Und trotzdem ist es nicht Alltag. Wir sind so bewusst und so viel zusammen wie sonst nie. Keine Schule, keine Termine, keine Hausarbeit, keine Erledigungen binden die Aufmerksamkeit woanders. Das Familien-Mobile kommt zunächst in Schwung und findet ein neues,  „gechilltes“ Gleichgewicht. Besonders am Anfang des Urlaubs knirscht und rumpelt es dabei manchmal nicht wenig. Die Kinder lärmen und streiten, wir sind genervt und kaputt. Und dann kommt so ganz langsam ein neuer Rhythmus durch… Die langen Autofahrten sind geschafft, alle schlafen morgens ein kleines bisschen länger, die Mahlzeiten beschränken sich meist auf ein ausführliches spätes Frühstück und ein gekochtes Abendessen. Tagsüber sind wir viel unterwegs und gehen schlafen, wenn es dunkel wird. Wir entdecken neue Orte, suchen manchmal Bekanntes wieder, werden überrascht, beglückt, und auch mal enttäuscht und geraten unter Umständen in Situationen, die uns bedrohlich erscheinen. Eine Autopanne, eine Verletzung, mächtig Seegang auf dem Schiff… Und das alles ja irgendwie mit Absicht.

„Wir können geradezu anstößig frei von Angst sein, weil wir unter dem aufmerksamen Auge dessen stehen, der reichlich für die Vögel in der Luft und die Lilien auf dem Felde sorgt.“ (Riachard J. Foster)

Paddeltboot auf dem Meer, Weite, Freiheit, Unabhängigkeit, der Mensch ist klein, Urlaub - Vom Wert des Reisens

„Ich bestaune den Himmel, das Werk deiner Hände, den Mond und all die Sterne, die du geschaffen hast: Wie klein ist da der Mensch, wie gering und unbedeutend. Und doch gibst du dich mit ihm ab und kümmerst dich um ihn!“ (Psalm 8, 4 + 5 Übersetzung: Gute Nachricht Bibel)

Unser Gefühle im Urlaub sind intensiv. Die Natur begeistert uns, wir wagen etwas, wir unterhalten uns mit Leuten, die ganz andere Erfahrungen haben als wir und mit denen wir sonst nie geredet hätten (ein Hoch auf das Campingleben!), wir lachen viel und man kann sich sogar im Urlaub neu ineinander verlieben ❤ . Allerdings kann man auch gut mal die wunden Punkte anpieksen, über die man im Alltag lieber hinweggeht – und so auch „aneinander geraten“… Und: In jedem Urlaub gibt es auch wenigstens einmal eine Station, an der man nicht mehr weiter weiß und sich sehnlichst wünscht, man wäre einfach nur zu Hause geblieben. Das kann dann sein, wenn man völlig durchnässt auf dem Fahrrad sitzt und noch etliche Kilometer vor sich hat. Wenn man einfach keine vernünftige Bleibe für die nächste Nacht findet oder viel zu viel Geld für eine schlechte bezahlt hat. Wenn ein Kind nachts im Wohnwagen die Spuckerei bekommt. Wenn die Fähre, mit der man nach Hause fahren wollte, ausgebucht oder kaputt ist. Oder nach zwei Tagen Dauerregen und ohne WLAN mit fünf Kindern im Wohnwagen. Krisenstimmung. Irgendwie gehört auch das zum Urlaub (mal) dazu.

Und durch alles geht Gott mit uns mit. Es liegt an uns, wie bewusst uns das ist, wie wir es wahrnehmen, ob wir allein oder zusammen beten, bitten, loben, danken wollen. Im Urlaub gibt es vielleicht einen besonderen Raum dafür.

Urlaub ist wie das Leben, nur intensiver.

Kinder spielen ausgelassen am Strand, toben herum, Familie statt Kita, Krippe oder Kindergarten. Urlaub - Vom Wert des Reisens

„HERR, unser Herr, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde.“ (Psalm 8, 10 Übersetzung: Elberfelder Bibel)

Und das  hier ist „unser“ Urlaub:

Mädchen schaut über das Meer, Sehnsucht, es ist grau, dem Alltag entfliehen, Fernweh, 12 Dinge, die ich angefangen und nie beendet habe, Urlaub - Vom Wert des ReisensSchwedenfähregucken an der deutschen Ostsee…

Urlaub beginnt eben im Kopf 🙂

Als unsere ersten beiden Kinder 1 und 5 Jahre alt waren, fuhren wir zum ersten Mal nach Norwegen und verliebten uns spontan in dieses Land. Es war die perfekte Mischung für uns, denn mein Mann liebte die Berge und ich das Wasser. Mittlerweile mag er das Meer mindestens so sehr wie ich und ich als „Flachlandtiroler“ habe den Reiz der Berge erkannt. Inzwischen spricht mein Mann so gut norwegisch, dass er gefragt wird, wie lange er schon dort lebt. (Mein Wunsch, die schwedische Sprache zu lernen, ist leider bislang Wunsch geblieben.) Es ist schwer zu beschreiben, aber je nördlicher man kommt, desto weiter ist der Horizont. Der Norden hat einfach mehr Himmel ❤ Unser Traum für später: Der „hohe Norden“ und die Nordlichter.

Glücklicherweise mögen wir beide sehr hohe Temperaturen überhaupt nicht. Den idealen Sommer bei Temperaturen, die man aushält, und bei schön langen Tagen finden wir im Norden. Wir waren (damals ohne Kinder) auch schon in Italien oder Kroatien gewesen. Doch nun fährt das Auto irgendwie ganz automatisch auf die Autobahn Richtung Norden, wenn wir noch unentschlossen sind, wohin es gehen soll 🙂

Familienleben mit Gott, Kinder stehen auf dem Felsen/ Berg und zeigen in die Ferne, Suche, Sehnsucht, Freiheit in Gott, christliche Erziehung heute, Urlaub - Vom Wert des ReisensAn der schwedischen Westküste

In den ersten Jahren packten wir einfach ein Zelt ein. Bei schlechterem Wetter oder Kälte (es kann im Norden nachts schon mal einstellige Temperaturen haben) mieteten wir die kleinen Blockhütten, die es auf fast allen Campingplätzen gibt. Ein oder zwei Kinder kann man noch irgendwo „verstopfen“, aber dann wurden die einfachen Hütten irgendwann zu klein für uns – und die größeren zu teuer. Wir überlegten lange, ob wir ein großes hochwertiges Familienzelt anschaffen sollten. Dann hatten wir die Chance, von Freunden einen Wohnwagen auszuleihen – und waren begeistert. DAS ist unsere Art von Urlaub, das Haus auf Rädern. Die perfekte Mischung aus Camping und Ferienwohnung. Es ist schon viel schöner, die Schränke im Wohnwagen einzuräumen als Koffer zu packen. Im Stau oder bei Pausen gehen wir nach hinten einen Kaffee kochen und die Kinder können aufs Klo sooft sie wollen :-). Genial! Irgendwann stand plötzlich in unserer Straße ein Wohnwagen zum Verkauf, der die perfekten Maße für uns hatte. So klein wie möglich (5 Betten für 7 Personen 🙂 ), so groß wie nötig (Isomatte hat im Gang genug Platz, zwei Sitzgruppen mit ausreichend Sitzplätzen für alle). Wir haben den Kauf nicht bereut!

 

Viele Schuhe vorm Wohnwagen, Urlaub als kinderreiche Familie, Ordnung für Chaoten, Vom Losgehen und von Hindernissen, Urlaub - Vom Wert des Reisens

Von Süddeutschland nach Norwegen ist es echt immer eine Tortur Tour. Was wir gelernt haben in den letzten Jahren: Der Weg ist das Ziel. Die Nordsee ist mindestens so schön wie die Ostsee. Es muss nicht bis nach Norwegen gehen. Mittlerweile lieben wir Schweden ebenso und auch Dänemark ist nicht zu verachten 🙂 Das Motto lautet jedes Jahr aufs Neue: „Ab Hamburg ist Urlaub.“ Wir arbeiten daran, dass wir irgendwann auch die erste Zwischenstation irgendwo zwischen Harz und Lüneburger Heide schon als „Weg-Ziel“ betrachten können 😉

Der damals Fünfjährige fährt inzwischen nicht mehr mit. Aber ich bin mir sicher, er hat durch die Urlaube einen Schatz fürs ganze Leben mitgenommen. Einen ganzen Sack  voller Erinnerungen an gemeimsame Erlebnisse, Begebenheiten, Begegnungen, Gemeinschaft, Freiheitsgefühl und Liebe.

Zwei Kinder schauen vom Schiff aus auf die Schären, Wolken, Sehnsucht, Schweden, Urlaub - Vom Wert des Reisens

„Urlaub mit Kindern ist total anstrengend!“, denke ich manchmal. Aber nicht nur! In Teil 2 der Urlaubs-Reihe geht es um den Wert des Reisens mit Kindern…

„Jaaaa, wenn man sich das alles leisten kann?!“, denkt nun vielleicht mancher. In Teil 3 der Urlaubs-Reihe schreibe ich über unsere Erfahrungen mit Urlaub bei kleinem Geldbeutel. Etwas anderes ist nämlich auch für uns gar nicht drin…

Mich würde total interessieren, was „euer“ Urlaub ist und wie ihr ihn gefunden habt! Oder probiert ihr immer etwas Neues? Schreibe mir doch in den Kommentaren…

Deine

Handschrift

 

 

 

 

 

 

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9 Kommentare zu “Urlaub! Vom Wert des Reisens…

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  2. Liebe Martha, danke für diesen Text. Er ist mir während unserer Ferienreise immer wieder in den Sinn gekommen. Zum Beispiel, dass wir ein Wagnis eingehen, etwas riskieren, weil wir aus unserer Komfortzone herauskommen. Dein Text hat mich ermutigt, ein JA zu diesen Situationen zu haben. Danke und ganz herzliche Grüsse aus England (vorher Schottland – hach!)! Sonja

    • Oh, das freut mich ja… Danke für dein Feedback, Sonja, das ist für mich sehr ermutigend. Bei uns bin ich diejenige, die immer etwas „bremst“ und mein Mann würde der, der „voranprescht“. Ich denke, wir haben uns aufeinander zu bewegt. Aber es kostet mich immer noch Überwindung z.B. eine Fähre zu buchen ohne vorher zu wissen wie stark der Wind wird 🙂 Ach, in Schottland wäre ich jetzt aber auch gern 🙂 Wir haben immer noch Schule… Liebe Grüße, Martha

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