Veröffentlicht in Allgemein, Kinder und Familienleben, MUnTermacher

MUnTermacher am Montag

Vom verlorenen Sohn

Mein dreijähriger Sohn ging auf dem Campingplatz jeden Tag ein Stückchen weiter auf Entdeckungstour. War sein Radius zunächst ein 10-m-Kreis um den Wohnwagen, so dauerte es nur wenige Tage und er sauste mit seinem Laufrad die gleiche Runde, die die großen Kinder mit dem Fahrrad um unsere Ecke des Campingplatzes drehten. Dabei hatte ich den Kleinen nicht immer im Blick, ich sah ihn auf der einen Seite um die Ecke verschwinden und einige  Zeit später von der anderen Seite wieder kommen. Doch irgendwann fiel mir auf, dass er nicht mehr auftauchte.

Vielleicht war er irgendwo „hängen“ geblieben? Ich wartete eine Weile, ging ein paar Meter in die eine und in die andere Richtung, fragte Camper. Ja, sie kannten ihn schon… Sie hatten den Kleinen mit dem Laufrad fahren sehen, aber das war schon eine Weile her. Ich mobilisierte meinen Mann, damit wir den Kreis zeitgleich in verschiedene Richtungen ablaufen konnten. Nichts, der Kleine war weg. Ein paar Kinder boten uns Hilfe beim Suchen an. Meine Nervosität stieg langsam.

Hatte ich etwas übersehen? War er vielleicht doch unbemerkt in Richtung Ausgang entwischt? Hatte ich vielleicht doch nicht gut genug aufgepasst? Das wäre fatal, denn an den Zeltplatz grenzte der Wald und es war nicht mehr lange bis zum Einbruch der Dunkelheit. Ich suchte derweil das Sanitärgebäude ab, jetzt klopfte mir das Herz plötzlich bis zum Hals und alle Gedanken schossen mir gleichzeitig durch den Kopf. Was, wenn ihn jemand mitgenommen hat? Was, wenn er im Wald herumirrt? Kann er irgendwo ans Wasser gelangt sein? Wann löse ich Großalarm aus, wenn wir ihn nicht finden können? Mit Tränen in den Augen sah ich meinen Mann, der nun aufs Fahrrad stieg, um schneller einen größeren Radius absuchen zu können.

Ich lief kopflos zur Rezeption. Ob man mir da helfen konnte? In diesem Moment kamen zwei Frauen, die meinen Jüngsten an der Hand hatten. Ich brach in Tränen vor Erleichterung und Freude aus. Mein Kind ist wieder da! Gott sei Dank! Ich bedankte mich und ließ mir berichten, wo sie ihn gefunden haben. Anscheinend war er auf seiner gewohnten Runde versehentlich zwischen die Wohnwagen eingebogen. An der hintersten Wohnwagenreihe wusste er nicht mehr weiter und hatte sich dann einfach auf eine Bank gesetzt und gewartet. Und gewartet. Die Frauen waren auf ihn aufmerksam geworden und hatten ihn nun zur Rezeption bringen wollen. „Er war ganz ruhig und hat einfach gewartet,“ berichteten sie, „so als wüsste er: Die finden mich schon…“ Ich drückte den versehentlich Ausgerissenen noch ein bisschen fester an mich.

Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. […] Er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. (Lukas 15, 20+24)

 

Sohn auf den Schultern des Vaters, sich getragen fühlen, Geborgenheit, Vom verlorenen Sohn

Abba, lieber Vater, das wünsche ich mir auch: Wenn ich mal aus Versehen einen falschen Weg einschlage und nicht mehr zurück finde, dann will ich so ein Vertrauen haben wie mein Sohn, dass du mich wiederfindest und mir hilfst…

Deine

Martha vom Blog FamilienLeben mit Gott

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Autor:

Wir glauben daran, dass ein FAMILIENLEBEN MIT GOTT einen Unterschied macht. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denn FAMILIEN LEBEN MIT GOTT. Mach dich mit uns gemeinsam auf die Suche nach Mehr...

7 Kommentare zu „MUnTermacher am Montag

  1. Liebe Martha, ich kann mich sooo gut in Deinen Text hineinversetzen!! Ich habe einmal eine ähnliche Situation erlebt, in der mein Sohn sich spontan entschieden hatte, im Garten eines Schulkameraden zu spielen- nur hatte ich davon keine Ahnung und habe ihn eine gefühlte Ewigkeit gesucht!! Wie schön, dass Dein Sohn so getrost und gelassen dabei war. Und wie schön die Parallele zu uns und unserem Vater im Himmel ist. So ein kindliches Vertrauen und Ruhen in Gottes Geborgenheit wünsche ich mir auch! Danke!

    1. Und das war wirklich Führung Gottes, glaube ich. Denn das gleiche Kind bricht (manchmal) in Tränen aus, wenn ich nur ins Nachbarzimmer gehe ohne mich vorher zu verabschieden… Ach, das sind wirklich schlimme Momente, wenn jemand so „richtig“ weg ist. Aber man kann sie nicht „anbinden“… Gottes Segen wünsch ich dir, liebe Grüße, Martha

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