Veröffentlicht in Allgemein, Ehe, Kinder und Familienleben, Projekte

Zweit zu zweit (Teil 1) – Was braucht man NICHT für eine glückliche Ehe?

Ehe – Ein hartes Stück Arbeit?

Eine perfekt geplante Hochzeit, eine gelingende Ehe, an der Ehe hart arbeiten, das Liebeskonto füllen, in die Beziehung investieren…

Das alles sind Stichworte, die man findet, wenn man sich mit dem Thema „glückliche Ehe“ befasst. Ich bin ehrlich. Mir machen diese Begriffe vor allem eines: Bauchschmerzen. Haben wir denn eine Geschäftsbeziehung? Planung, Konto, Arbeit, investieren? Ich stelle mir vor, wie das bei jungen Mensch ankommt. Das macht doch nicht unbedingt Lust auf mehr…

Ist die Ehe tatsächlich etwas Ernstes? Etwas, das einen Kraft kostet und an dem man ständig arbeiten muss? Möglich ist das schon. Es gibt Ehepaare, die haben es einfach schwerer als andere miteinander, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Für sie ist die Ehe sicher auch ein hartes Stück Arbeit. Und ernst ist sie sowieso, schließlich ist die Ehe auf „lebenslang“ ausgelegt (nun geht es begriffsmäßig auch noch in den juristischen Bereich…)

Ich glaube, dass es in allen Beziehungen auch anstrengende Phasen gibt. Ich glaube aber auch, dass das vom Erfinder der Ehe, unserem Schöpfer, nicht als Dauerzustand gedacht ist. Wir sind gemacht, einander zu ergänzen, eine Einheit zu sein. Mann und Frau sind Ebenbild Gottes!

So schuf Gott den Menschen als sein Abbild, ja, als Gottes Ebenbild; und er schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie… (1. Mose 1, 27 f. Übersetzung: Hoffnung für alle)

Darf die Ehe nicht viel mehr ein Kraftort sein? Ein Rückzugsort, ein Vorgeschmack des Himmels, eine Tankstelle… Das dies nicht immer der Fall ist, ist mir schmerzlich bewusst.

Kann man Glück „machen“?

Ich will den Sinn von Ehevorbereitungskursen, Eheseminaren und -Büchern gar nicht in Frage stellen. Natürlich kann und darf man durch eigenes Bemühen seinen Teil beitragen, aber letztendlich bleibt eine glückliche Ehe ein Geheimnis. Das denke ich, weil ich es genau so erlebt habe.

Dass wir beide, mein Mann und ich, noch zusammen sind, ist einfach nur Gnade. Dass wir Krisenzeiten überstanden haben, Gnade. Sehr jung haben wir uns miteinander verbunden, jeder bereits mit Beziehungsgeschichten im Gepäck (das wir uns im Rückblick lieber erspart hätten). Wir hatten zunächst eine „Fern-“, dann aber eine „Nahbeziehung“. Als wir heirateten, trugen wir unseren vier Monate alten Sohn auf dem Arm.

Unser Hochzeitstag war turbulent. Eine einfache Feier, viele Gäste, eine Menge Improvisation. Tage zuvor Fledermäuse in dem Saal, in dem wir feiern wollten. Organisation des Brautstraußes vergessen. Kaffeemaschinen kaputt. Total unbequeme Schuhe. Eine Katastrophe?

Braut und Bräutigam laufen Hand in Hand, Zeit zu Zweit, Was braucht man für eine glückliche Ehe nicht

 

Gedicht Hochzeitszeitung, Zeit zu zweit, Was braucht man für eine glückliche Ehe nicht(Auszug aus der Hochzeitszeitung, gedichtet von meiner talentierten Mama)

Nein, keine Katastrophe… Diese Hochzeit passte genau so zu uns! Und alle Pannen waren verschmerzbar. Doch manches schmerzte auch tiefer. Ich hatte mir nicht vorstellen können, dass Heiraten mit einem kleinen Baby so anstrengend ist. Ich hatte mir aber auch nicht vorgestellt, ein Schreikind zu haben, völlig übermüdet zu sein, keinen Nerv für Planung zu haben und in einem zu großen Kleid zu heiraten, weil ich vor lauter Stress in den Tagen davor noch ordentlich abgenommen hatte… Es ging mir in dieser Phase nicht gut.

Braut, Bräutigam und ein schreiendes Baby, nicht perfekte Traumhochzeit, Zeit zu zweit, Was braucth man für eine glückliche Ehe nicht

In den Flitterwochen, in einem einsamen Haus an der Nordsee, kamen wir dann endlich etwas zur Ruhe. Wir haben in der schwierigsten Phase unserer Beziehung geheiratet, das kann ich wohl so sagen, ohne auf Details einzugehen. Es war nicht der Gedanke, dass ab jetzt alles ganz toll mit uns wird, sondern ein bisschen ein „trotzdem“. Auch wenn alles so bleibt, wollen wir zusammenbleiben.

Ich kann nicht erklären, wie wir da wieder herausgekommen sind. Wir bemühten uns, ab und zu Eheabende zu machen, miteinander zu reden, auszusprechen, was uns bedrückt. Immer wieder hatten wir das Gefühl, einander nicht zu verstehen, aneinander vorbeizureden.

Aber irgendwann wurde es einfacher. Von Jahr zu Jahr besser. Obwohl mein Mann seinen Ehering noch vor dem ersten Hochzeitstag verlor und ich genau diesen Tag dann tatsächlich vergaß 🙂 Und schließlich wurde es sogar richtig gut! So eine wunderbare Beziehung hatten wir uns gar nicht erträumen können. So viel Liebe, Vertrautheit, Intimität, Verbundenheit – nach so langer Zeit. Woher kommt das? Das gibt es wirklich: Man gibt wenig auf, wenn man sich für einen einzigen  Menschen entscheidet für den Rest des Lebens, und man gewinnt so viel dabei…

Wir sind tatsächlich schon 20 Jahre zusammen. Aber wir wissen, wir haben das nicht „gemacht“. Wir wurden beschenkt. Und ich habe wirklich keine Ahnung, womit wir das eigentlich verdient haben. Vermutlich haben wir es nicht selbst verdient.

Vielleicht liegt meine Beschreibung vom Reden und Zuhören ja gar nicht so meilenweit neben „Konto, Arbeit, investieren“. Und doch: Wir sollten auf unsere Worte achten und das, was sie bei anderen auslösen können. Was sie bei uns auslösen. Die Ehe ist kein Wirtschaftsunternehmen, das es zu optimieren gilt. Warum bitte muss es anstrengend sein, mit dem Menschen in aller Breite und Tiefe zu reden, den ich liebe? Es ist ein Vergnügen! „Ich warte ja immer noch darauf, wann das anstrengend wird,“ sagte ein Freund einmal schmunzelnd zu diesem Thema.

Wie sind wir da eigentlich geprägt? Je mehr Arbeit, desto mehr Glück? Mein Vorschlag: Vielleicht können wir die Ehe einfach mal ein bisschen entfrachten…

Braut und Bräutigam Hand in Hand in die Zukunft, Zeit zu zweit, Was braucht man für eine glückliche Ehe nicht

4 Dinge, die man NICHT (unbedingt) braucht für eine glückliche Ehe

Man braucht keinen Ehevorbereitungskurs.

Ein Ehevorbereitungskurs ist sicher bereichernd. Er bewahrt aber nicht vor Konflikten und ist kein Garant für eine lebenslange Ehe. Kurse, Beratung, Bücher usw. liefern manchmal gute Impulse. Und es ist echt gut, dass wir (auch die Männer!) in der Gemeinde einiges an psychologischem Basiswissen mitbekommen, was mancher sich sonst nicht anhören würden… 🙂 Wir haben dort nämlich regelmäßig Ehe- und Familientage mit kompetenten Referenten. ABER: Das alles können nur Anstöße sein. Entweder bewegen sich Ehepaare im Laufe der Jahre aufeinander zu oder voneinander weg. „Nebeneinanerher“ gibt es meiner Meinung nach gar nicht (so heißt es ja oft als Trennungsgrund). Warum das so ist, darüber mache ich mir im Teil 2 dieses Artikels Gedanken…

Man braucht keine perfekte Hochzeitsfeier.

Eine schöne Hochzeit ist wundervoll. Aber auch aus einer Chaos-Hochzeit kann eine wundervolle Ehe hervorgehen. Siehe oben ❤ Und: Der Hochzeitstag muss überhaupt nicht der schönste Tag des Lebens werden – Wer hat sich da überhaupt ausgedacht? Es reicht völlig, wenn es ein schöner Tag ist… und auch, wenn er nur „irgendwie auch ein bisschen schön“ ist. Ehe ist nicht der erste Tag, sondern jeder Tag…

Man braucht keinen wöchentlichen Eheabend.

Eheabende sind super! Aber ich gebe gern zu, dass wir das noch nie richtig regelmäßig hinbekommen haben. Wir fangen immer mal wieder an. Aber oft entstehen Eheabende einfach aus Situationen. Voraussetzung dafür ist meiner Meinung nach,  a) dass man anstrebt, ab einer bestimmten Uhrzeit kinderfreie Zone im Wohnzimmer zu haben. (Nicht zu streng, denn es gibt Kleinkinder, Ferien, Krankheitszeit, besonderen Redebedarf…) und b) dass man eine Redeatmosphäre schafft (TV und PC sollten in der Regel abends ab einer bestimmten Uhrzeit aus sein). Mit „Wie geht es dir im Moment so?“ kann ein bereichernder Eheabend ganz ohne Vorbereitung starten. Ehrlich, das reicht schon!

Man braucht keine Auszeit nur zu zweit.

Oh doch, klar, es ist wunderbar, wenn man zu zweit Abende, Wochenenden oder ganze Urlaube verbringen kann! Wünschen würden wir uns das auch… Unbedingt notwendig ist es aber nicht. Wir haben das Babysitting bei unserem ersten Baby noch probiert, aber für uns taugte es nicht. Was haben wir von einem Abend, an dem wir mit schlechtem Gewissen gehen, ständig auf die Uhr schauen und uns das Kind eigentlich noch zu klein ist für solche Aktionen? Das Ehe-Glück steigt ganz sicher nicht prozentual mit der Menge des Geldes, die man für Babysitter ausgibt. Wie sagte eine Freundin so schön: „Wenn wir zu Hause bleiben, weiß ich wenigstens, dass der Wein schmeckt!“ Wenn das „Abseilen“ zu zweit also nur selten geht, kann die Ehe trotzdem glücklich und erfüllt sein. Und es stimmt wirklich: Die Kleinkindzeit geht vorbei und es wird wieder einfacher etwas nur zu zweit zu  machen. Das dürfen wir gerade erleben! Ein jegliches hat seine Zeit…

Und was braucht man nun für eine glückliche Ehe? Mehr Gedanken dazu nächste Woche im Teil 2

Deine

Martha vom Blog FamilienLeben mit Gott

Wie denkst du darüber? Das interessiert mich sehr! Schreibe gern deine Meinung in die Kommentare. 

 

 

 

 

Autor:

Wir glauben daran, dass ein FAMILIENLEBEN MIT GOTT einen Unterschied macht. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denn FAMILIEN LEBEN MIT GOTT. Mach dich mit uns gemeinsam auf die Suche nach Mehr...

9 Kommentare zu „Zweit zu zweit (Teil 1) – Was braucht man NICHT für eine glückliche Ehe?

  1. Ja, ich stimme dir in vielem zu! Am meisten geht mir dazu durch den Kopf, dass beides „Reden von der Ehe“ irgendwie seine Berechtigung hat: Das Eheleben ist ein Vergnügen! Und auch Arbeit. In Zeiten, wo unter Umständen recht schnell die Reißleine gezogen wird, weil Schwierigkeiten auftauchen, macht es schon auch Sinn, darauf hinzuweisen, dass nicht alles rosarot sein wird, wenn man erstmal verheiratet ist. Und doch hast du Recht: Nur Bedenkenträger zu sein und die Ehe v.a. als schwierig darzustellen, wird ihr absolut nicht gerecht. Mit dem Menschen zusammen zu sein, den man liebt – für immer – ist wirklich eine Freude!
    Dass da auch viel Gnade mit zu tun hat, denke ich auch. Auch wir haben einfach Glück, dass wir so lange und so glücklich miteinander durchs Leben gehen können.
    Alles Gute!

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