Veröffentlicht in Allgemein, Haushalt, Projekte

Ordnung für Chaoten – Lektion 4

Die Diagnose

Wenn das mal keine gute Nachricht ist: Ich bin unschuldig. Oder zumindest nur eingeschränkt schuldfähig. Das Problem bei etwas weniger ordentlichen Menschen (habe ich da nicht nett ausgedrückt 🙂 ) ist nämlich auch – das Gehirn. Es ist einfach den ganzen Tag mit etwas anderem beschäftigt als mit der Thematik „Aufräumen“. Die Aufmerksamkeit ist gebunden.

Sind das Reste von Stilldemenz oder Folgen des ewigen Multitasking? Welche Ursache man auch bemühen will, die Folgen sind jedenfalls im Alltag spürbar.

Die Symptome

Oft bilde ich mir ein, ich habe abgespeichert, wie und wonach ich beispielsweise den Schrankinhalt sortiert habe. Und beim nächsten Mal stehe ich wieder ratlos davor… Und denke  mir eine neue Ordnung aus, von der ich dann meine, sie sei logisch und ich könne mich an sie erinnern. Denkste…

Außerdem gibt es bei uns zu viele Gegenstände, die keinen festen Stammplatz haben, sondern eher drei oder vier mögliche Aufbewahrungsorte. Manchmal denke ich, ich lege etwas „nur mal kurz“ irgendwo ab. Und vergesse es. Manchmal kann ich mich später nicht mal mehr erinnern, den Gegenstand überhaupt in der Hand gehabt zu haben. Mein Mann und ich haben zum Beispiel einen Haustürschlüssel für den Sohn nachmachen lassen. Da sind wir uns beide sicher. Nur: Wo ist der dann hingekommen? Wer hat ihn  eingesteckt? Ist der je hier im Haus angekommen? Und wenn ja, wo?

Oder ich finde plötzlich einen Sack mit zu kleinen Kindersachen, den ich für eines der Kinder aufgehoben hatte. Ich habe den richtigen Zeitpunkt dann einfach verpasst. Ärgerlich. Oder ging es euch vielleicht auch schon einmal so, dass ihr ein Geschenk besonders gut verstecken wolltet und es dann einfach völlig vergessen habt? Da wäre doch noch was gewesen… Ups.

Die Betroffenen

Es gibt Menschen, denen fällt das Ordnunghalten leichter. Ganz automatisch legen sie die Dinge an den richtigen Ort, heben hier und dort etwas auf, das herumliegt und können in Gedanken dabei schon drei Schritte weiter sein. Sie machen das manchmal sogar wie automatisch auch außerhalb ihrer eigenen vier Wände. Wenn jemand zum Beispiel bei mir im Flur ein Papier oder ein Centstück aufhebt und es mir gibt mit den Worten „Das lag da grad rum“, muss ich immer lächeln. Es ist mir auch ein bisschen unangenehm. Hier liegt doch so vieles herum…

Aufräumen und Ordnunghalten ist für Menschen wie mich einfach ein bisschen anstrengender. Wenn ich mich auf das Aufheben konzentriere, ist meine Aufmerksamkeit komplett gebunden und ich kann nicht nebenbei etwas anderes tun oder denken. Ich versuche es dennoch. Und schon habe ich mal wieder vergessen, was ich in diesem Zimmer EIGENTLICH wollte und stehe ratlos da.

Wenn dir dieses Problem fremd ist: Sei gnädig mit uns Chaoten. Wir geben uns Mühe und stehen uns dennoch oft selbst im Weg. Sieh einfach darüber hinweg, wundere dich nicht, lass ruhig auch das Papier liegen 😉 Am meisten hilfst du uns, wenn du das Chaos übersiehst und so tust, als wäre alles in bester „Ordnung“. Nichts wäre schlimmer, als wenn ein unordentlicher Mensch sich nicht mehr trauen würde, Besuch einzuladen. Dieses Problem habe ich glücklicherweise nicht. Aber auch das war und ist ein Lernprozess. Obwohl, es gibt immernoch Momente, wenn da spontan ein Freund klingeln würde, dann würde ich ihm den Kaffee doch lieber an die Tür bringen…

Therapieversuche

Menschen wie ich müssen ihre Aufgaben immer vor Augen haben. Räume ich einen Brief, den ich noch bearbeiten muss, weg, dann ist er auch weg aus meinen Gedanken. Aus den Augen, aus dem Sinn… Aus diesem Grund lege ich gern alles ins Sichtfeld (ausgerechnet in meine Basiszone, auf den Esstisch) und produziere mit dieser Art Gedächtnisstütze neue Unordnung.

vollgeräumter Esstisch mit Papierstapeln, Ordnung für Chaoten

Ich brauche meine Stapel… 

Ich lege die Turnbeutel, die die Kinder noch ausräumen müssen, mitten in den Weg, damit sie darüber stolpern und es nicht weiterhin vergessen (und ich auch nicht). Mein Mann hat genau die entgegengesetzte Taktik: Er räumt alles weg. Ordnung ist, wenn man das Chaos nicht sieht. Die Turnbeutel verschwinden samt Inhalt im Schrank und der Karton mit gemischtem Krempel aus dem Auto im Keller. Niemand weiß später, was in diesen Kartons eigentlich drin ist. Wenn ich so einen Karton finde, räume ich ihn natürlich gleich mitten in den Weg…

Eine Folge, wenn ein Chaot einen anderen heiratet: Man besitzt viele Dinge in mehrfacher Ausführung, in der Hoffnung, dass man immer irgendeins davon finden wird, wenn man es braucht. Eine weitere Folge: Man braucht täglich ein gewisses Zeitkontingent, um Gegenstände zu suchen. Ach, was könnte man nicht alles mit dieser Zeit anfangen…

Ich bin der Herr, dein Arzt. (2. Mose 15, 26)

An dieser Stelle könnte jetzt ein Patentrezept stehen. Ich habe aber keins. Wahr ist vermutlich, dass aus einer gemütlichen Kruschel-Wohnung kein „Schöner-Wohnen“-Apartment wird. Zumindest nicht dauerhaft. Aber man kann durchaus kleine Schritte gehen. Ich habe nun angefangen, alles zu beschriften. Sieht zwar nicht toll aus, hilft aber. Das Gehirn ist entlastet. Ich beschrifte auch dann, wenn ich denke, ich kann mir mein Ordnungssystem merken. (Ist stelle mir ja auch den Wecker am Herd obwohl ich glaube, ich vergesse das Essen nicht… Das war ein Lernprozess.) Ich belaste mich nicht mit Dingen, die mein Gehirn überfordern (zum Beispiel Rabattcoupons und -karten). Ich benutze so etwas einfach nicht, dann muss ich mich auch nicht ärgern. Ich wähle auch nicht den günstigeren Tarif der Krankenkasse, bei dem man alle möglichen Bedingungen regelmäßig erfüllen und nachweisen muss. Ich arbeite daran, einen Stammplatz für die Dinge zu finden. (Ich habe doch noch genau im Ohr, wie mein Vater damals hinter mir herrief „Aktion Stammplatz!“, wenn ich meinen Schulranzen im Flur liegen ließ…)

Eine beschriftete Schachtl steht im Regal, eingestaubt, Ordnung für Chaoten

Okay, bei manchen Dingen ist die Beschriftung vielleicht tatsächlich überflüssig… 🙂

Dabei hat mir wieder das Buch „Das Haus, das sich von selbst aufräumt“ von Mindy Starns Clark (nur noch gebraucht zu haben) geholfen. Ich fand es anfangs ein bisschen übertrieben, mir vom Schreibtisch (oder Sofa) aus zu überlegen, was ich wo und wie aufbewahren will. Ich bin auch noch lange nicht durch, aber es ist echt hilfreich. Zunächst fotografiert man seine „Kruschelecken“ (wenn sie nicht chaotisch genug sind, einfach mal zwei, drei Tage lang das Aufräumen einstellen und dann fotografieren…). Einmal aus Blickposition, einmal von oben. Mein Mann dachte, ich spinne, als ich durch das Haus lief mit einem Fotoapparat und einem Hocker bewaffnet. Die Bilder schaute ich mir abends in Ruhe an und stellte fest, wie wenig man gewöhnlich hinschaut. Die meisten Sachen haben sich ihren Platz anscheinend irgendwann selbst gewählt. Wer hat sich überlegt, die Regenschirme an so eine unmögliche Stelle im sowieso zu engen Eingangsbereich zu hängen? Ich notiere, was Abhilfe schaffen könnte (Haken anbringen, Körbchen besorgen, Platz im Schrank schaffen, ein neues Regal usw.) und bin zufrieden. Fast… Jetzt würde ich meine Liste am liebsten irgendwem übergeben, der sich um das Umsetzen der Ordnung kümmert (was vermutlich bis Weihnachten dauern wird). Schatz, hol doch schon mal dein Werkzeug…

Der Mensch macht viele Pläne, aber es geschieht, was der Herr will. (Sprüche 19,21)

Unaufgeräumtes Schuhregal, zugehängt mit Regenschirmen, Jacke, Ordnung für Chaoten

 

Aufgeräumtes schuhregal, Ordnung für Chaoten

Kommentar des Sechsjährigen, als er in den Flur kommt: „Es ist so leer hier.“ 

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne meine Gedanken. (Psalm 139,23)

Hilfreich ist es auch, immer wieder zwischendurch etwas auszusortieren. Große Entrümpelungsaktionen schaffe ich meistens nicht, aber zum Beispiel während der Fastenzeit täglich ein Teil abzustoßen war leicht und tat mir enorm gut. Erstaunlicherweise fällt es mir gar nicht schwer, Dinge wegzugeben (das ist nicht unbedingt typisch „Chaot“). Am liebsten an jemanden, der es noch gebrauchen kann, das ist schöner als wegschmeißen.

Verkauft, was ihr habt, und gebt es den Bedürftigen. Auf diese Weise sammelt ihr euch Schätze im Himmel! Und die Geldbörsen des Himmels haben keine Löcher. (Lukas 12, 33)

Zu guter Letzt doch noch ein echt guter Tipp. Unterbrich täglich wenigstens einmal das Multitasking. Tut nicht nur dem Gehirn gut! Setz dich aufs Sofa und starre Löcher in die Luft. 15 Minuten lang. Oder noch besser (das habe ich auf der Kur gelernt): 15 Minuten lang auf dem (ruhig harten) Fußboden liegen, Arme und Beine ebenfalls am Boden. So mache ich gern Mittagspause. Eine Erholung für den Rücken und für die Seele. Zumindest falls euch niemand dabei beobachtet (Kinder zählen nicht), es wirkt vielleicht etwas schräg…

Jesus Christus spricht: Kommt her zu mir alle, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben. Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. Wenn ihr das tut, findet ihr Ruhe für euer Leben. (Matthäus 11, 28+29)

zwei Liegestühle im Garten, Einladung zur Pause, zu zweit, Ehe, vom Untergehen und Aufblühen, Ordnung für Chaoten

Und wie geht es dir so mit all deinen Gegenständen 🙂 ? Hast du Tipps für die Aufbewahrung? Schreib gern etwas in die Kommentare…

Deine

Schriftzug vor Meer und Sonnenuntergang

Über den Sinn und Unsinn von To-do-Listen

Ordnung für Chaoten – Lektion 3

Weiter geht es mit

Ordnung für Chaoten – Lektion 5

 

 

 

 

 

 

Autor:

Wir glauben daran, dass ein FAMILIENLEBEN MIT GOTT einen Unterschied macht. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denn FAMILIEN LEBEN MIT GOTT. Mach dich mit uns gemeinsam auf die Suche nach Mehr...

8 Kommentare zu „Ordnung für Chaoten – Lektion 4

  1. Danke für diesen wunderbaren Artikel. Tragischerweise finde ich mich ziemlich genau wieder und habe tatsächlich auch einen Kisten-in-den-Kellersteller geheiratet. Und ich werde nicht müde nach Lösungen zu suchen. Danke für die Tipps.

    1. Ach, du auch 🙂 Und mein einer Sohn tritt in die Fußstapfen. Er hat das Dachbodenzimmer hier, daneben ist eine Kammer, wo ich Campingsachen etc. aufbewahre. Er nutzte diese Kammer immer, um sein Zimmer aufzuräumen bevor Besuch kam („Aus den Augen, aus dem Sinn“) – nun hab ich sie abgesperrt… Puh. Liebe Grüße, Martha

  2. Beim Auf-dem-Sofa-Sitzen bekomme ich da doch glatt Lust, ein bisschen Ordnung zu schaffen… 🙂 Nur schläft gerade das Baby auf meinem Schoß. Zumindest ist die Unordnung auch später noch da, wenn ich nicht mehr über den ruhigen Schlaf der Kinder wache… 😉
    Danke für deinen Text!

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