Veröffentlicht in Allgemein, für Frauen/ Mütter, MUnTermacher

Vom Untergehen und vom Aufleben

Immer wieder tut es meiner Seele gut, in den Psalmen zu lesen. Diese Sammlung von Liedern und Gebeten spiegeln Gefühle wieder, die ich kenne. Sie sprechen das Herz an. Doch es gibt auch Verse, mit denen ich wenig anfangen kann. Wenn der Psalmist darum bittet, Gott möge seine Feinde bestrafen und seinen Zorn über ihnen ausgießen zum Beispiel. Wie etwa in Psalm 69. Der hat mich kürzlich erst auf den zweiten Blick  angesprochen…

Es ist ein Gebet der Verzweiflung von David, der fürchtet, umgebracht zu werden. In diesem Zusammenhang stehen die Flüche auf seine Feinde. So ein Lebensbedrohung kenne ich ja – zum Glück – gar nicht. Haben diese Art von Psalmen denn überhaupt etwas mit mir und meinem Leben zu tun? Fast hätten ich über den ersten Vers hinweggelesen:

„Hilf mir, oh Gott, denn die Wasser gehen mir bis an die Seele.“ (Psalm 69,1)

Kind sitzt am Fluß, Wolken, melancholisch, düster, Pfadfinder, Gehorsam oder Wertevermittlung, vom Untergehen und Aufblühen

„Das Wasser steht mir bis zum Hals“ sagt man gewöhnlich. Doch diese Formulierung  berührte mich spontan. „Die Wasser gehen mir bis an die Seele“, doch, das kenne ich auch. Wenn der Alltagsstress zu viel wird, ich von einem Termin zum nächsten hetze, jeder etwas von mir will, wenn keine Zeit bleibt für Dinge, die mir gut tun, wenn ich Gott nicht höre… dann ist das durchaus bedrohlich für mich. Ich spüre es auch körperlich, immer wieder habe ich Rückenschmerzen. Außerdem habe ich manchmal das Gefühl, schlecht Luft zu bekommen, was medizinisch unbegründet ist. Es fühlt sich an, als läge mir etwas bleischwer auf der Brust. Das ist mehr als nur ein wenig unangenehm.

„… ich bin versunken in tiefem Schlamm und habe keinen Stand, ich bin in tiefes Wasser geraten und die Flut überströmt mich“ (Psalm 69,3)

 

toter Baum umgeben von frischem Grün, Efeu rankt daran hoch, Tod und Leben, Ermutigung, vom Untergehen und Aufblühen

Ich neige häufig dazu, in ein negatives Gedankenkarussell zu geraten und komme einfach nicht wieder heraus. Ich glaube nicht, dass wir Menschen uns so wie Baron Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen können. Zumindest ich kann das nicht. Ein bisschen „positiv denken“, das klappt bei mir nicht, meinem Gedankenkarussell ist das egal. Mir bleibt nur zu beten und hoffen, dass Gott mir hilft.

„Erhöre mich, Herr, denn deine Gnade ist freundlich; wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit“ (Psalm 69,17)

Sonnenstrahlen hinter Wolken, Sonnenuntergang, Hoffnung, vom Untergehen und Aufblühen

„Nahe dich meiner Seele…“ (Psalm 69, 19)

Manchmal kommt die Hilfe schrittweise, fast unscheinbar. So wie der Frühling… Alles war so lange kahl. Dann das erste, zarte Grün. Und auf einmal blüht es überall und ich frage mich: Hey, wie ist denn das auf einmal passiert? Wie gut das tut. Mir hilft zum Beispiel unbeschwerte Zeit mit der Familie. Ein paar Tage bei meiner Schwester, ein Ausflug am Sonntag… Abstand gewinnen, Weitblick.

Frühling, blühende Zweige, blauer Himmel, Hoffnung, neues Leben, vom Untergehen und Aufblühen

Und gerade jetzt merke ich wieder, welche eine Oase mein Gärtchen für mich ist. Es ist weder groß noch im herkömmlichen Sinne besonders gepflegt. (Wer meine „Ordnung-für-Chaoten“-Beiträge kennt, hat vermutlich nichts anderes erwartet.) Der Mittelpunkt sind die Spielgeräte der Kinder, die Wiese wächst nur partiell. Meine Beete umranden den Garten lediglich und reichen natürlich nie und nimmer für eine Selbstversorgung. Man kann im Sommer hier und da Himbeeren, Brombeeren und Johannisbeeren naschen, ein paar Möhrchen aus der Erde ziehen, ein paar Blättchen jungen Spinat oder eine Hand voll Bohnen ernten. Mit Begeisterung buddeln die Kinder dann die paar Kartoffeln aus der Erde, die für maximal zwei Mahlzeiten reichen werden. Es sind die kleinen Dinge. Aber sie sind da! Während vor dem Haus eine vierspurige Hauptstraße wütet, ist es hinter dem Haus erstaunlich ruhig und grün und man hört die Vögel zwitschern. Das ahnt man nicht, wenn man es nicht weiß…

Schaukel im Garten, frisches Grün, daneben Spielsachen, Frühling, ausgelassen sein, Wachstum, vom Untergehen und Aufblühen

Man könnte nun sagen, ich tue mir zusätzlich zu dem „bisschen Haushalt“ für sieben Leute noch mehr Arbeit an. Aber ich empfinde den Garten überhaupt nicht als lästige Pflicht. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir ihn vom Vormieter völlig verwildert übernommen haben. Jeder Handschlag, den ich dort tue, ist ein Gewinn im Vergleich zum Vorher. Was ich schaffe, schaffe ich. Was nicht, das nicht. Was wächst, wächst. Manches wächst auch nicht. Wir freuen uns an dem, was ist. Die Kinder erfahren, woher das Gemüse kommt. Ich liebe es, die Hände in der Erde zu haben. (Wenn ich nicht ab und zu auch unter Leute müsste, würde ich es stets ohne Gartenhandschuhe tun.) Die ersten vorgezogenen Pflänzchen im späten Winter bringen mir eine Frühlingsahnung ins Haus, lange bevor draußen die ersten Blättchen sprießen. Alles vermehrt sich langsam, aber stetig. Das tut meiner Seele gut. Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, den Liegestuhl auch mal wirklich zu benutzen. Also mal länger als nur 10 Minuten…

zwei Liegestühle im Garten, Einladung zur Pause, zu zweit, Ehe, vom Untergehen und Aufblühen

 

Kleine Oasen des Alltags. Ich möchte diese Leichtigkeit ein Stück weit mitnehmen in die geschäftige Zeiten…

Ich will den Namen Gottes loben mit einem Lied und ihn erheben mit Dank. (Psalm 69,31)

 

Ich wünsche dir eine schöne Woche…

Deine

Schriftzug vor Meer und Sonnenuntergang

 

Autor:

Wir glauben daran, dass ein FAMILIENLEBEN MIT GOTT einen Unterschied macht. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denn FAMILIEN LEBEN MIT GOTT. Mach dich mit uns gemeinsam auf die Suche nach Mehr...

5 Kommentare zu „Vom Untergehen und vom Aufleben

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