Veröffentlicht in Allgemein, Haushalt, Projekte

Ordnung für Chaoten – Lektion 3

Wie man eine To-do-Liste schreibt ODER

Kleine Anleitung zum Selbstbetrug

(Warnung: Nur bedingt ernstzunehmen…)

Die meisten Menschen schreiben sich in irgendeiner Form auf, was sie zu erledigen haben. Mich persönlich macht meine To-do-Liste manchmal echt fertig. Sie ist so lang und komplex, dass ich sie oft gar nicht mehr anschauen mag. Nicht selten stelle ich am Abend dann fest, dass ich so gut wie gar nichts geschafft habe. Ich könnte die Liste für den nächsten Tag komplett noch einmal abschreiben.

Eine Liste mit Überlänge ist jedoch fast eine Garantie dafür, dass ich anfange zu prokrastinieren. (Dann setze ich mich z.B. an den PC und schreibe einen Blogpost darüber, wie man eine To-do-Liste irgnoriert erstellt.) Aus irgendeinem Grund erzeugt Überforderung bei mir ein Schweregefühl und mündet in unkoordinierter Aktivität und schließlich Passivität (frustriertes Aufs-Sofa-fallen am Abend).

Hier nun einige Ideen, wie sich das verhindern lässt: Man nehme die lange Liste und suche sich nur die wichtigsten Punkte heraus. Dies geschieht bei mir unter Zuhilfenahme gewisser Kriterien. Pro Tageszeit schreibe ich nur eine Aktivität auf. Pro Tag kommt nur ein besonders unangenehmer Punkt auf die Liste, z.B. ein Anruf, den ich schon länger hinauszögere. Nur einer! Es ist besser, nur einen Punkt aufzuschreiben und diesen zu erledigen, als eine lange Liste zu haben, die ich ignoriere.

Die gekürzte To-do-Liste sieht natürlich nun nicht besonders fleißig aus, also schreibt man noch einige ganz selbstverständliche Dinge dazu, die man sowieso erledigt hätte… „Einkaufen“, „Wäsche“ oder ähnliches. Fällt einem nicht genug ein, geht auch „duschen“ oder „Kaffee kochen“. (Gerade für Babymamas macht das Sinn, denn diese Dinge könnte man manchmal im turbulenten Alltag tatsächlich einfach vergessen.) So stellt man sicher, dass man an diesem Tag wenigstens einen Teil seiner Liste auch abarbeitet und sich abends wie ein (kleiner) Held fühlen darf.

Es soll ja sogar Menschen geben, die zuerst etwas erledigen und es dann nachträglich auf die Liste setzen, um es dann im gleichen Atemzug wieder zu streichen. Man sollte das nicht belächeln. Durchgestrichene Erledigungen streicheln das Ego!

Ein persönlicher Trick von mir ist es, die zu erledigenden Dinge anderer Familienmitglieder mit auf meine Liste zu setzen (was wohl unter anderem daran liegt, dass mein Mann tatsächlich selten eine Liste hat, der hat eben manches  alles im Kopf.) Soll der Gatte sich beispielsweise um eine handwerkliche Tätigkeit kümmern oder ein Schulkind muss besonders für ein bestimmtes Fach lernen, kommt das auf meine Liste. Im Idealfall muss ich nur eine Erinnerung aussprechen. Gesagt, durchgestrichen, fertig! (Naja, manchmal am nächsten Tag nochmal. Und am übernächsten.)

Wie auch immer, ganz wichtig ist jedenfalls, dass die „echte“ lange Liste den Rest des Tages aus dem Blickfeld verschwindet, damit sie keine Chance hat, mich herunterzuziehen. Niemandem macht es Spaß ständig vor Augen geführt zu bekommen, was er alles NICHT kann und NICHT schafft. Interessanterweise dreht sich die Welt ja auch trotz unerledigter Dinge weiter. Sogar, wenn man mal einen Elternabend vergessen hat!

Terminkalender, To-Do-Liste, Ordnung für Chaoten

Mir würde vermutlich bereits helfen, wenn ich meinen wirklich tollen Planer ordnungsgemäß nutzen würde… Er strukturiert bereits vor in verschiedene Kategorien, aber ich ignoriere das meist. Bei gilt bei mir: Hauptsache notiert. Ob ich es später noch lesen kann, steht manchmal auf einem anderen Blatt…

Welche Planer/ Listen/ Organizer benutzt ihr denn so?

An dieser Stelle fällt mir der weise Beppo Straßenkehrer aus Michaels Endes „Momo“ ein. Er erklärt:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.

Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.

Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

Eine Allee, lange Straße, weiter Weg, von Bäumen umrahmt, Ordnung für Chaoten

Gar nicht so leicht, sich von langen Wegen und großen Bergen nicht verrückt machen zu lassen! Wie gut, dass Gott mich nicht über mein Organisationstalent definiert und dass ich in Anbetracht meines täglichen Versagens in seine tröstenden Arme laufen darf. Und mit seiner Hilfe darf ich auch mal über mich hinauswachsen…

Tu, was dir vor die Hände kommt, denn Gott ist mit dir. 1. Samuel 10.7 Ordnung für Chaoten

Auch Ruhezeiten sind in Gottes Augen wertvolle Zeit. In einem Tagebuch von Bianka Bleier („Tonnenschwer und federleicht“) las ich, dass sie mit den Jahren organisierter geworden ist, ihr aber dabei die Muße abhanden kam. In chaotischen Zeiten fiel es ihr leichter, den Wäschekorb neben die Hängematte zu stellen und eine Auszeit zu nehmen…

Wenn Organisation das Leben nicht erleichtert, sondern die Muße vertreibt, kann das nicht gut sein. Also bitte gut aufpassen… Lieber ein Wäscheberg neben der Hängematte als gar keine Hängematte 😉

Kleinkind im Hängesitz/ Hängematte, beim Spielen eingeschlafen, Ruhe im Chaos, Pause, Ordnung für Chaoten, To-Do-Listen

… und dann einfach mal ein Nickerchen halten…

Deine

Schriftzug vom Blog FamilienLeben mit Gott

Was ist eigentlich deine „Basiszone“? Schau mal nach in

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Autor:

Wir glauben daran, dass ein FAMILIENLEBEN MIT GOTT einen Unterschied macht. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denn FAMILIEN LEBEN MIT GOTT. Mach dich mit uns gemeinsam auf die Suche nach Mehr...

12 Kommentare zu „Ordnung für Chaoten – Lektion 3

  1. Oh liebe Martha, jetzt hast du mich wirklich zum Lachen gebracht! Ich schreibe Liste um Liste um Liste, ein ganzes Buch habe ich davon. Und all die Selbstbetuppungsversuche kenne ich nur zu gut (ich schreibe immer Matheaufgaben etc drauf, die ich ja gar nicht machen muss…). Beruhigt mich ja ungemein, wie du das so siehst! Liebe Grüße

  2. Letzte Woche habe ich auch vor lauter Termine, das Pflegeelterntreffen verpasst. Wahrscheinlich hatte ich viel zu viel im Kopf und hatte vergessen Tag für Tag anzugehen. Dazu fällt mir der Bibelvers aus Matthäus 6,34 ein: Darum sorgt nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe

  3. Ich bin auch so jemand der erledigte Dinge auf ToDos schreibt und dann direkt durchstreicht.
    Ansonsten werde ich in Zukunft nicht mehr prokrastinieren – ab morgen.

    Danke für den unterhaltsamen und wahren Beitrag- und liebe Grüße vom Sofa 😉

  4. ha, ha, das gefällt mir!! Ich schreibe unheimlich gern Listen aber es ist wirklich traurig, wenn man so wenig davon durchstreichen kann. Ich denke, ich werde demnächst mal ‚duschen‘ mit aufschreiben! 😉
    Den Vers aus 1. Samuel hat mir übrigens mal eine Freundin ‚geschenkt‘ als ich mit kleinem Baby und vielen Kleinkindern daheim echt zuviel hatte. Ich denke immer noch oft daran und er hilft mir, eins nach dem anderen zu machen, soviel eben grad geht. Und auf der anderen Seite auch nicht einfach aufzugeben und nichts zu machen sondern die Dinge mit Gottes Hilfe auch anzugehen, Stück für Stück so gut ich kann…

  5. Ein toller Beitrag … ich denke, ich sollte auf meine Liste mal Muße und Hängematte oder Gartenstuhl schreiben ….
    Danke für Deine Gedanken. Liebe Grüße Daniela

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