Veröffentlicht in Allgemein, Bibel, MUnTermacher

Von der Freiheit

„Die Christen müssten mir erlöster aussehen“, hat Friedrich Nietzsche einmal gesagt. Wirken wir Christen nicht tatsächlich auf andere so, als würden wir in einer engen, kleinen Welt mit Scheuklappen leben? Einer Welt voller Vorschriften und Verbote? Wie frei bin ich denn wirklich als Christ?

Wenn ein Christ zwanghaft und unfrei wirken, dann gibt es eigentlich nur drei Möglichkeiten:

  • Mit dem Christen stimmt etwas nicht, weil er so wenig erlöst aussieht.
  • Mit dem Beobachter stimmt etwas nicht, weil er die Freiheit des Christen nicht erkennen und deuten kann.
  • Mit Gott stimmt etwas nicht, weil er seine Leute so unfrei herumlaufen lässt.

Stimmt etwas nicht mit den Christen?

Preisfrage: Woran erkennt man einen Christen? Spontan würde ich sagen, Christen sind ja einfach ganz normale Leute. Doch halt, die Bibel sagt etwas dazu…

Dagegen bringt der Geist Gottes in unserem Leben nur Gutes hervor: Liebe, Freude und Frieden; Geduld, Freundlichkeit und Güte, Treue, Nachsicht und Selbstbeherrschung. (Galater 5, 22)

Nochmal ganz langsam. Liebe, Freude und Frieden. Oh, ich kann aber sehr wütend werden! Da reicht manchmal schon der dreckige Geschirrstapel im Teenager-Zimmer. Geduld… Ja, manchmal, aber ist denn bitte immer geduldig? Freundlichkeit. Also, wenn mein Gegenüber freundlich ist: kein Problem! Treue, Nachsicht und Selbstbeherrschung. Kurz gesagt: Der perfekte Mensch. Oje…

Doch dies ist keine Liste von Ansprüchen, die uns unter Druck setzen soll („So muss ich sein!“). Es ist viel mehr eine Zusage. Wir dürfen davon ausgehen, dass wir all das haben. Vielleicht sieht es nicht immer und jederzeit danach aus, aber in jedem Christen wachsen diese Pflänzchen. Ob es uns bewusst ist oder nicht. Ob wir uns so fühlen oder nicht.

Wir sind frei, in diesem Guten, was Gott gibt, zu wachsen und uns zu entfalten.

Freiheit meint in einer allgemeinen Definition die Möglichkeit, ohne Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten entscheiden zu können. (Wikipedia) So können wir uns frei entscheiden, Jesus nachzufolgen – oder eben nicht.

Durch Christus seid ihr dazu berufen, frei zu sein, liebe Brüder und Schwestern! (Galater 5, 13)

Eine Berufung kann man annehmen oder ablehnen. Wenn wir uns dafür entscheiden, bekommen wir all das: Liebe, Frieden, Freude… Geschenkt!

Die Juden zur Zeit Jesu hatten so viele Gebote, das es kein Mensch schaffen konnte, alles einzuhalten. Keiner außer Jesus. Sein Auftrag an uns Christen ist schlicht, aber eindrücklich:

Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Wenn ihr aber wie wilde Tiere übereinander herfallt, dann passt nur auf, dass ihr euch dabei nicht gegenseitig fresst. (Galater 5, 14+15)

Der zweite Satz zeigt bildhaft, fast ironisch, dass es wohl nicht immer so klappt mit der Liebe. Es „menschelt“ – auch unter Christen. Trotzdem gibt es viele Gemeinden, in denen Nächstenliebe gelebt wird (mir fallen zumindest einige ein 🙂 ). Manchmal ist es eben auch eine Frage des Blickwinkels…

Bank am Watt/ Meer, auf dem Deich, weiter Blick , Freiheit

Stimmt etwas nicht mit dem Betrachter?

Die Prägung kann eine Rolle spielen. Es macht mich traurig und wütend, welch negative Erfahrungen manche Menschen in ihrer Kindheit mit der Kirche gemacht haben. Sie verbinden den Glauben nur mit Angstmacherei und Druck und wollen damit nichts mehr zu tun haben. Irgendwie verständlich, wenn man dies als Kind so erlebt hat. Doch Gott ist anders.

Jeder Mensch ist von etwas abhängig. Ob es ihm nun bewusst ist oder nicht. Wer schon einmal ernsthaft krank war weiß zum Beispiel, wie viel von unserer Gesundheit abhängt.

Sich für Gott zu entscheiden heißt, sich freiwillig abhängig machen von dem EINEN. Und zugleich unabhängig von allem anderen.

Zugegeben, ein großer Schritt. Der Zwiespalt, der daraus entsteht, wird wunderbar beschrieben in dem Lied „Zwischen Himmel und Erde“ von Albert Frey:

„Zwischen Himmel und Erde sind wir noch/ Und das was wir nicht wollten, tun wir doch

In dieser Zwischenzeit/ in dieser Zwischenzeit

Mitten in dieser Welt, doch nicht von dieser Welt/ Wir gehören zu dir und doch sind wir noch hier… „

Manche Menschen erkennen gar nicht, in wie vielen Zwängen, Abhängigkeiten und Bindungen sie sich befinden. Da erscheint ihnen eine Abhängigkeit von Gott wie eine Zwangsjacke. Gott will doch so vieles von den Menschen, schreibt ihnen vor, wie sie sein sollen, was sie tun sollen. Oder nicht?

Stimmt etwas nicht mit Gott?

Gottes Freiheit meint nicht, dass man tun und zu lassen kann, was man will. Sie weist uns nicht ein Leben in Selbstbezogenheit. Vielmehr hat Gott uns nicht nur VON etwas befreit, sondern auch FÜR etwas. Freiheit ist nicht Zügellosigkeit. Freiheit heißt auch, Verantwortung zu tragen. Wozu sind wir befreit?

Durch Christus sind wir frei geworden, damit wir als Befreite leben. Jetzt kommt es darauf an, dass ihr euch nicht wieder vom Gesetz versklaven lasst. (Galater 5, 1)

Aber benutzt diese Freiheit nicht als Deckmantel, um eurem alten selbstsüchtigen Wesen nachzugeben. Dient vielmehr einander in Liebe. (Galater 5, 13)

Dem anderen dienen. Ist das nicht auch wieder Zwang? Doch die Nachfolge ist freiwillig. Jesus dient uns, nennt uns „Freunde“, nicht „Diener“. (Johannes 15, 14).

Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. (Johannes 10, 9)

Gott bezeichnet sich sogar als unser Vater, der uns liebt. So wird aus dem Dienen-sollen dienen Dienen-wollen in uns. Allein die Liebe kann diese Veränderung in uns bewirken.

Seht doch, wie sehr uns der Vater geliebt hat! Seine Liebe ist so groß, dass er uns seine Kinder nennt – und wir sind es wirklich! Als seine Kinder sind wir Fremde für diese Welt, weil Gott für sie ein Fremder ist. (1. Johannes 3, 1)

Was für ein Geschenk, wir dürfen Gotteskinder sein. Wir müssen nichts mitbringen als Vertrauen.

Wir können auch gar nicht durch die Einhaltung von Regeln und Gesetzen vor Gott gerecht werden. Wir müssen brauchen keine geistlichen Übungen oder bestimmte Praktiken, müssen nicht auf höhere Ebenen kommen, wir müssen auch nicht dieses Erdenleben noch einmal als andere Person durchlaufen. Wir sind unabhängig von der Stellung der Sterne, irgendwelchen Wasseradern, Karma, Chakra, Chi und co. Das kann uns alles egal sein! Wir sind auch unabhängig von materiellen Gütern, vom Geld (ja, doch…). Wir haben einen direkten Zugang zu Gott, brauchen keine Vermittler, keine Engel oder Heiligen dafür.

Wir können uns nicht selbst retten und wir müssen uns nicht selbst retten. Ich finde, das macht frei…

… und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. (2. Korinther 3, 17)

 

Gänse am Fressnapf, Freiheit in Gott, Sören Kierkegaard: Christen wie Gänse auf dem Hof

Was fangen wir mit der Freiheit an?

Die Christen leben wie die Gänse auf einem Hof: An jedem siebten Tag wird eine Parade abgehalten und der redegewandteste Gänserich steht auf dem Zaun und schnattert über das Wunder der Gänse, erzählt von den Taten der Vorfahren, die einst zu fliegen wagten und lobt die Gnade und Barmherzigkeit des Schöpfers, der den Gänsen Flügel und den Instinkt zum Fliegen gab. Die Gänse sind tief gerührt, senken in Ergriffenheit die Köpfe und loben die Predigt und den beredeten Gänserich. Aber das ist auch alles. Eines tun sie nicht — sie fliegen nicht; sie gehen zu ihrem Mittagsmahl. Sie fliegen nicht, denn das Korn ist gut und der Hof ist sicher. (Sören Kierkegaard)

 

Als freie Christen sind wir nicht weniger als Licht der Welt und Salz dieser Erde!(Matthäus 5, 13+14) So können wir am Reich Gottes bauen, wo immer wir stehen. Martin Luther schreibt in seiner bekanntesten Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“:

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“¹

Ich will ehrlich sein. Manchen Christen spürt man diese Freiheit nicht ab. Ich fühle mich auch nicht immer frei. Immer wieder stellen wir fest, dass Bindungen entstehen, die uns unfrei machen. Aber letztlich steht nicht mein derzeitiges Gefühl über allem, sondern das Wort Gottes. Sein Friede übersteigt all unser Verstehen. (Philipper 4, 7)

Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen. (Johannes 8, 32)

Die Zusage tut mir gut, ich lebe davon. Ich will diese Freiheit mehr und mehr (er)leben…

Du stellt meine Füße auf weiten Raum. Psalm 31, 9

 

Familienleben mit Gott, Kinder stehen auf dem Felsen/ Berg und zeigen in die Ferne, Suche, Sehnsucht, Freiheit in Gott

Und wir geht es dir mit dem Thema „Freiheit“? Schreibe gern deine Gedanken in die Kommentare…

Deine

Handschrift

_______________

Zum Weiterlesen:

¹ Marthin Luther: „Von der Freiheit eines Christenmenschen“

Dietrich Bonhoeffer: „Ein Friede, höher als alle Vernunft“ 

 

Autor:

Wir glauben daran, dass ein FAMILIENLEBEN MIT GOTT einen Unterschied macht. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denn FAMILIEN LEBEN MIT GOTT. Mach dich mit uns gemeinsam auf die Suche nach Mehr...

7 Kommentare zu „Von der Freiheit

  1. Ein richtig guter Beitrag 😊 Danke für deine Gedanken !
    Das Zitat mit den Gänsen ist schon sehr zutreffend. Man weiß, welche Freiheit man hat, was durch Gott alles möglich wäre- und manchmal bleibt man dann doch dort stehen wo man ist.
    Du hast mich auf jeden Fall ermutigt, nochmal bewusster in der Freiheit Jesu zu leben 😊

  2. Sehr guter Artikel mal wieder, vielen Dank!
    Also Nietzsche sah gewiss auch nicht immer sehr erlöst aus. Ab seinem 45. Lebensjahr litt er unter einer schweren psychischen Krankheit, die ihn arbeits- und geschäftsunfähig machte. Ich möchte mich vorsichtig ausdrücken, aber ich vermute, dass die meisten Christen da schon zu Lebzeiten durchschnittlich erlöster als er aussahen. Nach den Aussagen der Bibel werden die Nachfolger Christi jedoch in der Ewigkeit regelrecht leuchten. Menschen, die hier aber schon ein Leben mit Gott ablehnen, können in der Ewigkeit wohl kaum erwarten, dass Gott sie dann bei sich aufnimmt. Deshalb ist es um so wichtiger, schon hier mit ihm zu leben. Das Neue Testament ist dabei eine großartige Leitlinie.

    Ganz lieben Gruß!

      1. Hallo Martha,

        Jesus erzählt ein Gleichnis von einem Säemann, der guten Samen auswirft. Er bezeichnet den Säemann in dem Gleichnis als Menschen Sohn, wie er sich oftmals selbst nennt. Heißt, mit dem Säemann meint er sich selbst. Irgendwann wird er seine Engel zur Ernte der Menschen schicken. Er sagt: Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.
        Matthäus 13,43
        http://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/matthaeus/13/#43
        Meine Worte sind dazu eine Kurzfassung. Es gibt auch alttestamentliche Stellen zum Leuchten: Aber der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht, das immer heller leuchtet bis auf den vollen Tag. (Sprüche 4,18)
        oder Daniel 12,2-3:
        Und viele, so unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen: etliche zum ewigen Leben, etliche zu ewiger Schmach und Schande. Die Lehrer aber werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die, so viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.

        Lieben Gruß!

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