Veröffentlicht in Allgemein, Kinder und Familienleben

Krippe, Kita, Kindergarten – Muss das eigentlich sein?

Was den Krippenbesuch betrifft, habe ich bei unseren Kindern offensichtlich alles komplett falsch gemacht. Als mein Großer mit 16 Monaten in die Kinderkrippe kam, fanden andere Eltern dies unverantwortlich. „Man bekommt doch kein Kind um es dann wegzugeben?!“

Zeitsprung, 13 Jahre später: „Was, dein Kleiner geht gar nicht in die Krippe? Ja, wenn ihr euch das leisten könnt… Ist ihm denn gar nicht langweilig zu Hause? Und in der Krippe lernen die Kinder ja auch etwas!“ Damals war ich die Rabenmutter, die ihr Kind weggab. Jetzt bin ich die Rabenmutter, die ihr Kind zu Hause behält.

Kinder am Strand, Krippe, Kita, Kindergarten - muss das eigentlich sein?

Wie kam es eigentlich dazu? Als ich meinen ältesten Sohn bekam, hatte ich noch keine Ausbildung. Ich begann ein Studium, weil ich das einfacher fand als eine Ausbildung mit Kind (das war noch vor „Bologna“…). Das zweite und dritte Kind folgten während des Studiums. Besonders die Prüfungszeit mit kleinen Kindern war wirklich anstrengend. Da wir keine Großeltern oder sonstige Hilfe vor Ort hatten, haben meine drei älteren Kinder je ein bis zwei Jahre eine Kinderkrippe besucht. Meine beiden jüngeren Kinder dagegen blieben/ bleiben bis zum Beginn des vierten Lebenjahres zu Hause. Das Ganze hat heute für mich einen entscheidenden Vorteil: Rabenmutter-Argumente verunsichern mich nicht mehr, da ich beide Seiten kenne. Und ich habe durchaus Verständnis für beide Wege.

Krippenerfahrungen

Alles hat Vor- und Nachteile. Im möchte behaupten, dass die Krippe meinen Kindern nicht geschadet hat. Die Eingewöhnungsphasen waren nie tränenfrei. Ja, es fiel ihnen schwer sich zu lösen – und mir auch. Aber sie sind dann alle gern in die Krippe gegangen. (Eines meiner Kinder war immer untröstlich, wenn es krank war und nicht in die Krippe durfte.) Ich weiß natürlich, dass kleine Kinder sich ihrer Umgegung anpassen und mit den Eltern kooperieren. Ich versuche, zu reflektieren, aber ich sehe heute keinen Unterschied in der Bindung mir  zwischen meinen größeren und kleineren Kindern. Alle haben viel Nähe, Ansprache und Zeit von uns bekommen. Jedes Kind hat sich auf seine Weise entwickelt. Natürlich weiß ich nicht, was sonst anders gewesen wäre, das ist spekulativ.

Ich sehe allerdings auch keinen entscheidenden Vorteil im Krippenbesuch. Meiner Meinung nach ist die Krippe vor allen Dingen für die Eltern gemacht. Viele Eltern wünschen sich Betreuungsmöglichkeiten. Ich habe entschieden, dass ich mein Kind betreuen lassen will und dies natürlich so gut wie möglich. Ein Krippenplatz glich damals ja noch einem Sechser im Lotto, aber ich hatte Glück. Und sogar der Betreuungsschlüssel war relativ gut (optimal ist er leider selten). Irgendwo las ich einmal folgende Aussage: Kein Baby oder Kleinkind würde sich aus freien Stücken für Fremdbetreuung entscheiden. Ältere Kinder aber würden eine Art Kindergarten erfinden, wenn es keinen gäbe. Ich glaube, da ist was dran…

Erfahrungen mit der Betreuung zu Hause

Was ich auch erkenne, ist, dass meinen zu Hause betreuten Kindern nichts fehlt. Sie spielen, lernen und entwickeln sich wunderbar ganz ohne Kinderkrippe. Ich ärgere mich, dass Eltern oft anderes suggeriert wird. Ich versuche andere Mütter darin zu bestärken, dass sie selbstverständlich ihren kleinen Kindern alles geben können, was sie brauchen. Und das sogar mit einem viel besseren Betreuungsschlüssel – und mit Mutterliebe. Das sind optimale Voraussetzungen – ja, auch um etwas zu lernen.

Je üblicher der frühe Krippenbesuch wird, desto weniger wird er aber auch hinterfragt. Ich kenne das ja von mir selbst. Zwar habe ich nie eine Kinderkrippe besucht, aber so etwa 98% meiner Altersgenossen (DDR). Kinder unter 3 Jahren wegzugeben war einfach etwas völlig Normales und das hat sicher auch meine Entscheidung als junge Mutter beeinflusst. Wir sind heute wieder auf dem Weg dorthin. So wie Familien schief angeschaut werden, die ihre Kinder nicht in den Kindergarten geben, so wird man wohl in einigen Jahren auch auf Familien schauen, die ihre Kinder nicht in die Krippe schicken. Seltsame Exoten.

Leider gibt es immer weniger Möglichkeiten, andere Mütter und Kleinkinder zu treffen. Krabbelgruppen schließen, Musik- und Bewegungsangebote für Kleinkinder werden seltener, auf den Spielplätzen ist „nix los“. Ich sehe die Gefahr, dass Mütter zunehmend auf sich allein gestellt sind, wenn sie heute andere Wege gehen. Auch für die Kinder wird es herausfordernd, und zwar die ganzen ersten Jahre. Die Kinder sind damit konfrontiert, dass ihre Freunde oft bis spät am Nachmittag im Kindergarten oder im Hort sind und man sich nicht „einfach so“ zum Spielen verabreden kann. Die Lebenswelt der Kind ist massiv im Wandel und es wird aus verschiedenen Gründen nicht leichter, seinen Kindern viel Zeit in der Familie zu schenken.

Kinder spielen ausgelassen am Strand, toben herum, Familie statt Kita, Krippe oder Kindergarten

Wahlfreiheit und Bildungswahn

Dabei ist uns Wahlfreiheit doch so wichtig. Leider wird dieser Begriff mit der Berufstätigkeit der Mutter gleichgesetzt, der andere Weg gilt als unmodern und überholt. Umso mehr brauchen wir Mütter bzw. Eltern, die mit ganzem Herzen bei ihren Kindern sind und zeigen, dass das kein Zwang ist, sondern eine freie Entscheidung. Es steht uns ebenso frei, unsere Kinder in den Kindergarten zu schicken oder eben nicht. Ich kenne christliche Familien, die sich dagegen entschieden haben. Ob es der bessere Weg ist, kann ich nicht beurteilen. Aber gerade mit mehreren Geschwistern wüsste ich nicht, was ein Kind NICHT zu Hause lernen und erfahren könnte. Ich habe mir die Bildungsziele im Bayerisches Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz (BayKiBiG) angeschaut und konnte keines finden, das zu Hause nicht erreicht werden könnte. Und dies sogar ganz nebenbei und ohne großen Aufwand und auch ohne dass Mama Abitur haben muss. Bildung ist zweifellos wichtig, aber in unserer Gesellschaft wird Bildung zu früh zu groß geschrieben. Und sie ist zweckgebunden. Dies kritisiert zum Beispiel der Kinderarzt Herbert Renz-Polster.

„Dass wir mit diesem Tanz um die „Frühe Bildung“ so tun, als bekämen die Kinder da, was sie brauchen. Aber das stimmt eben nicht. Es hapert genau bei den wichtigsten Zutaten: bei den Beziehungen, und bei den Gelegenheiten zur Selbstbewährung. Reden wir denn in der Kindergartenpädagogik viel über die Beziehungen? Da lassen wir uns mit einem absoluten Notprogramm abspeisen, gerade in den Krippen.“¹

Auch zu Hause ist natürlich nicht immer alles optimal. Eine Freundin mit fünf Kindern räumte ein, dass es wohl für ihr jüngstes Kind nicht ganz so leicht gewesen war, die letzten zwei Jahre „allein“ zu Hause zu sein, als die Geschwister schon in der Schule waren. Im Vorschulalter sind Kontakte zu anderen Kindern einfach sehr viel wichtiger als in der Kleinkindzeit.

Unsere Kinder waren alle in einer evangelischen Einrichtung und dies sehr gern. In der Regel holte ich sie mittags ab oder an einzelnen Tagen am Nachmittag gegen 15 Uhr. Leider werden die Einrichtungen zunehmend unflexibler und bieten nicht mehr oft Teilzeitplätze an. In unserem Vertrag steht: „Zur Umsetzung unseres pädagogischen Konzeptes empfehlen wir eine Mindestbuchzeit von 7 Stunden.“ Es wird heute so vieles geboten im Kindergarten, von musikalischer Früherziehung bis hin zu Forschungsprojekten. Jedes für sich ist eine tolle Sache und macht den Kindern Spaß. Aber in der Summe und mit dieser Verbindlichkeit ist der Kindergarten meiner Meinung nach überfrachtet. Als ich meine Tochter (Mittagskind) einmal fragte, warum sie ihr Frühstück im Kindergarten nicht jeden Tag aß, antwortete sie: „Mama, ich hatte heute Musik, Stuhlkreis und wir waren draußen. Ich konnte nicht frühstücken! Ich wollte doch auch noch spielen…“

Ich sehe das mit zwiespältigen Gefühlen. Einerseits freue ich mich, dass wir eine wirklich schöne Einrichtung mit guter Atmosphäre, sehr gutem Betreuungsschlüssel und stabilem Personal (das sagt viel aus!) gefunden haben. Andererseits wünsche ich mir für die Kindergartenzeit vor allem dies: Zeit zum Spielen mit anderen Kindern, Zeit an der frischen Luft und für die Kinder, die länger bleiben, gern noch ein gesundes Mittagessen (das ist ein anderes Thema…). Das sage ich nicht nur als Mutter, auch als Pädagogin. Ich möchte damit den Beruf der Erzieherin nicht abwerten und auch die Bedeutung der Bildung nicht herunterspielen. Renz-Polster sagt dazu:

„Ich bin nicht gegen Bildung, und auch nicht gegen eine gute Vorbereitung auf die Arbeitswelt. Aber man kann auch heute das Pferd nicht von hinten aufzäumen. Kinder müssen zuerst ihr Lebensfundament aufbauen. Damit sind sie gerüstet, egal was kommt. Darin liegt für mich das Interesse des Kindes. Sie brauchen dazu eine Kindheit, die diesen Namen auch verdient.“¹

Die Entwicklung geht in eine fatale Richtung: Der Kindergarten soll auf die Schule vorbereiten (das spürt man spätestens im Vorschuljahr). Und ist die Krippe die schon die Vorbereitung auf den Kindergarten? Der Hirnforscher Gerald Hüther ist davon überzeugt, dass nicht mathematische Übungen die Kinder auf Mathematik vorbereiten, sondern balancieren und klettern.² Dürfen eure Kinder im Kindergarten eigentlich auf Bäume klettern? Der Erziehungswissenschaftler und Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann stellte diese Fragen dazu:

„Ist uns eigentlich einmal aufgefallen, wie unbedacht wir in Bildungsinstitutionen davon sprechen, dass wir dort „die Kinder auf das Leben vorbereiten“? Ja, was soll das denn heißen? Leben sie etwa  noch nicht? Nicht hier, direkt vor unseren Augen, wo sie spielen und lachen? Und wir haben immer nur „Vorbereitung“ im Sinn, also das Hinzielen auf andere Zwecke jenseits der Körperlichkeit, der Gegenwart, der belustigenden und belebenden Wirklichkeit unserer Kinder. Ja sind wir denn von Sinnen? Wenn wir wieder und wieder nur so denken, in „Vorbereitungen“, dann entgeht uns natürlich das Wichtigste. […] Uns entgehen unsere Kinder.“³

Vier/ viele Kinder sitzen auf einer Decke am See statt Krippe, Kita oder Kindergarten

Überlegungen für eine Entscheidung

Was ist nun für uns als Christen der richtige Weg? Ich denke, dass wir von Gott die Freiheit bekommen haben, uns zu entscheiden. Eine gläubige Frau muss nicht auf ihren Beruf verzichten, aber sie darf (ganz, teilweise, zweitweise, wie auch immer…). Eine gläubige Frau muss nicht arbeiten gehen, aber sie darf. Bei allem ist uns in besonderer Weise bewusst, dass diese Kinder uns anvertraut sind. Jesus gibt uns eine großartige Zusage und zugleich eine große Verantwortung:

„… Wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.“ (Matthäus 18,5)

Ich glaube, dass wir in jeder Lebensphase Fragen stellen sollen, statt Dinge einfach hinzunehmen und zu tun, „was man eben so macht“.

„Prüft alles, das Gute aber behaltet.“ (1. Thessalonicher 5,21)

In diesem Zusammenhang heißt das, nicht nur danach zu fragen, ob ich mein Kind in eine Betreuung gebe, sondern auch die verschiedenen Betreuungsarten, den Zeitpunkt des Beginns und die Betreuungsdauer zu prüfen. Wäre eine Tagesmutter vielleicht besser? Kann ich vielleicht noch ein Jahr länger warten? Ein Jahr in unserem sehr langen Arbeitsleben ist fast nichts. Doch es ist viel im Leben eines kleinen Kindes. Ich könnte mein Kind mittags abholen, vielleicht wenigstens im ersten Kindergartenjahr. Ich könnte das Kind einen Tag in der Woche zu Hause lassen. Unsere Kinder besuchten den Kindergarten in der Ferienzeit meist nicht, da die großen Geschwister auch zu Hause waren. Immer wieder haben wir uns im Kindergarten einzelne Tage einfach „frei genommen“, zum Beispiel wenn das Kind einmal müde war, keine Lust hatte oder wir etwas vorhatten. Das wird von der Einrichtung vielleicht nicht gern gesehen, doch unterliegen wir im Kindergarten noch nicht der Schulpflicht. Warum sollte man das nicht noch ausnutzen, statt das Kind auch hier verfrüht auf die Schule vorzubereiten?

Es gibt viele Möglichkeiten zwischen „schwarz“ und „weiß“. Besonders wichtig ist mir, dass nicht für jedes Kind das gleiche Konzept passt. Während mein fünfjähriger Sohn nun an zwei Nachmittagen im Kindergarten bleibt (er freut sich sehr auf diese Tage!) und immer mit jemandem spielen und verabredet sein möchte, war mein großer Sohn damals überfordert damit, vor- und nachmittags ständig eine größere Gruppe Kinder um sich herum zu haben. Manche Kinder brauchen mehr Ruhe, mehr Zeit allein, mehr Rückzugsraum. Aber wo wird heute auf diese Kinder Rücksicht genommen? Als ich den Großen in der ersten Klasse im Hort abmeldete, konnte er sich plötzlich am Vormittag in der Schule viel besser konzentrieren und er war insgesamt einfach ausgeglichener. Das hätte die empfohlene Ergotherapie nicht geschafft.

Ich denke, das Entscheidende ist, die Situation aus Sicht des einzelnen Kindes zu betrachten. Das gilt für Kleinkinder genau so wie für ein Kind an der weiterführenden Schule. Was braucht mein Kind, was tut ihm gut? Dieser Blickwinkel  fehlt heutezutage oft. Manchmal müssen wir Umwege gehen, weil man vorher nicht immer weiß, was nun das Richtige ist. Aber Gott geht auch Umwege mit. Und die Zeit, die wir unseren Kindern schenken, ist nie verschenkte Zeit.

 

Deine

Handschrift

 

Welche Erfahrungen hast  du mit Krippe und Kindergarten gemacht? Wie ist deine Meinung dazu? Schreibe mir gern in den Kommentaren…

 

Zum Weiterlesen:

¹ Quelle: http://kinder-verstehen.de/images/Interview_KIU_Webseite_301114.pdf Interview mit Herbert Renz-Polster

² http://www.zeit.de/2009/32/Das-therapierte-Kind-32/seite-3  Gerald Hüther in einem Artikel von Tanja Stelzer mit dem Titel „Ich will doch nur spielen“

³ Wolfgang Bergmann (2012):Lasst eure Kinder in Ruhe.Gegen den Förderwahn in der Erziehung. München: Kösel Verlag. S.73

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Autor:

Wir glauben daran, dass ein FAMILIENLEBEN MIT GOTT einen Unterschied macht. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denn FAMILIEN LEBEN MIT GOTT. Mach dich mit uns gemeinsam auf die Suche nach Mehr...

22 Kommentare zu „Krippe, Kita, Kindergarten – Muss das eigentlich sein?

  1. Ich bin Tagesmutter und betreue Kinder bei mir zu Hause. Diese Betreuungsform finde ich sehr gut, weil ich die Kinder familiär betreuen kann und viel flexibler auf die Kinder eingehen kann, wenn ich nicht zuviele nehme. Das Beste fände ich natürlich wenn Kinder in den ersten Jahren zu Hause bei der Mutter sein können, aber leider ist das nicht immer möglich. Oft müssen die Eltern arbeiten gehen. Demnächst macht in unserem Dorf auch eine Kita auf. Ich denke ´jede Familie muss selbst entscheiden was für ihr Kind das Beste ist. Manche Kinder fühlen sich auch in einer Kitagruppe mit mehreren Kindern wohl, für manche ist das zuviel und die familiäre Betreuung einer Tagesmutter ist dann besser.. Ich bin mal gespannt ob die Eltern sich in Zukunft hier im Dorf für die Kita entscheiden oder für die Tagesmutter…

    1. Ich finde, eine Tagesmutter zu suchen ist eine echte Alternative. Aber man muss natürlich auch jemanden finden, dem man vertrauen kann. Familiäre Strukturen gibt es ja leider oft zu wenig. Großeltern, Verwandte, die zusammenhelfen… Das sprichtwörtliche Dorf, das es braucht, um ein Kind zu erziehen. Insofern finde ich schon, dass Kinderbetreuungseinrichtungen ihre Berechtigung und ihren Sinn haben. Ich wünsche Dir, dass die Krippe keine Konkurrenz für dich wird. Aber wie du es schon schreibst, das sind verschiedene Modelle und es wird bestimmt auch weiterhin Eltern geben, die eine familiäre Betreuung vorziehen… Liebe Grüße, Martha

  2. Ich habe selbst keine Kinder, arbeite aber als Erzieherin. Und so sehr ich natürlich hinter Frühförderung und ersten Erfahrungen in größeren Gruppen etc. stehe, so froh bin ich doch für jedes Kind, was mal schon vor 17 Uhr abgeholt wird oder mal einen Tag Pause machen darf. Denn im Gegensatz zu Mama und Papa bin ich eben doch „nur“ die Erzieherin. Ich bin definitiv liebevoll, sehr gut im Tränen trocknen und so weiter, aber die Kita ist eben keine Familie. ich finde es schade, dass Eltern, die sich gegen Kitas entscheiden, oft schief angeguckt werden.
    Bei meinen eigenen Kindern würde ich es wahrscheinlich ähnlich wie du machen – eine Mischung aus beidem 😊

    1. Ich finde es total spannend, das aus Sicht einer Erzieherin zu lesen, danke für deine Antwort! Ich finde, ihr macht einen sehr verantwortungsgvollen, wichtigen und auch sehr anstrengenden Job. Meiner Meinung nach sollten Erzieherinnen bezahlt werden wie Grundschullehrerinnen, aber mich fragt ja keiner 🙂 Ich denke, man muss schon differenzieren. Es gibt Kinder, für die die Bildungsangebote im Kindergarten eine absoluten Mehrwert darstellen, weil sie zu Hause in einer anregungsarmen Umgebung sind, vielleicht ohne Ordnung, ohne Strukturen, ohne wirkliche Beziehungen. Wissenschaftliche Studien sagen ja auch, dass besonders diese Kinder profitieren. Für Kinder aus einem „behüteten Umfeld“ war kein zusätzlicher positiver Effekt festzustellen. (Hab jetzt leider keine konkrete Studie parat, aber wen das interessiert, der findet sicher mehr dazu :-)) Liebe Grüße, Martha

  3. Hab grad vorhin dran denken müssen, als ich mit einer Kleingruppe in der Bücherei war. Für einige wars nett, aber nichts besonderes- für einige war es der erste Besuch und hatte definitiv einen Mehrwert 😊
    Danke auch noch für deine lieben Worte zum Beruf 😊 liebe Grüße!

  4. Also ich bin auch auch eher dafür, Kinder – soweit möglich – erst mit drei Jahren oder später in einen Kindergarten zu geben. Hilfreich finde ich den Kindergarten aber schon für die Entwicklung sozialer Kontakte. Auch bei der Einschulung finden sich meist Kinder aus dem Kindergarten in der gleichen Klasse wieder und erleichtern den neuen Lebensabschnitt. Aber der Vorschlag hier, zu schauen, was welches Kind eigentlich braucht, ist gewiss am Weisesten.
    Ansonsten kann ich nur anmerken: Super Artikel! Fast hätte ich am Schluss ein „Amen“ gesagt. 😊 Herzlichen Gruß!

    1. Vielen Dank! Das Thema beschäftigt mich schon länger und ich habe von verschiedenen Menschen Inspiration bekommen… Du hast Recht mit der Einschulung und den Kontakten, das erleichtert es. Bei uns gibt es allerdings so viele erste Klassen und verschiedene Kindergärten im Sprengel, dass mein Grosser z.B. nur einen Jungen aus seiner Klasse schon kannte (das aber war sehr hilfreich…).

  5. Liebe Martha,
    ich stöbere und lese heute zum ersten Mal in deinem Blog und bin gerade auf diesen Beitrag von Dir gestoßen. Das ist echt der Hammer- schon ganz, ganz lange bewegt mich dieses Thema und immer mal wieder hat es mich in den Fingern gekribbelt, etwas dazu zu schreiben. Letzten Endes habe ich mir aber nicht die Zeit genommen, mich richtig fundiert damit auseinanderzusetzen. Und jetzt lese ich Deinen Text und denke: „Da steht ja alles…!! Genau so isses!!!“. Vielen, vielen Dank, dass Du uns an Deinen Gedanken zu diesem kontroversen und heiklen Thema teilhaben lässt. Ich finde mich darin total wieder. MIr gefällt, dass Du ohne Pauschalurteile und Patentrezepte auskommst und trotzdem klar wird, was Du denkst. Sehr wertvoll finde ich auch die Zitate. Die haben mich echt sehr berührt. Vielen Dank für deine Worte! Liebe Grüße, Barbara

    1. Liebe Barbara, es freut mich, dass dich mein Beitrag anspricht. Mich beschäftigt das Thema – wie man liest 🙂 – ja auch schon lange und ich wollt gern einen Erfahrungsbericht schreiben. Die Studienlage zum Thema Krippe wäre ja nochmal ein Extrathema, aber das kann man ja auch ergoogeln. Ich glaube, dass es genau das ist, was heute fehlt: Die Erfahrungen von Müttern, Mütter wie du und ich. Lass sie uns weitergeben… Liebe Grüße, Martha

  6. Hallo,

    ich finde deinen Artikel wirklich sehr gut, weil er wirklich ausgeglichen ist. Gerade da du beides gemacht hast, beleuchtest du beide Seiten. Ich hab bei meinem großen Kind auch beide Kritikseiten erlebt. Den einen war 16 Monate zu spät, den anderen war es zu früh. Für uns war es richtig.

    1. Danke für den Kommentar! Ja, das ist wichtig, dass es für die Familie passt… Und ich finde, man sollte immer erstmal davon ausgehen, dass die anderen eben so das Beste für ihr Kind wollen, wie man selbst. Dennoch finde ich die gesellschaftlichen Entwicklungen bedenklich und man wird schon ziemlich in eine Richtung gedrängt… Liebe Grüße, Martha

  7. Mir gefällt Deine Sicht.
    Vorallem dass Du nicht alles verurteilst oder schlecht redest 🙂
    Ich bin überzeugt davon, dass Kinder vor dem 4. Lebensjahr noch nicht soweit sind um sich von einer festen Bezugsperson zu lösen, um dann in Strukturen zu kommen, wo Erzieher wechseln und oftmals ein „anderer Wind“ weht wie Daheim. In einer GRoßfamilie ist es dann doch Anders und von der Struktur und Atmosphäre anders.
    In meinem Studium haben mich die zwei Semester der Sozial-& Entwicklungspsychologie sehr interessiert und gerade Bindungstheorien fand ich hochspannend!
    Es ist manchmal so schwer sich als Mutter und Frau zu behaupten, wenn man „nur“ Mutter ist, wie ich Momentan.
    Aber ich merke es im vorranschreitenden Alter der Kinder, dass diese nahe Bindung zu den Eltern und der Faktor „Zeit geben und Zeit haben“ in den Teenagerjahren seeeehr gute Früchte hervorbringen und die Beziehung doch „anders“ ist… Ich kann nicht genau definieren WARUM, aber unserem „GRoßen“ fällt es immer wieder auch selbst auf, dass in anderen Familien irgendwie vieles „so anders“ ist…
    Danke für den guten Beitrag!
    Tina

    1. Liebe Tina, danke für deine Erfahrungen. Ich glaube, gerade dieses „Zeit-schenken“ ist einfach nicht so messbar im Sinne von „es war erfolgreich“. Daher wird es so oft als sinnlos oder vertane Zeit angesehen. Aber Wichtiges geschieht so oft „zwischen den Zeilen“, leise und nicht direkt sichtbar… Liebe Grüße, Martha

  8. Vielen Dank für diesen Artikel!
    Er hat mir sehr geholfen.
    Eine große Weisheit strahlt er nach meinem Empfinden aus!
    Herzlichen Grüße
    in Christus verbunden!
    Eva Fayz

    1. Liebe Eva, vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich, dass der Artikel dich so angesprochen hat. Ich wollte einfach mal meine Erfahrungen weitergeben, da wir ja verschiedene Wege probiert haben… Liebe Grüße und Gottes Segen auch für dich, Martha

  9. Echt gut geschrieben. In Österreich ist nochmal alles anders und viel konservativer und bis auf eine Kollegin, die in der DDR aufgewachsen ist, schallt mir von allen Seiten „Rabenmutter“ entgegen, weil ich mein Kind 4x in der Woche halbtags in der Krabbelstube habe.
    Hier bleibt kaum ein Kind länger als bis 14:00, auch wenn theoretisch 17:00 möglich wäre und mir diese Flexibilität für eventuell zukünftige Notfälle wichtig war bei der Wahl der Kinderbetreuung.
    Er kam mit 13 Monaten hin. Und da er (noch) Einzelkind ist, ist es eine der wenigen Möglichkeiten für ihn, soziale Interaktion kennenzulernen. Und er hat noch so viel mehr dort gelernt. Die Kinder werden zu allem ermutigt, sie essen selber, klettern im ständig offenen Turnsaal herum und der Betreuungsschlüssel ist mit 8 Betreuerinnen auf 24 Kinder auch nicht anders als bei einer Tagesmutter. Was mir hier so gefällt (abgesehen von der wirklich warmen liebevollen Stimmung in dieser speziellen Einrichtung) ist aber eben genau diese Menge der Betreuerinnen. Alles ist offen und wenn sich eine hinsetzt und aus Bausteinen einen Turm baut, ist sie bald von einem Rudel Kinder umgeben. Oder auch nicht – wenn z.B. gerade alle schaukeln und gerade keinen Bock auf Bausteine haben. Alles ist offen und frei. Es gibt wilde und ruhige Ecken und jeder darf dort sein wo er möchte.
    Für mein Kind ist es ideal. Er blüht so richtig auf. Ist eben ein Sozialtier und wäre daheim in Einzelhaft arm. Die meisten Kinder erlebe ich dort ähnlich. Aber es gibt auch Einzelne, die sehr viel weinen und gar nicht mehr zu trösten sind, weil sie ihre Mama so sehr vermissen. Es tut mir in der Seele weh, sie zu sehen und ich bin froh, dass ich selber die Wahlfreiheit habe, finanziell soweit abgesichert zu sein, dass ich nicht arbeiten gehen müsste, wenn es meinem Kind so gehen würde…

    1. Liebe Barbara, vielen Dank für deine Rückmeldung. Ich stimme dir zu, dass es immer um die Bedürfnisse von Eltern UND Kindern gehen sollte. Wie schön, dass bei euch beides so gut zusammenpasst 🙂 Liebe Grüße, Martha

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