Veröffentlicht in Allgemein, für Frauen/ Mütter, Kinder und Familienleben

Stille Zeit für Vielbeschäftigte

Idylle oder Irrenhaus?

„Bei euch sieht es aus wie in Bullerbü,“ sagte mal eine Verwandte zu  mir. Sie bekommt uns meist auf Fotos zu Gesicht. Die Realität ist ja tatsächlich manchmal ein bisschen wie Bullerbü – nur viel lauter. Das hört man eben auf den Fotos nicht…

Tatsache ist, dass ich nicht mehr so genau weiß, was das Wort „still“ eigentlich bedeutet. An den meisten Tagen habe ich 24 Stunden mindestens ein Kind um mich. Doch auch ein kleines, schlafendes Kind lässt nicht unbedingt zu, dass die Mama wirklich ausspannt. Vielmehr verfällt sie in einen Stand-by-Modus. Trotzdem jederzeit bereit…

Picknickdecke und Wolken, Stille Zeit im turbulenten Alltag

Brauche ich Stille?

Eine feste „Stille Zeit“ am Tag zum Bibellesen und Beten – wie soll das bitte gehen? Manchmal denke ich, dass kann sich jemand ohne Kinder gar nicht richtig vorstellen. Aber vielleicht täusche ich mich, denn ich kann mir auch nicht vorstellen wie es ist, 12-14 Stunden am Tag außer Haus zu arbeiten. Wie auch immer: Es gibt da ein Problem…

Wo steht das eigentlich in der Bibel, dass wir diese Zeit einhalten sollen? Dass wir eine halbe (oder besser eine?) Stunde täglich Bibellesen und beten sollen? Nirgends. Es gibt kein Gebot, das lautet: „Du sollst täglich deine Stille Zeit machen.“ Ich kann mich also erst einmal von Erwartungsdruck befreien und entspannen. Wenigstens bis zum nächsten „Mamaaaa-Ruf…

Erschöpfung ist ein großes Problem. Wenn ich abends in der Bibel lese, dann lese ich dreimal die gleiche Stelle und habe sie immer noch nicht kapiert. Ich kann mich aber auch nicht überwinden, morgens vor 6.00 Uhr zum Bibellesen aufzustehen. Im Moment ist jede zusätzliche Viertelstunde an Schlaf sehr wertvoll.

Ich glaube dennoch, dass Stille sehr wichtig ist. Jesus ging regelmäßig in die Stille, um mit Gott zu reden. Wir brauchen Zeit mit Gott noch nötiger als Nahrung. Ich kenne den Hunger nach Gottes Wort und es tut mir nicht gut, wenn dieser nicht gestillt wird.

„Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“ (Matthäus 4,4)

Von der Sehnsucht nach Ruhe

Doch glaube ich, dass Gott sich etwas dabei gedacht hat, dass er uns diesen turbulenten Alltag gab. Irgendeinen Sinn muss es haben, dass wir nur wenig Stille erleben. Und wenn es nur der ist, dass ich meinen Tinnitus nur noch iselten wahrnehme 🙂 Doch Jesus sagt:

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Und ich werde euch Ruhe geben.“ (Matthäus 11,28)

Ich denke, hier ist eine tiefere, nachhaltigere Ruhe gemeint. Es geht nicht darum, dass nichts zu hören ist, sondern um die wahre innere Ruhe, um Frieden, den Gott schenkt.

Mir kommen die ersten Worte aus dem „Desiderata“ in den Sinn:

„Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann.“

Hier sind die Gegensätze wie selbstverständlich miteinander verbunden, Ruhe im Lärm. Und immer tragen wir das Geheimnis der Stille in uns, egal welcher Sturm gerade tobt.

Ich habe Maria und Martha vor Augen. Martha, wie sie emsig umherläuft und versorgen will, helfen will, wie sie hastet, hetzt. Maria, wie sie sich zu Jesus Füßen niederlässt, alles um sich herum vergisst, keine Arbeit und kein geschäftiges Treiben wahrnimmt, wie sie einfach zuhört. Und Jesus sagt, sie hat das Bessere gewählt. Sie darf das. Du darfst das!

Ein leerer Liegestuhl steht im Garten inmitten von herumliegenden Kinderspielzeug.

„Ruhe und Befriedigung findet der Mensch nur in sich selbst und nicht in äußeren Dingen.“ (Anton Tschechow)

Als Mutter hat man so viel „Du musst“ im Kopf. Hier geht es aber nicht um Gebote, die du befolgen sollst.

Hier sind ein paar „Du-darfst“-Impulse für dich (und mich):

Du darfst passiv sein und dir etwas zusprechen lassen (einen fertigen Text lesen, am besten laut, oder eine Predigt anhören)

Du darfst nur ganz kurz beten („Herr, hilf mir!“) und Bibellesen (z.B. die Losungen). Du darfst auch jeden Tag die gleiche Bibelstelle lesen.

Du darfst die Stille – oder so etwas Ähnliches – sehnsuchtsvoll suchen: Jemandem die Kinder andrehen; heimlich noch zu kleine Kinder mit in den Kindergottesdienst schmuggeln, um in Ruhe die Predigt zu hören; dich im Klo einschließen; (oder was ich gern tue:) im Keller Wäsche aufhängen (=Meditation), da dauert es manchmal ein paar Minuten bis sie mich gefunden haben…

Du darfst ein Loblied singen, allein oder mit deinen Kindern. Gilt auch, wenn du gar nicht singen kannst. Alternativ: Du darfst ein Lied anhören. (Aber singen ist besser!)

Du darfst jemanden für dich beten lassen.

Du darfst mit leeren Händen kommen. Du musst nicht immer erst etwas lesen oder nach bestimmten Worten suchen, du darfst einfach so in Gottes Gegenwart verweilen, mal kurz die Augen schließen, hören.

Du darfst über einem „Oh Herr, bitte mach…“ am Abend im Beten einschlafen. Das ist keine Schande, das ist ein wunderbarer Gedanke am Ende eines lebendigen Tages…

Du darfst jetzt ganz tief durchatmen…

… und weiter geht´s!

Deine

Martha vom Blog FamilienLeben mit Gott

Wie geht es dir als Mama mit dem Thema Ruhe und Stille? Schreibe gern deine Gedanken dazu in den Kommentaren…

 

 

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Autor:

Wir glauben daran, dass ein FAMILIENLEBEN MIT GOTT einen Unterschied macht. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denn FAMILIEN LEBEN MIT GOTT. Mach dich mit uns gemeinsam auf die Suche nach Mehr...

10 Kommentare zu „Stille Zeit für Vielbeschäftigte

  1. Danke für deinen Beitrag., ich habe zusätlich zu meinen 3 eigenen Kindern noch Kinder, welche ich zu Hause betreue. Auch ich suche immer wieder die Stille, zb. wenn ich morgens früher aufstehe, und wenn ich frei habe gehe ich ganz viel spazieren in die Natur, im Wald, ich brauche diese Zeiten um immer wieder Gott zu suchen und in die Stille zu gehen. Regelmässig 1 Stunde jeden Tag in der Bibel lesen, schaffe ich nicht, wie du sagst ist das auch kein Muss. Ich nehme mir die Zeit wenn ich sie habe, aber vor allem versuche ich Gott in den Alltag miteinzubeziehen, ich weiss er ist da und begleitet mich egal was ich gerade tue, oder ich spreche ein leises Gebet.

    1. Ich kann mir vorstellen, dass es bei dir auch oft bunt zugeht 🙂 Ich sehe das auch so wie du: Das Entscheidende ist, den Alltag mit Gott zu leben. Ich denke da an diese Zeilen von Xavier Naidoo: „Alles was zählt ist die Verbindung zu dir/ und er wäre mein Ende, wenn ich diese Verbindung verlier´“. Mal sehen, ob ich es auch irgendwann schaffe, morgens früher aufzustehen 😉

  2. Danke für den so wahren Text indem ich mich wieder finde. Dieses Du musst umtreibt mich gerade gerne und oft. Ich muss aber auch gut für mich sorgen, nicht nur für das Haus und den Garten und an erster Stelle die Kinder. Und das verliere ich gerne aus den Augen. Daran will ich gerade – schwanger wie ich bin – arbeiten.

    Liebe Grüße
    Andrea

    1. Liebe Andrea, ich freu mich, dass der Text dich angesprochen hat. Ich wünsche dir alles Gute für die Schwangerschaft. Du hast Recht, gerade da solltest… Nein, darfst du für dich sorgen 🙂 liebe Grüße, Martha

  3. Sehr gut und voll ehrlich geschrieben, vielen Dank! Gott weiß, was wir können und was nicht. Aber er ist treu und lässt es dem Aufrichtigen gelingen. Herzlichen Gruß, viel Kraft! 🙂

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