Die Fastenzeit mit Kindern gestalten

Fasten? Nein danke!

„Bald beginnt die Fastenzeit. Wollen wir uns überlegen worauf wir verzichten?“, frage ich in der Faschingszeit meine Kinder. „Och nee, verzichten…“, stöhnen sie prompt einstimmig. Okay, da ist irgendetwas schief gegangen. Ich kann also hier leider keinen Erfahrungsbericht über erfolgreiche Fastenprojekte mit Kindern schreiben. Aber was heißt hier eigentlich erfolgreich? Ist das denn der Sinn des Fastens?

Früher gab es sehr strenge Regeln zur Fastenzeit, einige Mönche nahmen nur Wasser und Brot zu sich. Oder Bier. Diese Traditionen galten als katholisch und wurden von Martin Luther dann abgelehnt. Doch die Zeit hat sich gewandelt. Heute haben wir die Freiheit zu fasten – oder eben nicht. Aktionen wie „7 Wochen ohne“ oder „7 Wochen anders leben“ erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Fasten und Buße tun – Ist das überhaupt noch zeitgemäß?

Fasten heißt nicht einfach nur verzichten. Das Wort hat heute einen Beigeschmack, weil es häufig im Zusammenhang mit Diäten oder Abnehmen gebraucht wird. Das jedoch ist nicht der christliche Sinn dieser Zeit. Vielmehr steht die Motivation und das Ziel im Mittelpunkt. Fastenzeit war immer schon auch Bußzeit. Doch auch dieser Begriff ist bei vielen Menschen negativ besetzt. Zu unrecht. Das griechische Wort, das in der Bibel mit „Buße“ übersetzt wird, bedeutet soviel wie „Umdenken“ oder „Sinnesänderung“. Das entsprechende hebräische Wort umfasst nicht nur die Umkehr im Denken, sondern in der gesamten Existenz einschließlich des Verhaltens. Dabei sollen wir auch zu neuem Vertrauen gegnüber Gott finden und uns vom Bösen abwenden.

Das Bußetun unterbricht den Alltag und bietet mir die Gelegenheit, einen Schritt beseitezutreten und mein Leben anzuschauen und zu reflektieren.  Ich will mich neu ausrichten. Fastenzeit ist aber auch Leidenszeit, das Wort „Passion“ (lat. passio = Leiden, Krankheit) drückt dies aus. Jesus hat gelitten – für uns. Wir werden konfrontiert mit Themen wie Endlickeit, Sterblichkeit, Tod, Ewigkeit und Trauer. Da stellt sich natürlich die Frage:

Ist Trauer und Tod überhaupt ein Thema für Kinder?

Kinder stellen sich diese Frage nach dem Tod ebenso wie Erwachsene. Es ist gut, sie nicht zu verdrängen, ja sogar bewusst zu thematisieren. Ängste und Unsicherheiten dürfen gezeigt werden, offene Gespräch tun gut. Es ist unsere Aufgabe als Eltern, ehrliche Antworten zu geben. Dabei ist auch ein „Ich weiß es nicht“ erlaubt. Wenn wir vom Kreuzweg erzählen, können wir Leid und Tod gar nicht aussparen – und wir müssen es auch nicht.

Natürlich sollten wir drauf achten, welche Darstellungen von Jesu Leidensweg und Kreuzestod wir verwenden, nicht alle Kinderbibeln gehen mit diesem Thema sensibel um. (Woran man gute Kinderbibeln erkennt, werde ich ein anderes Mal thematisieren…) Und jedes Kind reagiert anders. Auf jeden Fall dürfen wir unseren Kindern aber erzählen, dass Gott weiß, wie wir fühlen. Er ist uns auch in jeder Situation nahe. Manchen Kindern hilft die Zusage, dass Gott unsere Tränen in einem Krug sammelt (Psalm 56,9).

Wenn wir Kindern von den Leiden Jesu erzählen, ist eines besonders wichtig: Die Passionszeit kann nicht getrennt werden von Ostern. Die Auferstehung gehört zum Tod und sollte miterzählt werden. Immer. Denn das ist schließlich die Kernbotschaft:

Jesus hat „dem Tode  die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht“ (2. Timotheus 1,10).

Ideen für die Fastenzeit

Natürlich müssen sie nicht! Niemand muss… Aber wenn wir selbst fasten, leben wir den Kindern etwas vor, das Empfindungen bei ihnen auslöst. Welche Botschaft geben wir unseren Kindern weiter? Ist Fasten eine lästige Pflicht oder führt es uns näher zu Gott? Gehört das Scheitern dazu oder wird es als frustrierendes Versagen empfunden?

Wir können in der Fastenzeit auf etwas verzichten oder etwas hinzugeben. Verzicht wird für Kinder überschaubarer, wenn er nicht die gesamten 40 Tage umfasst. Man könnte sich zum Beispiel für jede Woche ein anderes Projekt überlegen. Besonders inspirierend  fand ich die Fastenbox auf Alexandras Blog „regesleben“. Hier gibt es täglich einen Fastenimpuls und die ganz Familie ist eingebunden. Vielleicht wäre das eine Idee für uns im nächsten Jahr?!

Das „Plus-Fasten“ erfreut sich wachsender Beliebtheit und könnte eine gute Möglichkeit für Kinder sein, die Fastenzeit als bereichernd zu erleben. Eine Andacht am Abend oder regelmäßiges Vorlesen aus der Kinderbibel sind praktische Beispiele.

An den Sonntagen der Fastenzeit könnte man das verzichtende Fasten unterbrechen und diese Ausnahme durchaus feiern. Der Sonntag ist der Tag der Auferstehung, auch hier wird die Passionszeit mit dem Osterereignis verknüpft. Und Kinder lieben es zu feiern! Es bietet sich auch an, die besonderen Tage vor Ostern zu zelebrieren, beispielsweise den Palmsonntag mit Lobpreisliedern oder den Gründonnerstag mit einem Familien-Abendmahl. Ein selbst gestalteter Ostergarten kann Kinder durch die Woche vor Ostern begleiten. Die Ereignisse werden damit be-greifbar und geben einen neuen Zugang. In diesem Artikel findet ihr mehr zu unseren Ideen, wie man die Karwoche mit Kindern gestalten kann.

Wir stärken mit dem Fasten die Gottesliebe, die Nächstenliebe und die Selbstliebe. Es lohnt sich, die drei Aspekte bei der Gestaltung mit Kindern im Blick zu behalten. Dazu passen – neben den Bibelstellen zum Kreuzweg Jesu – die Geschichte vom verlorenen Schaf und Texte, die zeigen, wie Jesus sich um Menschen am Rand der Gesellschaft kümmert. Nächstenliebe kann für Kinder erfahrbar gemacht werden, zum Beispiel durch die jährliche Kinderfastenaktion des Misereor-Hilfswerks. Hier wird kindgerecht erklärt, welche Lebensbedingungen Kinder in anderen Teilen der Welt vorfinden. Der Blick über die Grenzen sensibiliert und bietet eine konkrete Möglichkeit, von unserem Reichtum etwas abzugeben.

Fasten? Ja bitte!

Und bei meinen Kindern? Meine jüngere Tochter bekam zu ihrem Geburtstag kurz vor Beginn der Fastenzeit eine schöne Bibel für Kinder ab 9 Jahre und war begeistert davon. Sie verkündete: „In der Fastenzeit lese ich jeden Tag einen Abschnitt in meiner Bibel!“ Und das tut sie…

Kinderbibel für größere Kinder, Fastenzeit mit Kindern gestalten

Was habt ihr schon ausprobiert? Was inspiriert euch? Ich freue mich über neue Ideen… Teilt diesen Beitrag gern weiter, wenn er euch gefällt.

Deine

Handschrift

 

 

Advertisements

10 Kommentare zu “Die Fastenzeit mit Kindern gestalten

  1. Pingback: Die Karwoche mit Kindern gestalten – FamilienLeben mit Gott

  2. Wir haben auch gute Erfahrungen mit Fasten als ganze Familie gemacht. Am Wichtigsten ist es, dass sich die Kinder frei dafür entscheiden, ob, was und wie lange sie auf etwas verzichten möchten. Sie erleben sich als stark, wenn das Fasten durchgehalten wird. Unsere Große hat mit 12 während des Skilagers Süßigkeiten gefastet und durchgehalten. Das hat sie sehr bestärkt. Die Idee „Plus fasten“ finde ich sehr empfehlenswert.

  3. Ich habe bisher noch keine Erfahrungen mit der Fastezeit mit Kindern. Werde mich dieses Jahr aber mal damit befassen. Die Fastenbox ist eine schöne Idee. Und die Bibel gefällt mir auch gut. Wo gibt es diese denn? Viele Grüße Claudia

  4. Pingback: „Aufgeräumt!“ – Impulse zur Fastenzeit (1) – FamilienLeben mit Gott

  5. Pingback: „Aufgeräumt!“ – Impulse zur Fastenzeit (1) – Christliche Blogger Community

  6. Pingback: Blog-Geburtstag mit Verlosung – FamilienLeben mit Gott

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.