Veröffentlicht in Allgemein, Gemeinde

Kindergottesdienste halten – Warum tun wir uns das an?

Sonntagmorgen im Gottesdienst. Begrüßung, Gebet, Lobpreis… Eine Zeit zum Ankommen, Herunterfahren, Stillwerden. Wenn da nicht… Da, dieses Gewusel in den Reihen, das Geflüster und Gekicher. Die Kinder! Einige bemerkt man kaum zwischen den Erwachsenen, anderen fällt es sichtlich und hörbar schwer, die Zeit abzuwarten. Es kommt mir vor, als wären meine Kinder immer die unruhigsten. Endlich, die Erlösung: „Die Kinder dürfen nun in den Kindergottesdienst gehen!“ Ich stehe auf und nehme eine Horde Kinder mit in den Nachbarraum.

Warum tue ich mir das eigentlich an? Warum gebe ich mir das Gewusel, Gekicher, Geflüster (und gern auch mal das laute Gelächter oder Geschrei) den ganzen Gottesdienst über statt mich von der Predigt erbauen zu lassen? Tatsächlich frage ich mich das manchmal selbst. Besonders dann, wenn der Bewegungsdrang der Kids mal wieder sehr ausgeprägt ist und ich mein Programm kürze oder gleich ganz umschmeiße. Egal, ich bin ja flexibel…

Manchmal fällt mir erst am Samstagnachmittag ein, dass ich einen Kindergottesdienst vorbereiten muss. Zwar habe ich fertig ausgearbeitetes Material, aber es bedarf ja trotzdem ein bisschen Planung. Ich mag es auch, meine eigenen Interessen mit einzubringen und persönliche Schwerpunkte zu setzen – wenn ich die Zeit habe. Ich wäre gern organisierter. Denn es ist wirklich so: Die Vorbereitung kann mir als Mitarbeiter etwas geben. Die Auseinandersetzung mit einem biblischen Thema bereichert auch mich.

Und was kommt bei den Kindern an? Die Frage wird man vielleicht erst Jahre später beantworten können. Zunächst spüre ich, dass sie gern kommen. Unsere Gemeinde hat eine Umfrage unter den Kindern gemacht, was sie am liebsten bei uns mögen. „Kigo“ ware eine der Top-Antworten! Eine schöne Bestätigung für uns Mitarbeiter… Auch die Religionslehrer in der Schule könnten sicherlich zustimmen, dass unsere Kinder etwas mitnehmen. Viele fallen durch ihr gutes Bibelwissen auf. Aber das ist nicht die Hauptsache. Kindergottesdienst ist gelebter Glaube. Es ist eine Chance für uns Erwachsene, die Kinder der Gemeinde näher kennenzulernen, in ihre Welt einzutauchen, zu hören wie sie glauben und was sie bewegt.

Kindergottesdienst ist nicht Schule – und das ist auch gut so. Darum ist es auch kein Problem, sein Programm zu kürzen oder zu canceln, je nach den aktuellen Bedürfnissen der Kinder. Wir dürfen im Gespräch hängen bleiben, nicht fertig werden, lieber zusammen essen statt ausmalen, einfach nur spielen oder noch ein Buch vorlesen.

Traditionell sind es die Mamas, die sich als Kindergottesdienstmitarbeiterin zur Verfügung stellen.  Umfragen zeigen immer wieder, dass die große Mehrheit der Mitarbeiter weiblich ist. Das ist nicht nur für die Jungen schade. Toll ist es, wenn ehemalige Kindergottesdienstkinder als Mitarbeiter wieder einsteigen. Anfangs bereiten sie vielleicht nur ein Spiel vor und helfen am Rande mit. Aber es tut ihnen gut, mehr und mehr Verantwortung zu übernehmen und sich auszuprobieren. Jugendliche und junge Erwachsene haben sowieso einen Bonus: Die Kinder nehmen sie als Vorbild wahr und schauen zu ihnen auf. Der Kindergottesdienst darf gern bunt sein – in Bezug auf die Kinder, die Mitarbeiter und das Programm.

Ich tue mir das an. Nicht zu oft, aber regelmäßig. Und das wirklich gern! (Ups, morgen bin ich wieder dran. Ich muss noch vorbereiten…)

Eine Kinderhand, die eine Kinderbibel hält, Kindergottesdienst halten

Übrigens: Die meisten Menschen kommen im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren zum Glauben. (Laut einer Umfrage von George Barna, gefunden in „Wie Kinder glauben lernen“ von David Staal).

Wie sieht es bei euch in der Gemeinde aus mit der Kindergottesdienstarbeit? Seid ihr auch Mitarbeiter oder macht ihr lieber etwas ganz anderes? Schreibt gern in den Kommentaren…

Deine

Schriftzug vor Meer und Sonnenuntergang

___

Zum Weiterlesen:

Empfehlenswertes Kindergottesdienstmaterial: Das Magazin „Seven-eleven“.

Staal, David (2006): Wie Kinder glauben lernen. So machen Sie ihr Kinder mit Jesus vertraut. München: Gerth Medien.

Höll, Edith: Ehrenamtliche – gefördert oder überfordert? S.189-201. In: Faix, T. / Hofmann, M./ Künkler, T. (2015): Warum wir mündig glauben dürfen. Wege zu einem widerstandsfähigen Glaubensleben. Witten: SCM-Verlag.

 

 

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Autor:

Wir glauben daran, dass ein FAMILIENLEBEN MIT GOTT einen Unterschied macht. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denn FAMILIEN LEBEN MIT GOTT. Mach dich mit uns gemeinsam auf die Suche nach Mehr...

9 Kommentare zu „Kindergottesdienste halten – Warum tun wir uns das an?

  1. Schön, ich bin auch Mitarbeiterin im Kindergottesdienst. In Zukunft kommt eine größere Aufgabe auf mich zukommen, ich leite eine Gruppe von Jugendlichen. Wir machen das Preteensprogramm.
    Das ist ein Programm für Kinder zwischen 11 und 13 Jahren. Dabei geht es darum den Glauben der Kinder zu stärken, die Beziehung zu ihren Eltern zu stärken und die Gemeinschaft untereinander. Ich bin schon gespannt, habe so etwas noch nie gemacht. Wird sicher eine tolle Zeit. Wir treffen uns alle 2 Wochen und jedesmal sind verschiedene Lektionen ( geistliche und praktische) die von uns oder von den Eltern vorbereitet werden. Abschliessend essen wir zusammen. Wird sicher eine große Herausforderung aber ich vertraue auf die Führung und Leitung Gottes

    1. Das hört sich sehr spannend an! Mit dieser Altersgruppe habe ich bisher noch nicht gearbeitet… Aber meine große Tochter ist fast 12 Jahre. Mir gefällt besonders der Gedanke, die Beziehungen zu stärken, zu den Eltern, zu den Freunden, zu Gott… Vielleicht magst du ja mal davon berichten? Viele Grüße, Martha

      1. Ja wir starten nächste Woche, werde mal etwas darüber schreiben GLG Ulrike

  2. Als Jugendliche habe ich auch im kindergottesdienst und der jungschar mit gearbeitet (bin da auch, wie du geschrieben hast, durch immer mehr Verantwortung vom Spiel vorbereiten angefangen, rein gerutscht). Es ist so wertvoll, Kindern in dieser Hinsicht etwas mit zu geben.
    Im Moment bin ich dort nicht mehr tätig (was auch damit zusammen hängt dass ich beruflich mit Kindern arbeite und privat dann grade eher andere Dinge tun will), aber wer weiß, was in Zukunft kommt 😊

    1. Das kann ich gut nachvollziehen… Ich habe immer ausgesetzt, wenn ich ein Baby hatte. Jetzt schaue ich, dass ich nicht mehr als einen Kigo im Monat mache… Damit ich wenigstens einmal im Monat auch allein in der Predigtzeit dableiben kann. Ich denke, es ist wichtig, auch „ganz“ da zu sein für die Kinder, wenn man das macht. Die spüren das… Dazu muss man seine eigenen Grenzen kennen und wahren. Liebe Grüße, Martha

  3. Vielen Dank für den fundierten Artikel! Finde ich super, dass Du Dir das antust. Und zwar gern! 😊 Der Wert dieser Arbeit ist unschätzbar. Wird schon hier unten mit Spaß aber gewiss auch noch mal ganz oben belohnt. Eine Schande, dass die Herren die Wichtigkeit der Arbeit noch nicht erkannt haben, bzw. so wenig dabei mitmachen. Aber weiter viel Freude und Segen dabei! Lieben Gruß! 🙂🌺

  4. Guten Morgen – was für ein schöner Beitrag! Ich habe mich in unserer evangelischen Kirche nicht mehr so richtig aufgehoben gefühlt, als meine Zwillinge geboren waren, habe mich unwohl gefühlt beim ersten Pieps, den meine Kinder von sich gegeben haben. Bei uns wurde dann kurzerhand der Krabbelgottesdienst geboren. Der Kindergottesdienst startet für Schulkinder und den Krabbelgottesdienst bieten wir für Eltern und Kinder von 0-6 an. Wir sind noch ein kleines Team aus zwei Müttern, aber es macht unheimlich viel Spaß sich darauf einzulassen, die Bibel und das Gebet und all die tausend Zusammenhänge aus einer ganz anderen, so gar nicht erwachsenen Perspektive kennenzulernen. Es wird viel gealbert, aber wir versuchen den roten Faden aufrecht zu erhalten und gestalten den Krabbelgottesdienst immer anhand einer kindgerechten Bibelstelle mit Bilderbüchern oder dem Kamishibai. Dazu gibt es dann Basteleien und/oder Spiele und das finde ich einen tollen Start…

    1. Hey, das ist ja toll… Ihr habt eine Lücke gesehen und habt euch engagiert, find ich total klasse. Vielleicht finden sich ja im Laufe der Zeit noch mehr Mitarbeiter? So ging es mir in der normalen evangelischen Kirche in meiner Heimat auch. Einmal hat uns sogar VOR dem Gottesdienst jemand angesprochen: „Ihr Kinder sind dann aber hoffentlich leise?!“ Da fühlt man sich doch gleich willkommen… In unserer Gemeinde haben wir mal überlegt, den Kigo gleich am Anfang des Gottesdienstes zu starten. Aber es ist wichtig, dass die Kinder eine Zeit mit dabei sind, weil wir doch alle eine Gemeinde sind. Ein gemeinsamer Abschluss wäre auch schön, aber das zeitlich zu organisieren ist schwierig… Hört sich echt klasse an, was ihr da auf die Beine gestellt habt! Liebe Grüße, Martha

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