Veröffentlicht in Allgemein, Kinder und Familienleben

Herzlichen Glückwunsch, es ist… ein Teenager!

Von schlechten Eltern?

Kann man sich vorstellen, dass aus dem schnullernden, kleinen süßen Fratz auf dem Arm eines Tages ein skeptisch drein schauender Teenager wird, der einem auf den Kopf spucken könnte? Der keine Lust hat, einem irgendwas zu erzählen und lieber „sein Ding“ macht? Ich konnte es ehrlich gesagt nicht… Wenn man die zarten Tritte im Bauch spürt und das kleine Würmchen auf dem Ultraschall-Bildschirm sieht, kreisen die Gedanken doch eher um den „Schnullerfratz“.

Man sieht die Probleme, die manche Eltern mit ihren Teenagern haben, erstmal aus der Ferne. Es sieht nicht aus wie etwas, das eines Tages zum eigenen Leben gehören könnte. Vielleicht haben diese Familien ja nur irgendetwas falsch gemacht?

Ich dachte manchmal bei mir: Niemals würde ich mir das gefallen lassen. Faule Teenager, die keinen Finger krumm machen, in deren Zimmer sich schimmelndes Geschirr stapelt,  die ganze Zeit nur am PC hocken, einen verdrehten Tag-Nacht-Rhythmus plegen, die keine Hobbys haben und keinen Plan, nur noch genervte Antworten oder gar Beschimpfungen von sich geben…

Von der Realität eingeholt

Nicht zu fassen, aber auch bei uns ist die Zeit ist deutlich sichtbar vergangen. Das Zusammenleben mit den Jugendlichen ähnelt mehr einer WG als einer Familie. Es knirscht an allen Ecken und Enden im Gebälk, weil alte Abmachungen, Gewohnheiten, Regeln und Rituale nicht mehr „einfach so“ angenommen und weitergeführt werden. Dabei war doch alles schön – oder etwa nicht?!

Es muss über Nacht passiert sein. Auf einmal stehe ich da, reibe mir die Auge und frage mich: „Was ist hier los?“  Da kreuzt zum Beispiel ein Teenager, der das andere Geschlecht gestern noch doof und langweilig fand, mit einem Partner zu Hause auf. Oder er ist unter keinen Umständen mehr zu einem gemeinsamen Familienurlaub zu bewegen und will allein zu Hause bleiben. Ich habe plötzlich Zweifel daran, ob Eltern wirklich an allem Schuld sind, was die Kinder in diesem Alter so tun. Und ehrlich gesagt keimt auch eine leise Angst vor der kommenden Zeit in mir auf. Wie auch immer. Auf einmal, da ist alles anders…

Eltern werden – noch einmal neu…

Es ist ein bisschen so, als bekäme man noch einmal das erste Kind. Ich persönlich bin relativ offen an die erste Geburt herangegangen. Was so viele Frauen vor mir geschafft haben, das schaffe ich auch. Warum denn nicht? So ähnlich ging es mir auch mit der Pubertät. Erst einmal abwarten, das schaffen wir schon… Mal ganz abgesehen davon, dass ich die erste Geburt nicht „einfach mal so“ geschafft habe, war auch das Muttersein eine gänzlich neue Erfahrung, auf die man sich eigentlich kaum vorbereiten kann. Es kam mit Wucht und überrollte mich fast wie eine große Welle. Ich wurde einfach mitgerissen… Es war eine gigantische und beglückende Erfahrung, aber immer wieder fühlte ich mich auch ziemlich hilflos, hin- und hergerissen zwischen den verschiedenen Meinungen, wie man nun am besten mit diesem kleinen Wesen umzugehen hat.

Früher habe ich viele Erziehungsratgeber gelesen. Ich brauchte das, um mein Bauchgefühl zu entdecken. Als dieses sich deutlicher meldete, las ich weniger Ratgeber. Aber jetzt suche ich wieder neu. Ich lese einschlägige Bücher, aber irgendwie scheint nichts richtig für uns zu passen. Schlaue Ratschläge lösen bei mir schnell das ohnmächtige Gefühl aus, dass bei uns wohl schon Hopfen und Malz verloren ist… Viel mehr hilft es mir, den Austausch mit anderen Eltern zu suchen. Ich frage Familien, die einen ähnlichen Lebensstil haben wie wir und die auch ähnliche Probleme mit ihren Jugendlichen haben. Manchmal kommt es mir vor, als wären wir die Einzigen, die viel zu kämpfen hätten. Im vertrauensvollen Gespräch merke ich aber, das ist gar nicht wahr.

Neue Zeiten

Ja, wo ist die Zeit nur geblieben? Hab ich nicht gestern erst überlegt, wie wir dem Zwerg den Schnuller abgewöhnen und wie wir mit Trotzanfällen an der Supermarktkasse umgehen? Stattdessen heißt es nun: Im Zimmer hocken, PC spielen, Geschirr stapeln, keine Hobbys, keinen Bock, keinen Plan… Bei den Mahlzeiten warten wir vergebens auf den Großen. „Also, mir sind die gemeinsamen Mahlzeiten ja gaaanz wichtig“, sagte mir eine Mutter dazu, als ich mein Leid klagte. Ja, meine Güte, mir auch! Genau so habe ich doch auch mal geredet. Bevor ich einen Teenager hatte. Die Pubertät ist eben auch eine Zeit, wo es nicht mehr ganz so wichtig ist, was die Eltern denken und wollen…

Nach vorn sehen

Es ist wirklich gut, wenn man offen an diese Zeit herangeht. Und trotz aller Schwierigkeiten und ernsthafter Sorge möchte ich die positive Grundhaltung übernehmen, die ich bei einer Freundin kennen gelernt habe. Sie freute sich über die Zeit des Erwachsenwerdens ihrer Kinder, war gespannt, was diese mit ihrem Leben anfangen würden. Da war Freude auf das Neue und Neugier am Entdecken zu spüren. Gott wünscht sich von uns, dass wir „frei von unnötiger Sorge“ sind (1. Korinther 7,32).

Auf jeden Fall bietet diese Zeit viele Lernchancen für uns Eltern. Nie zuvor konnte ich mich so in Liebe, Demut, Barmherzigkeit und Vergebung üben. Meine Abhängigkeit von Gott ist mir bewusster, je mehr ich meine Kinder eigene Wege gehen und ich sie loslasse(n muss). „Kümmere du dich jetzt um sie, ich kann es nicht,“ ist oft mein Gebet.

Wenn Gott diese Phase des Erwachsenwerdens erfunden hat, wird sie einen Sinn haben. Ich persönlich glaube ja, die Pubertät ist auch dazu da, dass die Kinder sich leichter von den Eltern ablösen. Aber auch umgekehrt: Die Eltern sollten Distanz zu ihren Kindern bekommen. Und das passiert zweifelsohne… Das kann man – trotz aller Reibereien – auch positiv sehen. Ich wollte zwar noch nie in eine WG, aber nun habe ich sie halt bekommen. Der Gedanke, dass der Große eines Tages auszieht, ist für mich jedenfalls jetzt nicht mehr unvorstellbar…

Ein Mädchen springt in die Luft, Leben mit Teenager, christliche Erziehung heute

Zeitsprünge…

Wie geht es euch mit diesem Thema? Freut ihr euch über das Erwachsenwerden der Kinder oder dominieren Sorgen und Probleme? Was hilft euch? Austausch mit anderen? Welche Bücher?

Schreibt gern zu diesem Thema in den Kommentaren. 

Deine

Schriftzug vom Blog FamilienLeben mit Gott

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Autor:

Wir glauben daran, dass ein FAMILIENLEBEN MIT GOTT einen Unterschied macht. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denn FAMILIEN LEBEN MIT GOTT. Mach dich mit uns gemeinsam auf die Suche nach Mehr...

2 Kommentare zu „Herzlichen Glückwunsch, es ist… ein Teenager!

  1. Mir geht es gerade genauso, mit meiner ältesten Tochter 15 Jahre. Es braucht oft sehr viel Weisheit, wie man mit den verschiedenen Situationen umgeht. Wir haben vor allem das Problem, dass sie auch nicht mehr mit zu den Gottesdiensten kommen wollte. Da uns das aber sehr wichtig ist, habe ich überlegt wie ich das Problem lösen könnte. Was mir geholfen hat war Austausch mit anderen. Danach haben mein Mann und ich uns zusammengesetzt und darüber nachgedacht was uns in der Familie wichtig ist und haben ein paar Regeln zusammengestellt wie zb Mithilfe im Haushalt, Grenzen beim Ausgehen , der gemeinsame Gottesdienstbesuch usw. Bei den Gottesdiensten sind wir dann den Kompromiss eingegangen dass sie nicht immer mitmuss, aber dass wir zumindest einmal im Monat alle zusammen als Familie hingehe. Wir haben ihr erklärt, dass diese Regeln solange sie bei uns in der Familie ist einzuhalten sind. Auch wir Eltern machen oft den Kindern etwas zuliebe obwohl wir lieber etwas anderes täten. Jetzt müssen wir konsequent dranbleiben. Wenn sie sich nicht an das Ausgemachte hält kürzen wir zb das Taschengeld oder sie bekommt Handyverbot. Ich bin gespannt ob es so klappen wird….

    1. Diese Phase kennen wir auch 🙂 Eine Zeit wollte der Älteste nur ungern mitgehen in den Gottesdienst und das sah man ihm dann dort auch an… Irgendwann ist er einfach nicht mehr mitgekommen. Wir fragen regelmäßig, obwohl wir die Antwort kennen… Für mich hat es keinen Wert, wenn er nicht freiwillig mitgeht und strafen möchte ich das nicht. Ich denke, er ist nun alt genug, um seinen Weg selbst zu finden. Alles, was ich tun kann – und das tue ich – ist beten 😉 Ich finde, ihr macht das genau richtig, wenn ihr Kompromisse sucht. Die Mitbestimmung der Kinder ist viel besser als ein Machtkampf, der sonst ganz automatisch entsteht. Und bestimmt müssen wir zukünftig auch immer wieder neu verhandeln, was geht und was nicht… Ich bin gespannt, wie es weitergeht 🙂

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