Veröffentlicht in Allgemein, Kinder und Familienleben

Ihr Kinderlein kommet – aber wie viele?

Kinder – Gabe oder Plage des Herrn?

Wir viele Kinder gehören zur Familie? Da gehen die Wünsche auseinander. Die meisten Paare (darunter auch die noch kinderlosen)  finden zwei Kinder ideal. In christlichen Familien gibt es häufiger ein drittes, viertes, fünftes… Kind. „Kinder sind eine Gabe des Herrn und Leibesfrucht ist ein Geschenk“ heißt es in der Bibel (Psalm 127,3). Wie empfinden wir diese Aussage? Als Verheißung – oder vielleicht auch als etwas Bedrohliches? Geschenke lehnt man schließlich nicht ab (auch wenn man schon welche hat), sondern nimmt sie stets dankbar an. Oder?

„Seid fruchtbar und mehret euch!“ (1. Mose 9,7) Verstehen wir das als Segen oder setzt uns dies als Aufforderung unter Druck? Machen wir uns überhaupt Gedanken, wie viele Kinder Gott eigentlich für uns vorgesehen hat?

Wie macht man es nun richtig?

Wer und was beeinflusst unsere Entscheidung wirklich? Da sind zum Beispiel „die Anderen“. Die Anderen wissen es ja meistens besser. Ist man jung verheiratet, warten sie ungeduldig darauf, wann man nun endlich Kinder bekommt. Ist das erste Kind da, beginnt schon bald die Spekulation über das zweite. Will die Frau kein zweites oder der Mann? Oder gar beide? Vielleicht ist man karrieregeil, erziehungsfaul oder gleich überfordert. Wie auch immer, Einzelkinder werden gern bedauert.

Mal angenommen man macht alles „richtig“ und bekommt – nach sagen wir mal zwei bis maximal vier Jahren – ein zweites Kind, muss das Geschlecht auch passen. Im Idealfall bekommt man einen Jungen und ein Mädchen (notfalls auch in der anderen Reihnefolge). Wem das nicht gelingt, der darf es ein drittes Mal versuchen. Dass man gern beide Geschlechter vertreten hätte scheint Konsens zu sein. Entsprechend wird eine Mutter von vier Jungen (oder Mädchen) auch bei völliger Zufriedenheit durchaus einmal bedauert.

Ansonsten kommt aber bei einer dritten Schwangerschaft schon die Frage, ob man sich das auch gut überlegt hat, ob das geplant war oder gar, ob das denn sein musste. Nicht nur hinter vorgehaltener Hand, nein, auch ganz direkt. „Was machst du wenn es wieder ein Junge wird?“, wurde eine Freundin gefragt. Ja, was? Vielleicht aussetzen? Wer nun noch nicht genug hat, bekommt psychische Probleme angedichtet. Es muss einen Grund geben, warum jemand mit dem Kinderkriegen nicht abschließen kann. Oder man weiß einfach nicht, wie man effektiv verhütet. Ein Arzt (kein Gynäkologe) fragte mich einmal, ob ich eigentlich nicht verhüten dürfe. Ich verzichtete auf die Gegenfrage, wie er denn so verhütet. Vielleicht aber ist unsere Dummheit nur vorgetäuscht und in Wirklichkeit hegt man den Plan, sein Leben durch das viele Kindergeld zu finanzieren…

Den eigene Weg gehen…

Es gibt immer Menschen, die reden bevor sie nachdenken, alles besser wissen und dabei übergriffig werden. Am besten, man versucht auf Durchgang zu stellen und sich nicht daran zu stören. Ich persönlich empfand auch die Frage „War denn das geplant?“, schon als etwas seltsam. Es ist zum einen eine sehr persönliche Sache, noch ein Kind zu bekommen, zum anderen aber gibt es bei Gott keine ungeplanten Kinder. Ist die Frage nicht viel mehr, ob das Kind willkommen ist? Zum Glück gab es immer Menschen, die sich einfach mit uns über ein weiteres Kind gefreut haben.

Natürlich dürfen und sollen wir verantwortungsvolle Entscheidungen treffen. Nicht in jede Lebenssituation passen (noch mehr) Kinder. Vielleicht ist ein Elternteil schon „am Anschlag“ oder hat ernsthafte gesundheitliche Probleme, vielleicht braucht ein Kinder besonders viel Kraft und Aufmerksameit. Manchmal jedoch werden Gründe auch vorgeschoben um eine Entscheidung zur rechtfertigen (Haus oder Auto zu klein, Chef zu verständnislos, Geld zu knapp). Warum steht man nicht einfach dazu und sagt: „Wir wollen kein weiteres Kind!“ statt „Wir können es uns nicht leisten“ oder „Ich habe ja gerade erst wieder angefangen wieder zu arbeiten“. Es gibt tatsächlich einen Unterschied zwischen „nicht leisten können“ und „nicht leisten wollen“. Vielleicht könnten wir unsere Entscheidung – wie auch immer sie ausfällt – der Umgebung freier mitteilen, wenn die Menschen zurückhaltender wären mit Kommentaren…

Vor einiger Zeit hatte ich eine Begegnung mit einem jungen Familienvater, der mit seiner Frau und vier Kindern aus ärmlichen Verhältnissen geflüchtet war. Er staunte darüber, dass hier fast jede Familie ein eigenes Auto hat. „Ihr seid so hier reich“, meinte er nachdenklich. „Aber warum habt ihr so wenig Kinder?“ Ich wusste keine gute Antwort.

… trotz aller Widerstände

„Fünf Kinder, das könnte ich nicht, mir sind meine zwei genug“, sagte eine andere Mutter zu mir. Ja, das verstehe ich. Ich war auch ausgefüllt – auch schon mit einem Kind. Aber seit ich kinderreiche Familien mit sieben, acht, neun, zehn Kindern kenne, sind fünf Kinder gar nicht mehr so viele. Es kommt darauf an, mit wem man sich vergleicht und wir sind eben auch eine großfamilienentwöhnte Gesellschaft. Eine, in der man sich umschaut, wenn jemand eine Schar Kinder dabei hat. Eine, in der es Parallelwelten für Kinder gibt. Eine, in der es nicht mehr gern gesehen ist, wenn sich die Mutter eine längere Zeit ausschließlich um die Kinder kümmert. Man spricht von der Elternzeit sogar als einer „Auszeit“ von der Arbeit, das spricht Bände.

Vom Leben mit mehreren Kindern

Ja, das Leben fordert heraus. Auch das Leben mit einem Kind war anstrengend, nun ist es eben „anders“ anstrengend. Die Rolle der Eltern wandelt sich, man wird vom Spielpartner zum Coach, Organisator und Streitschlichter. Aber man springt nicht ins kalte Wasser, in der Regel kommt ja ein Kind nach dem anderen dazu und das Familienmobile pendelt sich jedes Mal (nach einiger Zeit…) wieder neu ins Gleichgewicht. „Ich möchte gern jedem Kind gerecht werden“, sagte einmal eine Mutter von zwei Kindern zu mir, als sie erfuhr, dass ich fünf davon habe. Ja, das möchte ich auch! Ob es mir wirklich gelingt, das weiß ich nicht und ich zweifle durchaus immer wieder. Aber kann man nicht auch wunderbar leben, ohne alles bis ins Detail zu planen, zu organisieren, zu kontrollieren, zu fördern und zu steuern? Ich möchte mich auch gern zurücknehmen, Freiraum geben und vertrauen. Darauf, dass Gott unsere Mängel kennt und sie ausfüllen kann. Auch die unserer Kinder! Als wir über ein fünftes Kind nachdachten, begegnete mir der Bibelvers „Wem viel gegeben ist, von dem wird auch viel verlangt. Je mehr einem Menschen anvertraut wird, desto mehr wird auch von ihm gefordert.“ (Lukas 12, 48) Bezogen auf unsere Kinder heißt dies, dass wir mit vielen Kindern auch eine besondere Verantwortung tragen, der wir uns bewusst sein sollten.

Unsere Kinder können in 10 Konstellationen streiten. Das bietet aber genau so viele Varianten zum Spielen. Oder noch mehr, nämlich dann, wenn sich mehrere oder sogar alle zusammentun… Unbezahlbare Momente. Geschwister hat man im Idealfall für das ganze Leben. Was für ein Geschenk!

„Wollen wir noch ein Kind?“ Was wäre, wenn sich mehr Familien trauen würden, die Frage andersherum zu stellen? „Warum eigentlich nicht noch eins?“

Wie viele Kinder gehören zur Familie?

Was denkst du: Macht der Blickwinkel einen Unterschied? Ist unsere Gesellschaft (groß-)familienentwöhnt? Schreibe deine Meinung zu dem Thema gern in die Kommentare. 

Deine

Schriftzug vom Blog FamilienLeben mit Gott

Update 14.08.2017: Dieser Artikel wurde als Beitrag zur Blogparade „So ist das Leben mit zwei oder mehr Kindern“ von „Sonjas besondere Welt“ eingereicht.

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Autor:

Wir glauben daran, dass ein FAMILIENLEBEN MIT GOTT einen Unterschied macht. Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, denn FAMILIEN LEBEN MIT GOTT. Mach dich mit uns gemeinsam auf die Suche nach Mehr...

9 Kommentare zu „Ihr Kinderlein kommet – aber wie viele?

  1. Danke für den Artikel! Wir haben jetzt 4. Die Älteste ist 6,der Jüngste 1 Jahr alt. Wir denken gerade viel darüber nach, ob wir noch weitermachen. Aber ich denke immer wieder… „warum eigentlich nicht?“
    Du hast mir Mut gemacht, danke.
    Melissa

  2. Wirklich schöner Artikel 🙂 Ich selber bin in einer großen Familie (8 Kinder) groß geworden und will auf jeden Fall auch viele Kinder haben. Viele Geschwister zu haben ist wirklich ein großer Segen und einfach unbezahlbar. Die besten Stunden sind die, in denen wir alle (jetzt schon fast „ausgewachsen“ ;)) zusammensitzen und über früher reden. In einer Großfamilie lernt man so viele Dinge (soziale Kompetenz, Durchsetzungsvermögen, etc.). Ich würde meine Familie um keinen Preis der Welt aufgeben 🙂 LG!

    1. Vielen Dank, dass du dein Erfahrungen teilst… das ist echt ermutigend. Und es ist das, was ich für meine Kinder auch einmal erhoffe. Ich selbst habe „nur“ eine Schwester, für die ich aber sehr dankbar bin 🙂 Im Alltag mit vielen Kindern denkt man oft, es kommt jemand zu kurz, aber längerfristig denke ich, Geschwister-Segen ist ein Gewinn! Liebe Grüße, Martha

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